08.02.2019 (kfr)
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Blödsinn!?

Nachdem der Doc Storage sich berufen fühlt, auf meine Beiträge mit Unmut, Genervt-Sein und Widerrede zu reagieren, öffne ich hier den Dialog. Alles als Blödsinn zu bezeichnen, mag ja medienwirksam sein und auch kurzfristig unterhaltsam. Aber bietet es tatsächlich Mehrwert für unser Leben, Wachstum oder Wohlbefinden?

Bild: Claudia HesseBild: Claudia HesseEs ist kein Blödsinn, dass viele Menschen heute überfordert sind mit der Geschwindigkeit in der digitalen Welt, der Arbeit und den Veränderungen.

Es ist auch kein Blödsinn, dass ich mit vielen Menschen – auf diversen Leveln im Unternehmen – arbeite, die durch das Umfeld digitale Welt oft höchst angeschlagen sind – seelisch wie körperlich. Und das ist nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel.

Claudia HesseClaudia HesseEs ist auch kein Blödsinn, dass viele Menschen Angst haben. Davor, in diesem Umfeld nicht bestehen zu können oder gnadenlos ersetzt zu werden.

Und es ist kein Blödsinn, dass sich Erschöpfung breit macht an allen Ecken und Enden und es viele Menschen satt haben, sich hinter Positionen, Macht, Zynismus, Shaming & Blaming und Office-Politik zu verstecken.

Soweit meine Beobachtungen. Die entstehen, wenn ich Menschen zuhöre.

Von daher – JA, der »Faktor« Mensch oder besser, die Notwendigkeit, UNS und Menschlichkeit wieder in den Mittelpunkt zu stellen, ist real. Weil uns viele Teile davon abhanden gekommen sind in Zeiten der Digitalisierung. Die Zahlen von Depression und Burnout sprechen Bände.

Hier meine Sichtweise:

1. Was Menschen tun, hat immer was mit ihnen selber zu tun, nicht mit mir. Wenn diese Beiträge dem Doc Storage so auf die Nerven gehen, dann kann ich nur den Tipp geben, mal genauer hinzuschauen, warum das denn der Fall ist. Ich könnte nur spekulieren – das lasse ich, ich frage lieber nach.

2. Alles als Blödsinn abzutun, ist einfach. Ein Mittel, dass in der Politik zur Genüge verwendet wird und Kommunikation verhindert, statt einen Dialog zu öffnen. Und genau da fängt das Problem an, was in vielen Unternehmen vorherrscht und was durch die hohe Geschwindigkeit und die Überlastung noch mehr akzentuiert wird: Konfrontation, Rechthaberei, Positionsgehabe und Aggression anstatt konstruktive Kommunikation. Und oft steckt dahinter: Angst. Ich persönlich bevorzuge angstfrei.

3. Der Doc Storage scheint alles zu wissen, alles schon mal gesehen zu haben und offensichtlich gibt's ja nichts Neues, was ihm nicht schon bekannt ist oder irgendein Autor schon vor Jahrzehnten geschrieben hat.

In jungen Jahren hatte ich im Übrigen auch Phasen von dieser Ich-weiß-es-ja-besser-und war-alles-schonmal-da Sichtweise und habe mich mal eben über andere »erhoben«. Je mehr ich in meinem Leben gelernt habe, desto mehr habe ich gemerkt, wieviel ich nicht weiß. Und dass es immer was zu lernen gibt – speziell von den Menschen, die eine andere Meinung haben. Wenn wir unseren Geist verschliessen und schnell Dinge abtun, verhindern wir, dass wir wachsen können.

4. Es ist in der Tat so, dass viele Dinge schon lange bekannt sind. Was nicht heißt, dass sie auch gelebt und umgesetzt werden. Weil: »common sense is not common practice« (yep, ich benutze auch Englisch – weil ich weiß, dass die Menschen, die das hier lesen gebildet sind und die Sprache genug beherrschen, um mein »Denglisch« zu verstehen. Übrigens: das kommt daher, dass ich mit einem Briten zusammenlebe und vorwiegend in Englisch arbeite.)

Auf der anderen Seite gibt es mittlerweile Erkenntnisse, einerseits aus der Wissenschaft, andererseits schlicht und ergreifend aus der Erfahrung, die uns neue Einsichten geben und damit Umdenken nicht nur ermöglichen, sondern erfordern. Speziell, was uns Menschen angeht, gibt es noch viel zu erforschen und zu erfahren.

Ein Beispiel: Die Leistungsfähigkeit unserer Intuition – speziell im Business – wurde jahrzehntelang gnadenlos unterschätzt. Mittlerweise ist sogar wissenschaftlich nachgewiesen, dass es sie gibt (ist keine Einbildung) und, dass sie extrem verlässlich ist, wenn wir sie trainieren (trifft auch aufs Gehirn zu – wenn wir das nicht trainieren, ist es auch eher wenig verlässlich). Also lasst uns genauer hinschauen und sehen, wie wir das nutzen und anders (sprich besser) arbeiten können.

5. Umwälzungen war noch nie so radikal wie in der digitalen Welt, manche Märkte und Prozesse wurden und werden auf den Kopf gestellt. Die Transformation ist schlicht und ergreifend die Reaktion der Unternehmen auf diese Veränderungen...neues Denken und Handeln ist erforderlich. Ich persönlich sehe Transformation an vielen Ecken und Enden dieser Welt (hatte übrigens 7 Jahre Latein in der Schule und bin mit dem Ursprung des Wortes vertraut) und nicht nur schnöde Weiterentwicklung.

Ist vielleicht Ansichtssache – je nachdem aus welcher Perspektive wir das betrachten. Ist auch ehrlich gesagt ziemlich egal, ob wir von Transformation oder schneller Weiterentwicklung sprechen – Fakt ist, dass viele Menschen in unserer heutigen (Arbeits-)Welt verloren sind, zu wenig Orientierung und Klarheit haben – und damit oft unglücklich und ohne Engagement arbeiten und leben. Klar liegt die Verantwortung bei jedem Einzelnen – das Umfeld kann allerdings viel dazu beitragen – in jede Richtung.

6. Die Welt besteht nicht nur aus IT. Verändern wir unseren Blickwinkel, sehen wir, dass Transformation für viele Menschen bedrohlich und anstrengend ist.

Mich nerven auch manche Dinge: Zum Beispiel arrogante Menschen, die immer recht haben wollen oder müssen. Ist aber kein Anlass, das anzuprangern, sondern eher, transparent zu machen, dass diese Art der Konversation wenig zielführend ist.

Oder bist Du, lieber Doc Storage darauf bedacht, möglichst kontrovers daher zu kommen, damit es auch so viele wie möglich lesen?

Ich mag lieber Informationen liefern, die widerspiegeln, was Menschen denken (im Übrigen hat keiner der Hersteller hat irgendjemand »vorgeschickt« –- ich habe die Menschen angesprochen und um Gespräche gebeten) und zu sagen haben, weil ich dabei was lernen kann. Und unsere Leser auch. Manchmal mehr, manchmal weniger.

Vielleicht gehörst Du zu letzterer Kategorie – schön für Dich. Ich wette allerdings, dass auch Du noch was lernen kannst.

Und das ist mir wichtig. Die Menschen. Weder die Anzahl der Page Impressions noch der Entertainment-Faktor. Oder wer recht hat.


Kommentare (4)
15.02.2019 - jan

"Aber Sachkenntniss kann jede Diskussion nur stören."
Ein wundervoller Satz von 'Jobe'. Das Problem der IT ist, dass hier spezialisierte Spezialkenntnisse in vielen Bereichen (beileibe nicht nur IT Bereiche) nötig sind um sinnvolle Lösungen zu liefern.
M.E. ist die größte Krux der IT Organisation in Unternehmen, dass das Management - IT gleichzeitig unter- und überschätzt - sowie keinen Impetus hat sich selbst mühselig mit IT im (Projekt)Detail auseinanderzusetzen. (Leute die so etwas (gerne) machen, wie ich -, haben deshalb sofort EDEKA).
Diese Voraussetzungen, gekoppelt mit einer gesunden Portion Managementüberheblichkeit und dem Druck liefern zu müssen - führt zu Angst vor der eigenen Organisation und dem Druck zum Outsourcing.
Die drei letzten Punkte ("ich will es nicht so genau wissen" (obwohl IT Projekte an den Details scheitern), "die machen mir Angst" (riesen Budget und hohe Chance zu versagen) führen zu. Wie kaufen es ein und beschließen es im Gremium (save my ass).
Die daraus resultierende Kultur der Unverantwortlichkeit und Bürokratie zum Verschleiern von Versagen - sorgen für kranke Mitarbeiter.

15.02.2019 - Doc Storage

Hallo, Claudia!

Gern will ich den Ball aufnehmen und meinerseits den nächsten Beitrag in diesem Dialog leisten. Ich gehe all Deine Argumente durch, auch und vor allem die bisher eingetrudelten Leserzuschriften, um keinen der zahlreichen Aspekte zu vergessen.

In den ersten Absätzen beschreibst Du, wie viele Menschen in der „digitalen Welt“ überfordert sind, mit deren Geschwindigkeit, der Arbeit in ihr und den ständigen Veränderungen. Wir dürfen allerdings nicht außer Acht lassen, daß diejenigen, die heute in dieser Welt arbeiten, auch in diese hineingeboren wurden, von Anfang an mit deren Anforderungen und Geschwindigkeit vertraut waren. Anders als die Generation unserer Großeltern, die vor und im ersten Weltkrieg in eine völlig andere Welt hineinkamen, und über ihre Lebensspanne bis in die 80er, 90er Jahre des letzten Jahrhunderts tatsächliche Revolutionen mitmachen, verstehen und – ja – auch aushalten mußten. Ob man nun körperlich oder seelisch angeschlagen sein kann von all diesen Anforderungen, liegt denke ich vor allem an der Einstellung seiner individuellen Arbeit gegenüber, in vielen Fällen handelt es sich nach meiner Erfahrung eher um selbstgemachten Streß denn solchen, der von außen, egal ob vom Unternehmen oder einzelnen Personen, verursacht oder ausgeübt wird. Positionen, Macht, Zynismus, Shaming & Blaming, Office-Politik, all diese Sachen sind schäbig und für viele Menschen nicht auszuhalten. Aber wir müssen uns fragen, ob es all das nicht schon gibt, seitdem das erste Unternehmen die erste Hierarchie eingeführt hat. Und ja, da hast Du meine absolute Zustimmung für Deine Beobachtungen. Aber diese sind nicht nur in der EDV, sondern in jedem sich als modern bezeichnenden Unternehmen zu finden. Wenn man die entsprechenden Statistiken durchforstet, hat es Phänomene wie Burnout oder Depressionen schon (fast) immer gegeben, nur leider hatte man in früheren Zeiten keine oder nur unzureichende Diagnosen dafür.

Zu (1) Warum mir das neuerliche Aufwärmen dieses Themas auf die Nerven geht, ist größtenteils dem oben geschriebenen zu entnehmen. Natürlich geht es um den Menschen, die Interaktion zwischen Menschen und dem anständigen (jaja, ich weiß, ein altmodisches Wort) Umgang miteinander. Aber eben nicht nur in der DV, sondern überall sonst auch.

Zu (2) Ich hoffe, daß die Aufnahme des Dialoges nun dazu beiträgt, mich nicht mit der heutigen Politikerkaste zu vergleichen. Auch Du als journalistisch Tätige weißt, daß man zuweilen überspitzen muß, damit die Leute überhaupt noch hinschauen. In einem Unternehmen kann man ausschließlich angstfrei führen, wenn man Ergebnisse erhalten will. Ergebnisse, die nicht nur punktuell oder kurzfristig wirken, sondern nachhaltig und langfristig. Nicht ohne Grund sind die erfolgreichsten Unternehmen solche mit flachen oder gar keinen Hierarchien. Natürlich braucht es am Ende jemanden, der die Verantwortung trägt und nötigenfalls den Kopf dafür hinhält, wenn etwas schiefläuft. Deshalb sollte der Vorgesetzten sich immer vor, nicht hinter seine Leute stellen. Damit er und nicht die anderen die Brocken abbekommen, wenn es einmal hart wird. All das ist das Ergebnis von nunmehr über 30 Jahren Erfahrung in diesem Job, und ja, manchmal weiß man nach dieser Zeit tatsächlich Dinge besser als andere. Manchmal.

Zu (3) All das ist das Ergebnis von nunmehr über 30 Jahren Erfahrung in diesem Job, und ja, manchmal weiß man nach dieser Zeit tatsächlich Dinge besser als andere. Manchmal. Und manchmal hat man Situationen und deren Ausgang schon einmal erlebt. Man glaubt gar nicht, wie viele deja vus man schon aushalten mußte. Vielleicht gesteht es jemand einem ja zu, manchmal noch schlimmeres kommen zu sehen und verhindern zu wollen. Das hat nichts damit zu tun, daß man, ich, nichts dazulernen will. Das muß man, ich, jeden Tag. Sonst bin ich bald tot. Und das ist ebenfalls eine dieser Erfahrungen.

Zu (4) Wenn ein Vorgesetzter Glück hat, hat einer mindestens einen Mitarbeiter, der über Gefühl für seine Arbeit verfügt und diese nicht nur mechanisch abspult, weil er ja Geld dafür bekommt. Wenn er riesiges Glück hat, hat dieser Mitarbeiter nicht nur Gefühl, sondern verfügt, wie Du schreibst, über die Intuition, Dinge anders, effizienter, schlicht besser zu machen. Wenn er im Schlaraffenland lebt, hat er nicht nur einen davon. Und er gehört von seinem Platz entfernt, wenn er weder dieses Gefühl noch die Intuition seiner Kollegen erkennt oder fördert. Insofern hast Du absolut Recht – wir müssen diese zarten Pflänzchen finden und entwickeln, und das ist bei den meisten sogenannten Managern heute Mangelware, weil sie, wie Du auch sehr richtig anführst, mit „nach oben buckeln und nach unten treten“ beschäftigt sind.

Zu (5) Hier ist eigentlich der einzige Punkt, wo ich Dir etwas widersprechen muß. Umwälzungen haben schon immer stattgefunden, natürlich, und auch hier hast Du wieder Recht, nicht so schnell und damit so nachhaltig wie in den letzten Jahren. Wenn ein Unternehmen allerdings – wie ich oben erwähnt habe – diesen Wandel nicht radikal und kurzfristig, sondern nachhaltig und langfristig anlegt, kann auch dieser ohne Ängste, ohne überflüssigen Streß und ohne gesundheitliche Auswirkungen vonstatten gehen. Ein guter Arbeitgeber, und mit ihm seine Führungskräfte, machen den Mitarbeitern immer und an jeder Stelle seiner Veränderung klar, warum bestimmte Dinge nun getan werden (müssen), was die kommenden Schritte sein sollen und wohin das ganze im Ende führen soll. Ich weiß, ich nerve, aber in den über 30 Jahren habe ich kein erfolgreiches Unternehmen gesehen, das es nicht so gemacht hat. Also, ich denke, das Problem ist nicht der Wandel und seine Geschwindigkeit, das Problem sind Führungskräfte, die es sich einfach machen. Und da müssen wir anpacken.

Zu (6) Endlich sagst Du es: die Welt besteht nur zu einem ganz ganz kleinen Teil aus dem, was wir hier tun. Ein Großteil der Menschen findet sich in den Problemen, die wir hier beschreiben, allerdings hautnah wieder. Weil die Probleme, die Du, die ich hier beschrieben haben, keine DV-spezifischen sind, sondern sich durch die gesamte Nomenklatura in allen Unternehmen ziehen. Und deshalb müssen wir den Bezug der beschriebenen Probleme mit unserer Branche aufheben, weil es diesen nicht direkt gibt.

Und zum Schluß: ich hoffe, daß die hier beschriebene, meine persönliche Sicht auf die diskutierten Probleme nun zeigen, daß ich weder auf irgendwelchen dummen Standpunkten beharre, irgendjemand anderem, speziell Dir, Claudia, Dein Fachwissen und Deine Erfahrung abspreche oder auch – und das trifft mich nun tatsächlich etwas persönlich – für mehr Klicks auf irgendeine Seite sorgen will. Und ja – unser Chefredakteur hat mir vor Jahren gesagt, daß ich ruhig etwas… ich glaube „schmissiger“ war sein Ausdruck… schreiben könne. Dabei wollte ich mit meinem Beitrag zu diesem Thema lediglich für eine andere, breitere Perspektive sorgen. Ich hoffe, das ist mir mit diesem Beitrag zum eingeforderten Dialog gelungen.

Ach ja, und noch etwas zum Leserbrief von „Jobe“: Auch hier hoffe ich, daß meine Objektivität – und die in allen Themen – hiermit rehabilitiert ist. Ich möchte niemanden abschrecken, eine Diskussion zu führen, wie man bei anderen Beiträgen in den letzten Tagen hoffentlich bemerkt. Allerdings gibt es bei vielen Themen in unserer Ecke der Realität leider nur ein „richtig“ und ein „falsch“. Bei „weichen“ Themen allerdings sei es mir – hoffentlich – erlaubt, auch einmal eine persönliche Meinung zu haben und diese zu äußern. Sollte diese nicht immer politisch korrekt weichgespült sein, möge man mir das verzeihen. Ich hoffe der Beitrag oben zeigt, daß ich mir über Dinge auch Gedanken mache, wenn ich dazu schreibe…

Liebe Grüße
Doc Storage

12.02.2019 - mress

Leider gibt es heutzutage immer mehr Fakenews - gerade auch in unserer IT Welt - und da die Fakten in der IT oftmals einen hohen Komplexitätsgrad zeigen, werden diese häufig verschwiegen oder bis zur Unkenntlichkeit verändert. Insofern muss ich Doc in vielen Dingen zustimmen - und viele tollen Neuheiten sind nur alter Wein in neuen Schläuchen - da beobachte ich auch an mir selbst schnell Polemik und Rechthaberei. Allzu menschlich.

08.02.2019 - Jobe

DANKE, kann dem leider nur zustimmen,
"leider" weil ich von einem "Dr." einfach erwarte "objektiv" und "lösungsorientiert" zu sein.
Ok mein Fehler ... beim DrS denke ich immer:
ganz schön viel Meinung für so wenig Sachkenntniss ...
Aber Sachkenntniss kann jede Diskussion nur stören.

nur entsteht hier selten eine wirkliche Diskussion ...
Absicht oder Abschreckung?
Ich denke es tut diesem "Fach" Magazin nicht gut wenn
Polemik die Überhand gewinnt ...