15.05.2020 (Doc Storage)
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Doc Storage: »Ich vermisse den Gegenwind«

Kolumne Doc Storage:

Hallo liebe Leser,

im Gegensatz zu den letzten Wochen werde ich mich relativ kurzfassen. Und ich werde einmal meiner – naja, nennen wir es ruhig einmal Fassungslosigkeit Ausdruck geben. Wochenlang habe ich über das blöde Virus und dessen (mögliche) Auswirkungen auf unsere Industrie, auf unsere unmittelbare Arbeitsumgebung geschrieben. Darüber, was passiert ist, wie sehr wir das nicht erwartet haben, womit wir jetzt kämpfen und was wahrscheinlich in der Zukunft kommt. Nicht nur ich habe darüber berichtet, nein, auch einige Kollegen in den sgTalks in (fast) jeder der letzten Wochen.

Was mich fassungslos macht, ist die offensichtliche Teilnahmslosigkeit der meisten Kollegen zu diesen Themen. Erreichen mich sonst zu den bedeutungslosesten Themen meterweise Beiträge, entspannen sich dort oftmals Diskussionen über den einen oder anderen richtigen Weg oder die eine oder andere richtige Sichtweise, passierte hier zu allen Beiträgen seit Eintritt des schwarzen Schwanes – NICHTS. Ich will einfach nicht glauben, dass NIEMAND zu diesen Themen eine Meinung hat, und vor allem NIEMAND eine andere als ich.

In dieser Zeit sammeln sich überall Bürger zu Demonstrationen und Gegendemonstrationen, diskutieren über Grundrechte und deren Beschränkung, über Einschränkung der Individualrechte und vieles mehr. Und wir, die wir im – zugegeben meist ruhigen – Auge dieses Orkans sitzen, haben keine divergenten Meinungen zu den Themen, über die ich geschrieben habe? Das Ende der hochpreisigen EDV? Die Ignoranz und das Missmanagement in der IT und deren Konsequenzen? Die mögliche Zukunft unserer Arbeitsplätze nach der Krise? Ihr wollt mir doch nicht allen Ernstes erzählen, Ihr hättet zu allem technischen eine Meinung, meist sogar eine sehr gute, aber wenn es zu den grundsätzlichen Themen unserer alltäglichen Umgebungen geht, schweigt Ihr alle? ALLE?

Ich möchte Euch nochmals und sehr eindringlich bitten, Euch zu diesen Themen zu äußern. Nicht nur, um Eure eigene Situation darzustellen, nein, auch und vor allem, um allen anderen da draußen zu zeigen, dass keiner von uns in diesen Tagen allein ist mit seinen Problemen. Dass niemand von uns proprietäre Herausforderungen hat, sondern sich diese auf die eine oder andere Weise gleichen. Und dass wir alle daran arbeiten können, diese mit gemeinschaftlichen Ideen zu bewältigen.

Tausende von Euch rennen auf Messen, Kongresse und Symposien. Jeder von Euch hat dort zu allem, erscheint es auch noch so unwichtig, eine Meinung und lässt diese in Diskussionen einfließen. Und hier, gerade jetzt, herrscht dumpfe Stille? Nochmal – das kann ich nicht glauben…

Gruß
Doc Storage

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Kommentare (7)
17.05.2020 - Doc Storage

@Jobe: Oh, an der Zeit etwas Konstruktives zu schreiben ist es schon lange. Wenn allerdings die Kritik schon als „meckern“ klassifiziert wird, haben wir ein kleines Problem. Aus meiner Sicht habe ich schon versucht Wege zur Lösung einiger Probleme aufzuzeigen. Wenn diese Vorschläge dann „Besserwissen“ sind, landen wir ganz schnell in einer Phase, in der eine Diskussion kaum noch möglich ist.
Nein, die DV-Verantwortlichen haben sich auch in der Zeit als sie es wohl noch konnten (also vor mindestens zwanzig Jahren) kaum „goldene Kühlkörper“ in die Rechner geschraubt. Allerdings waren damals auch die zur Verfügung stehenden Mittel, egal ob für Capex oder Opex, unstreitbar wesentlich höher als jetzt. Und anstatt ihre Preise den immer niedriger werdenden Budgets anzupassen, wurde von vielen „etablierten“ Herstellern versucht, das möglichst größte Stück aus dem Kuchen für sich herauszuschneiden. Natürlich, und diese Diskussion will ich gar nicht erst eingehen, wir haben hier Kapitalismus, und im Ende kann man alles nur zu dem Preis verkaufen, zu dem es auch abgenommen wird („Reservationspreis“).
Was ich mich allerdings frage ist, wieso es manche – vorwiegend jüngere – Firmen fertigbekommen, ihrem Produkt einen und genau einen Preis zuzuordnen, und bei den ganzen „etablierten“ soll das aus einem von tausend Gründen nicht funktionieren. Nächster Punkt - der sogenannte Fachkräftemangel ist in vielen Teilen hausgemacht, wenn man sich die Zeiträume ansieht, die ein vernünftig ausgebildeter Informatiker in deutschen Firmen braucht, bis er über alle Stationen von Personalern, Abteilungs- und was-weiß-ich-für-Leitern drüber weg ist, nur um dann zu erfahren, dass eine Stelle (mal wieder) intern, also billiger besetzt worden ist. Wir haben genügend Personal im Markt, allerdings schrecken diese übertriebenen Anstellungs“prozesse“ jeden vernünftigen Menschen von einem Arbeitgeberwechsel ab.
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17.05.2020 - Doc Storage

Auch müssen wir uns bei den Regierungen der EU bedanken, dass sie im Rahmen den unseligen Bologna-Prozesses die seinerzeit international gesuchten deutschen Diplom-Informatiker zu solchen mit Bachelor- und Master-Abschlüssen degradiert haben. Und eben diese armen Kollegen müssen wir dann, weil sie ja „schneller in den Markt“ gedrückt werden, noch im Betrieb mehrere Jahre nachausbilden, um sie überhaupt gebrauchen zu können. Man sieht – auch hier wieder eine mehrdimensionale Matrix an Problemen.

17.05.2020 - Doc Storage

@LHL: Ja, allerdings hat es mich gewundert, dass ich drei oder vier Wochen lang etwas schreibe, und niemand, wirklich niemand hält dagegen. Das sieht manchmal bei völlig nichtigen Themen ganz anders aus, da wird selbst darauf geachtet, ob man von den Tabellen der Hersteller richtig abschreibt. 😉
Ansonsten danke ich Ihnen, dass Sie eine Betrachtung der Lage aus Ihrem Gesichtspunkt geliefert haben. Natürlich gibt es Situationen, wo eine abgeschirmte Gruppenarbeit wesentlich bessere Ergebnisse bringt als das Hin- und Herschieben von Kritzeleien auf lokalen und entfernten Desktops. Man darf auch die besten Einfälle und Diskussionen – nämlich diejenigen abends an der Hotelbar – nicht vergessen.
Ich hoffe inständig, dass diese Möglichkeiten wieder fester Bestandteil unseres alltäglichen Arbeitslebens werden. Wir werden allerdings auch sehen, in wie fern die nun „gefestigte“ Videokonferenz-Infrastruktur dazu beiträgt, nicht für jede blödsinnige Zweistunden-Besprechung ins nächste Flugzeug zu springen oder uns für Stunden auf die Autobahn zu begeben. Insofern freue ich mich auf zwei bis drei Konferenzen im Jahr, wo man dann die Speicherfamilie wieder einmal treffen kann…

15.05.2020 - Jobe

vielleicht wäre es mal an der Zeit etwas Konstruktives zu schreiben und nicht immer nur zu meckern
... sorry aber dieses "Besserwissen"-wollen reicht auf Dauer nicht ...
alleine diese These -Ende der Edel EDV ...
haben bis vor ein paar Wochen alle IT Verantwortlichen sich goldene Kühlkörper in die Server geschraubt weil sie es konnten? Budgets waren schon immer knapp oder etwa nicht?
Wer zum Geier soll eigentlich dieses "wir machen alles selbst viel effizienter" und daher billiger umsetzen?
Wer hat den hier ein Luxusproblem, Stichwort Fachkräftemangel, wenn er alles mit OpenSource und Standardkomponenten und selbst kompilierter Software hinbekommt? die IT Mannschaft will ich sehen ... und hier meine ich freie Wirtschaft, keine Uni's ...
Dann dieses Sinnieren über "die Hersteller rufen Mondpreise auf, das geht ja gar nicht" willkommen in der freien Markwirtschaft, es sind alles gewinnorientierte Unternehmen ... der Markt regelt doch alles von alleine ... da braucht es keine klugen Berater ... äh Moment mal, was machen einige der Herren nochmal beruflich? selten soviel Stammtischgeblubber gehört ...
genug Gegenwind?

15.05.2020 - LHL

... hm, hab wieder nicht vor dem Senden Korrektur gelesen, leider kann ich nachträglich nix mehr ändern ...

15.05.2020 - LHL

... sind aber nicht wirklich ein Ersatz.

15.05.2020 - LHL

Da bin ich doch beim Lesen dieses Artikel fast vor Lachen von meinem HomeOffice-Stuhl gefallen. Da versucht sich der Doc als Advocatus Diaboli mit Provokationen und steilen Theasen und keiner spielt mit ... alle im HomeOffice schon eingeschlafen ;)
Ich persönlich hoffe, dass wir im internen Arbeitsumfeld in absehbarer Zeit eher wieder normale Zustände bekommen. Die Kommunikation lediglich über E-Mails, Chat, Audio- und Videokonferenzen scheint in der Zusammenfassung der letzen Wochen nicht sehr effektiv zu sein. "Kurze Dienstwege" mal so quer über den Schreibtisch oder in's Nachbarbüro sind zwar nicht schön, aber wenn sie ganz wegfallen macht es sich offenbar doch bemerkbar. Ansonsten gab es HomeOffice und auch Audio/Videokonferenzen sowie auch mal remote Produktpräsentationen bei uns schon vor Corona. Es scheint aber nicht unrelevant zu sein, wieviel Prozent der Gesamt-Kommunikation darüber laufen. Bei uns sind jedenfalls unter der Prämisse der Priorität der Aufrechterhaltung des stabilen Betriebes viele Projekte mittlerweile zeitlich gestreckt worden, obwohl wir keine Krankheitsfälle haben (sogar eher weniger als im Vergleichzeitraum voriges Jahr) und auch nicht effektiv weniger Mitarbeiter sind. In einigen Teilbereichen (Netzwerk, VPN, dezentrale Services) hat es sicher vor allem zu Beginn der Krise etliche Zusatzthemen und -aufgaben gegeben - aber sonst ... Es hat schon so seine Vorteile, wenn die Leute auf einem Haufen sind. Mag auch ein "arbeitskulturelles Problem" sein. Ich weiß, dass es viele - vor allem größere - Firmen gibt, wo sich die Mitarbeiter eines Teams noch nie direkt gesehen haben. Meine Erfahrung ist da aber, dass auch solche Leute es als sehr hilfreich und effizient empfanden, wenn wir z.B. am Anfang eines Projekts für's "Brainstorming" mal für 2 Tage zusammen raus z.B. in ein Tagungshotel sind. Ähnlich empfinde ich es bei Konferenzen wie z.B. der storage2day. Begleitende Video-Übetragung, wenn man es zeitlich nicht hin schafft, finde ich ok ...


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