KI-Server treiben DRAM-Preise und verknappen Client-Speicher
Trendforce meldet stark steigende Vertragspreise für konventionellen DRAM. KI-Inferenz, knappe Lagerbestände und die Priorisierung von Server-RDIMMs verschärfen die Lage. Die Folgen reichen bis in den PC-Markt: DDR5-RAM und SSDs verteuern sich, ältere DDR4-Plattformen bleiben als Ausweichoption relevant.
Die Engpässe im Halbleitermarkt schlagen inzwischen deutlich auf den PC- und Komponentenmarkt durch. Besonders sichtbar wird dies bei DDR5-RAM. Ein Speicherkit mit 32 GByte Kapazität, das für viele aktuelle Desktop- und Gaming-Systeme als gängige Ausstattung gilt, liegt im Handel derzeit bei rund 375 US-Dollar. Damit haben sich die Einstiegspreise gegenüber dem Vorjahr deutlich erhöht.
Europäische Preisvergleiche zeigen ein ähnliches Bild. Bei Geizhals liegen einfache 32-GByte-Kits mit DDR5-4800 teils oberhalb von 400 Euro. Schnellere DDR5-6000-Kits von Corsair starten je nach Ausführung bei rund 390 bis 430 Euro. Auch Notebook-Speicher ist betroffen: 32-GByte-DDR5-SO-DIMMs von Crucial werden aktuell teils um die 290 bis 300 Euro angeboten. Die Preissteigerung betrifft damit nicht nur Highend-Komponenten, sondern auch gängige Client- und Notebook-Konfigurationen.
KI-Hardware bindet Fertigungskapazitäten
Als zentraler Auslöser gilt die anhaltend hohe Nachfrage nach Hardware für KI-Anwendungen. Die Produktion von KI-Beschleunigern benötigt große Mengen an Speicher- und Halbleiterkapazitäten. Dadurch verschieben sich verfügbare Fertigungsressourcen entlang der Lieferkette, was klassische Komponenten für den Client- und PC-Markt verknappt.
Der Effekt betrifft nicht nur Arbeitsspeicher. Auch SSDs ziehen im Preis an. Einzelne Modelle, die zuvor im Bereich von rund 38 US-Dollar lagen, erreichen inzwischen Preise von bis zu 200 US-Dollar. Damit wird sichtbar, dass sich die Verknappung nicht auf DDR5-RAM beschränkt, sondern mehrere Speichersegmente erfasst.
Trendforce sieht starken Anstieg bei DRAM-Vertragspreisen
Die Preisbewegung zeigt sich nicht nur im Handel, sondern auch auf Ebene der Hersteller- und Vertragsmärkte. Nach Angaben von TrendForce legten die Vertragspreise für konventionellen DRAM im 1. Quartal 2026 um rund 93 bis 98 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Der Umsatz der DRAM-Branche stieg demnach um 81 Prozent auf 97 Milliarden US-Dollar.
Für das zweite Quartal 2026 erwarten die Marktforscher einen weiteren Anstieg der Vertragspreise für konventionellen DRAM um 58 bis 63 Prozent. Als Ursache nennt Trendforce sehr niedrige Lagerbestände bei den Anbietern und eine weiterhin knappe Versorgungslage. Zusätzliche Liefermengen würden vor allem hochkapazitiven RDIMMs für KI-Server zugeordnet. Dadurch bleibe die Verfügbarkeit für PC-OEMs und Smartphone-Hersteller eingeschränkt.
Hinzu kommt eine Verschiebung innerhalb der KI-Infrastruktur. Während zunächst vor allem das Training großer Sprachmodelle im Vordergrund stand, wächst laut Trendforce nun die Bedeutung von KI-Inferenz. Cloud-Service-Provider bauen deshalb nicht nur KI-Spezialserver aus, sondern auch allgemeine Server-Infrastrukturen. Der Speicherbedarf erweitert sich damit von HBM3e, LPDDR5X und besonders großen RDIMMs auf RDIMM-Produkte in unterschiedlichen Kapazitätsklassen.
Top-3-Anbieter fokussieren stärker auf Server-DRAM
Die großen DRAM-Hersteller richten ihre Produktion weiterhin stark auf margenstärkere Server-Anwendungen aus. Samsung blieb im ersten Quartal 2026 laut Trendforce Marktführer und erzielte einen DRAM-Umsatz von 37,32 Milliarden US-Dollar. SK Hynix folgte mit 27,98 Milliarden US-Dollar, Micron erreichte 21,75 Milliarden US-Dollar.
Für klassische PC- und Client-Segmente bedeutet diese Priorisierung weniger Spielraum. Wenn Wafer-Kapazitäten und Liefermengen bevorzugt in Server-DRAM fließen, steigen die Preise für Standardkomponenten schneller. Gleichzeitig lassen sich neue Kapazitäten nicht kurzfristig aufbauen, da zusätzliche Reinraumflächen Zeit benötigen. Trendforce geht deshalb davon aus, dass die Anbieter 2026 vor allem über Prozessmigrationen mehr Bit-Ausstoß erzielen werden.
Trendforce zufolge stieg der DRAM-Umsatz im Q1/2026 von 53 auf 97 Milliarden US-Dollar. Das Plus von rund 83 Prozent zeigt den Preisdruck im Speichermarkt. (Grafik: Trendforce)
DRAM-Markt bleibt strukturell angespannt
Die Entwicklung zeigt, dass die steigenden Speicherpreise nicht allein aus kurzfristigen Handelsschwankungen entstehen. Vertragsmärkte, Herstellerprioritäten und der Ausbau von KI-Infrastrukturen greifen ineinander. Für IT-Abteilungen, Systemhäuser und Beschaffer wird Arbeitsspeicher damit wieder zu einem relevanten Kostenfaktor. Das betrifft nicht nur neue PC-Systeme, sondern auch Workstations, kleinere Server, Laborsysteme und Plattformen, bei denen DDR5-RAM oder RDIMMs in größeren Stückzahlen benötigt werden.
Preise bleiben schwer kalkulierbar
Die aktuelle Lage erschwert auch die Preisgestaltung neuer Systeme. Auf der Computex 2026 verzichteten mehrere Aussteller bei neuen Geräten auf verbindliche Preisangaben. Hintergrund ist die volatile Marktsituation, bei der sich Komponentenpreise kurzfristig verändern können.
Für den Handel und Systemintegratoren bedeutet dies weniger Planungssicherheit. Steigende Einkaufspreise lassen sich nur begrenzt abfedern, wenn Arbeitsspeicher, SSDs und weitere Komponenten gleichzeitig teurer werden. Besonders betroffen sind Systeme, die auf aktuelle DDR5-Plattformen setzen.
DDR4-Plattformen bleiben als Ausweichoption relevant
Auch Prozessorhersteller reagieren auf die Entwicklung. AMD könnte über ältere bzw. angepasste Plattformen versuchen, Einstiegskosten zu begrenzen. Genannt werden unter anderem die Rückkehr des Ryzen 7 5800X3D sowie das Modell Ryzen 7 7700X3D.
Intel verweist ebenfalls auf notwendige Kompromisse im Markt. Zur Preisentwicklung im Speichersegment erklärte der Hersteller, dass »etwas nachgeben muss«. Eine mögliche Konsequenz ist, ältere Produktlinien wie Raptor-Lake-Prozessoren länger verfügbar zu halten. In Kombination mit DDR4-RAM könnten solche Plattformen eine günstigere Alternative zu aktuellen DDR5-Systemen bleiben.
Das zeigt auch ein Blick in den DACH-Preisvergleich: Während 32-GByte-Kits mit DDR5-6000 von Corsair je nach Ausführung bei rund 389 bis 430 Euro starten, liegen 32-GByte-Kits mit DDR4-3200 von Crucial, Corsair oder G.Skill eher bei rund 195 bis 225 Euro. Für Systeme ohne zwingenden DDR5-Bedarf bleibt DDR4 damit ein spürbarer Kostenhebel.