Akamai: KI-Bots prägen fast die Hälfte des Handels-Traffics
Fast die Hälfte des Datenverkehrs stammt im Online-Handel inzwischen von KI-Bots. Gleichzeitig nehmen Angriffe auf Webanwendungen und APIs zu. Laut Akamai-Report wird damit die Unterscheidung zwischen legitimen KI-Agenten, automatisierten Angriffen und betrügerischen Transaktionen für IT-Verantwortliche zur zentralen Aufgabe.
Der Online-Handel steht unter automatisiertem Dauerbeschuss. Cyberkriminelle haben den Handelssektor fest im Visier. Einem Akamai-Report zufolge ging fast jeder zweite erfasste Zugriff auf einen KI-Bot zurück. Der Anteil lag bei 47,9 Prozent. Mehr als 70 Prozent der erkannten KI-Bot-Aktivitäten entfielen auf Crawler, die Inhalte für das Training großer Sprachmodelle sammeln.
Nicht jeder Bot ist ein Angreifer. Genau das erschwert die Abwehr. Neben Trainings-Crawlern greifen KI-Assistenten auf Shops zu, um Produkte zu suchen, Preise zu vergleichen oder Einkäufe vorzubereiten. Cyberkriminelle nutzen ähnliche Werkzeuge für Kontoübernahmen, den Missbrauch von Zahlungsdaten und Angriffe auf Webanwendungen und APIs.
Nach Angaben von Akamai stuften die untersuchten Unternehmen mehr als 90 Prozent ihrer KI-Bot-Aktivitäten lediglich zur Beobachtung ein. Von den übrigen Aktivitäten ließen sie rund drei Viertel passieren. Sicherheitsverantwortliche müssen daher erkennen, welcher Bot zugreift, welche Absicht er verfolgt und welche Daten oder Funktionen er erreichen darf.
Die Zahlen stammen aus dem im Juli 2026 veröffentlichten Sicherheitsbericht Sicherung agentischer digitaler Schaufenster: Angriffe auf den Handelssektor. Die Auswertung basiert auf Datenverkehr und erkannten Angriffen innerhalb des weltweiten Akamai-Netzwerks.
KI-Agenten erschweren die Betrugserkennung
Autonome Einkaufsagenten übernehmen Such-, Auswahl- und Bezahlvorgänge im Auftrag ihrer Nutzer. Weil ihre Zugriffe menschlichem Verhalten ähneln, verlieren klassische Erkennungsmerkmale wie Mausbewegungen, Klickfolgen oder Eingabegeschwindigkeit an Aussagekraft.
Als zusätzliches Risiko nennt Akamai Agent-Hijacking. Angreifer manipulieren dabei legitime KI-Assistenten, um Berechtigungen oder gespeicherte Zahlungsinformationen zu missbrauchen. Große Sprachmodelle können zudem synthetische Identitäten und aus Datenfragmenten zusammengesetzte Konten erzeugen.
»Wir sichern eine digitale Welt, in der der `Kunde´ zunehmend ein KI-Agent ist, der im Auftrag eines menschlichen Nutzers handelt«, sagt Patrick Sullivan, Chief Technology Officer of Security Strategy bei Akamai. »Der Bericht zeigt, wie und warum Sicherheitsverantwortliche sich auf das agentische Zeitalter vorbereiten müssen: Sie müssen Webswiten so gestalten, dass legitime KI willkommen ist, während bösartige Bots konsequent abgewehrt werden.«
APIs geraten stärker ins Visier
Webangriffe auf APIs nahmen laut Akamai gegenüber dem Vorjahr um neun Prozent zu. In einer ergänzenden Befragung berichteten 85 Prozent der Handelsunternehmen von mindestens einem API-bezogenen Sicherheitsvorfall innerhalb der vergangenen zwölf Monate. Nur 22 Prozent wussten, welche ihrer APIs sensible Daten offenlegen.
Das ist besonders bei agentischen Anwendungen kritisch: KI-Assistenten greifen über APIs auf Produktkataloge, Kundenkonten, Bezahlsysteme und Logistikdienste zu. Akamai empfiehlt daher, Schnittstellen fortlaufend zu erfassen und nach Datenzugriff, Geschäftsfunktion und Risiko zu klassifizieren.
DDoS-Angriffe treffen vor allem den Einzelhandel
Für 2025 verzeichnete Akamai nahezu drei Billionen Layer-7-DDoS-Angriffsereignisse im Handel. Rund 84 Prozent davon richteten sich gegen den Einzelhandel. HTTP-Botnetze überfluten dabei Webanwendungen und APIs, um Anwendungsserver auszulasten und Transaktionen zu verhindern.
Auch Phishing und Malware nahmen zu. Zwischen November 2025 und April 2026 entfielen 56,5 Prozent der beobachteten Endpoint-Bedrohungen auf Malware und 37,6 Prozent auf Phishing. Das durchschnittliche tägliche Phishing-Aufkommen stieg von 56.600 Fällen im Februar auf 134.600 im April. Akamai sieht darin einen wesentlichen Ausgangspunkt für Kontoübernahmen und den Diebstahl von Bonuspunkten.
Bot-Verkehr nicht pauschal blockieren
Ein einfaches Zulassen oder Blockieren automatisierter Zugriffe greift nach Einschätzung des Anbieters zu kurz. Händler sollten Bots nach Identität, Verhalten, Absicht und geschäftlichem Nutzen bewerten.
Zu den weiteren Empfehlungen gehören risikobasierte Multi-Faktor-Authentifizierung, Verhaltensanalysen in Echtzeit, automatische Sperren für kompromittierte Konten und Mikrosegmentierung. Für IT-Verantwortliche wachsen damit Bot-Management, API-Sicherheit, Betrugsprävention und Identitätskontrolle zu einer gemeinsamen Aufgabe zusammen.