Ugreen Homeagent: Lokale LLMs ziehen ins Smart-Home
Mit »HomeAgent« kombiniert Ugreen NAS, Smart-Home-Steuerung und lokale KI in einer Appliance. Der Assistent Uliya soll Qwen3 direkt auf dem Gerät ausführen und bei Bedarf auf Cloud-Modelle wie ChatGPT wechseln. Die drei Modelle reichen vom HA100 mit 16 GByte RAM bis zum »MasterAgent MA100« mit Nvidias Jetson Thor und 128 GByte.
Lokale KI-Verarbeitung macht HomeAgent aus Storage-Sicht interessanter als einen gewöhnlichen Smart-Home-Hub. UGREEN verbindet mit dem neuen System NAS-Funktionen, Kameraaufzeichnung und Gerätesteuerung mit einem lokalen KI-Assistenten. Persönliche Dateien, Fotos und Videodaten sollen damit nicht nur gespeichert, sondern direkt auf der Appliance ausgewertet werden.
Als Betriebssystem dient UGOS Pro, Ugreens Linux-basierte NAS-Plattform. Homeagent soll Dateien sichern und synchronisieren, Kamerabilder verwalten und Matter-kompatible Smart-Home-Geräte einbinden. Matter sorgt dabei für die herstellerübergreifende Kommunikation zwischen kompatiblen Geräten.
Zum Ökosystem gehören HA100, HA100 Pro und der deutlich leistungsstärkere MasterAgent MA100. Die zentrale Idee: Daten aus dem Haushalt bleiben möglichst lokal und stehen gleichzeitig für Suche, Automatisierung und KI-Auswertung zur Verfügung.
Lokales Qwen3 statt reiner Cloud-KI
Der eigentliche USP steckt im KI-Assistenten Uliya. Ugreen gibt an, Qwen3 als lokales Large Language Model (LLM) zu integrieren. Der Assistent soll offline arbeiten können und Eingaben im lokalen Modus nicht an die Cloud übertragen. Für komplexeres Reasoning oder Content-Erstellung kann der Nutzer auf Cloud-Modelle wie ChatGPT wechseln.
Die Uliya-Datenschutzrichtlinie nennt zusätzlich DeepSeek, Gemma 3 sowie Qwen3-VL und Qwen2-VL als lokal eingesetzte Modelle. Welche davon auf den Homeagent-Systemen zum Marktstart freigegeben werden, will der Anbieter erst zum Launch festlegen. Eine frei konfigurierbare Ollama- oder vLLM-Umgebung wird bislang nicht zugesagt.
Drei sehr unterschiedliche KI-Leistungsklassen
Der HA100 arbeitet mit einem RK3588-Prozessor, 16 GByte LPDDR5 und soll 26 TOPS KI-Leistung erreichen. Das passt vor allem zu Smart-Home-Inferenz, Bilderkennung, Sprachfunktionen und kleineren lokalen Sprachmodellen. Für große Modelle, lange Kontexte und anspruchsvolles Reasoning setzt der Speicher enge Grenzen.
Der HA100 Pro bietet 32 GByte LPDDR5 und laut Spezifikation 205 TOPS. Der doppelte Arbeitsspeicher schafft deutlich mehr Spielraum für größere oder stärker quantisierte Modelle. Für lokale Dokumentanalyse, RAG und anspruchsvollere Assistenten ist er die interessantere Homeagent-Variante, auch wenn die tatsächliche LLM-Geschwindigkeit vom Software-Stack abhängt.
Der Masteragent MA100 spielt in einer anderen Klasse: Nvidias Embedded-Computing-Modul Jetson Thor T5000 kombiniert 128 GByte LPDDR5X mit bis zu 273 GByte/s Speicherbandbreite und einer Blackwell-GPU. Ugreen nennt bis zu 2.070 TFLOPS bei Sparse FP4. Damit steht genügend Speicher für deutlich größere quantisierte Modelle und mehrere parallele KI-Dienste zur Verfügung. Die TOPS-Werte der kleineren Systeme und die FP4-TFLOPS des Thor sind allerdings nicht direkt vergleichbar.
KI soll Kamera- und Dateidaten erschließen
Uliya soll Ereignisse in Kameraaufnahmen finden, Fotos und Erinnerungen per Sprache durchsuchen sowie Smart-Home-Geräte steuern. »Homeagent erkennt proaktiv Momente, die es wirklich wert sind, in Erinnerung zu bleiben, und fasst sie für Nutzer:innen in einem personalisierten Tagesüberblick zusammen«, beschreibt Samuel Zhang, CEO von Ugreen, einen Anwendungsfall. »Momente, die sonst vielleicht in Vergessenheit geraten würden, können so festgehalten werden. Wir möchten Familien dabei helfen, die kostbare Zeit, die sie gemeinsam verbringen, zu bewahren.«
Kickstarter startet am 27. Oktober
Die drei Hauptsysteme lassen sich seit der ersten Spetember-Woche reservieren. Für HA100 und HA100 Pro verlangt Ugreen eine Anzahlung von 50 US-Dollar, beim MA100 sind es 200 US-Dollar. Die Reservierung soll den Zugang zu den sogenannten Super-Early-Bird-Preisen sichern. Auf der deutschen Produktseite nennt der Anbieter dafür 899 US-Dollar für den HA100, 2.999 US-Dollar für den HA100 Pro und 9.999 US-Dollar für den MA100.
Die Reservierungsphase endet am 26. Oktober. Einen Tag später soll die Kickstarter-Kampagne beginnen, über die der eigentliche Kauf abgewickelt wird. Erste Auslieferungen sind nach aktuellem Stand ab Ende Januar 2027 vorgesehen.