Bitkom: IT-Fachkräftemangel halbiert sich – Engpass bleibt
Die Zahl der unbesetzten IT-Stellen ist seit 2023 von 149.000 auf 79.000 gefallen. Entspannt ist der Markt trotzdem nicht: 97 Prozent der Unternehmen mit IT-Stellen haben Probleme bei der Besetzung. Für Infrastrukturteams bleiben Systembetrieb, Cloud/Infrastruktur und IT-Sicherheit besonders gefragt. Der Engpass bleibt also bestehen.
Für IT-Abteilungen und Rechenzentrumsbetreiber bleibt qualifiziertes Personal knapp. 26 Prozent der Unternehmen mit vakanten IT-Stellen suchen Fachkräfte für IT-Administration und Systembetrieb. Für Cloud und Infrastruktur sind es 14 Prozent, für IT-Sicherheit elf Prozent.
Der Digitalverband Bitkom beziffert die aktuelle IT-Fachkräftelücke in Deutschland auf 79.000 Stellen. 2023 waren es 149.000, 2025 noch 109.000. Trotz des Rückgangs beobachten 78 Prozent der befragten Unternehmen weiterhin einen Mangel an IT-Fachkräften. 76 Prozent erwarten, dass sich die Lage in den kommenden Jahren wieder verschärft.
Schon der Rückgang auf 109.000 offene Stellen im Jahr 2025 war nach Bitkom-Angaben vor allem konjunkturell geprägt. Der Verband verwies damals auf zurückhaltendere Neueinstellungen und IT-Stellenabbau infolge der wirtschaftlichen Lage und geopolitischer Unsicherheiten. Der strukturelle Bedarf an qualifiziertem IT-Personal blieb aus Sicht des Bitkom dennoch bestehen.
Bei der konkreten Personalsuche bleibt der Engpass deutlich: 97 Prozent der Unternehmen mit IT-Stellen haben Schwierigkeiten, offene Positionen zu besetzen. 47 Prozent nennen fehlende Deutschkenntnisse als Hürde, 43 Prozent eine zu geringe fachliche Qualifikation. Bei 33 Prozent erfüllen Bewerber die Anforderungen an Kenntnisse neuer Technologien nicht. 31 Prozent erhalten praktisch keine Bewerbungen auf offene IT-Stellen.
KI verändert Aufgaben, ersetzt aber bislang kaum Stellen
42 Prozent der Unternehmen mit IT-Stellen setzen KI bereits in ihrer IT ein, weitere 36 Prozent planen den Einsatz und 13 Prozent diskutieren ihn. Wo KI schon genutzt wird, geschieht das meist punktuell: 43 Prozent setzen die Technik nur vereinzelt ein, 46 Prozent in einigen Bereichen. Nur sieben Prozent verwenden KI nach eigenen Angaben in fast allen Bereichen der IT.
Ein breiter Stellenabbau durch KI ist bislang nicht zu erkennen. Von den Unternehmen, die KI bereits in der IT einsetzen, haben zehn Prozent vereinzelt Stellen abgebaut. 85 Prozent haben keine IT-Stellen durch KI gestrichen. Für die Zukunft rechnen 32 Prozent mit einem Stellenabbau, 65 Prozent nicht.
»KI ist eine disruptive Technologie«, erklärt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. »Sie wird Berufsbilder und Tätigkeiten verändern – und auch Verschiebungen auf dem Arbeitsmarkt erzeugen. KI übernimmt zwar einzelne Aufgaben, gleichzeitig entstehen neue Anforderungen und Tätigkeitsfelder. Ein Abbau an der einen Stelle kann deshalb mit zusätzlichem Bedarf an anderer Stelle einhergehen.«
Weiterbildung wird für IT-Teams noch wichtiger
Auch die Anforderungen an IT-Fachkräfte verändern sich. 74 Prozent der Unternehmen erwarten, dass die strategische Steuerung und Kontrolle von KI wichtiger wird. 63 Prozent gehen davon aus, dass KI-Kenntnisse und entsprechende Tools künftig in allen IT-Berufen benötigt werden. 61 Prozent rechnen mit steigendem Weiterbildungsdruck.
61 Prozent erwarten zugleich, dass Routineaufgaben zurückgehen. 55 Prozent rechnen damit, dass klassische Einstiegsaufgaben seltener werden. Damit verschieben sich die benötigten Kompetenzen und Aufgabenprofile in IT-Teams.