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Bitkom: Unternehmen wollen mehr deutsche Cloud

Bitkom: Unternehmen wollen mehr deutsche CloudDie Abhängigkeit von US-Cloud-Anbietern rückt für deutsche Unternehmen stärker in den Fokus. Laut dem Bitkom »Cloud Report 2026« halten 85 Prozent Deutschland für zu abhängig, 37 Prozent würden für eine deutsche Cloud sogar Einschränkungen akzeptieren. Gleichzeitig bleiben Leistung, Funktionen, Kosten und Lock-in zentrale Hürden im Markt.

Digitale Souveränität wird bei der Cloud-Nutzung für deutsche Unternehmen konkreter. Es geht nicht mehr nur um politische Grundsatzfragen, sondern zunehmend um Beschaffung, Architektur und Risikobewertung. Der neue Cloud Report 2026 des Bitkom zeigt, dass mehr Unternehmen bereit wären, für eine deutsche Cloud Abstriche gegenüber bestehenden Angeboten hinzunehmen. Voraussetzung wäre, dass Daten ausschließlich in Deutschland und vor ausländischem Zugriff geschützt verarbeitet werden.

Ralf Wintergerst, BitkomRalf Wintergerst, BitkomVor einem Jahr lag der Anteil der Unternehmen, die solche Einschränkungen akzeptieren würden, noch bei 27 Prozent. Inzwischen sind es 37 Prozent. Gleichzeitig halten 85 Prozent der Unternehmen Deutschland für zu abhängig von US-Cloud-Anbietern. Im Vorjahr waren es 78 Prozent. »Die Cloud ist eine zentrale Infrastruktur«, sagt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. Mit Blick auf geopolitische Veränderungen rückten Fragen der Souveränität und des Abbaus einseitiger Abhängigkeiten stärker in den Vordergrund.

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Wunsch und Wirklichkeit klaffen deutlich auseinander

Für nahezu alle Unternehmen, die Cloud-Dienste nutzen oder dies erwägen, spielt das Herkunftsland des Cloud-Anbieters eine Rolle. Der Unterschied zwischen aktueller Nutzung und Präferenz fällt dabei deutlich aus. 71 Prozent beziehen derzeit Cloud-Angebote aus den USA, bevorzugen würden dies aber nur acht Prozent. Deutsche Anbieter nutzen aktuell 53 Prozent, bevorzugen würden sie 91 Prozent der Unternehmen.

Auch europäische Anbieter liegen in der Präferenz deutlich vor ihrer aktuellen Verbreitung. 45 Prozent der Unternehmen setzen heute Cloud-Angebote aus der EU ein, 68 Prozent würden solche Anbieter bevorzugen. Gleichzeitig sehen 43 Prozent für ihre Anforderungen derzeit keine gleichwertigen europäischen Alternativen zu US-Hyperscalern. Die Souveränitätsdebatte trifft damit auf einen bekannten Zielkonflikt: Wunsch, Regulierung und Marktangebot laufen nicht automatisch im Gleichschritt. Cloud-Auswahl bleibt also weniger Glaubensfrage als Architektur- und Risikothema.

Unternehmen akzeptieren eher Einschränkungen

Die Bereitschaft zu Kompromissen steigt, bleibt aber begrenzt. Für eine deutsche Cloud würden 25 Prozent längere Wartezeiten auf neue Funktionen in Kauf nehmen. Im Vorjahr waren es zwölf Prozent. 17 Prozent würden eine schlechtere Bedienbarkeit oder einen schlechteren Service akzeptieren, 14 Prozent würden auf einzelne Funktionen verzichten. Einen um zehn bis 20 Prozent höheren Preis würden zwölf Prozent hinnehmen.

Der Anteil der Unternehmen, die solche Nachteile grundsätzlich ablehnen, ist von 65 auf 58 Prozent gesunken. Das zeigt eine Verschiebung, aber keinen Freibrief für unausgereifte Angebote. Souveräne Cloud-Lösungen müssen weiterhin technisch tragfähig, wirtschaftlich kalkulierbar und betrieblich beherrschbar bleiben. Ein deutscher Standort allein ersetzt weder Funktionsumfang noch stabile Betriebsprozesse. Die Cloud ist schließlich kein Gütesiegel zum Aufkleben, sondern Infrastruktur im laufenden Betrieb.

Politik soll bei souveräner Cloud vorangehen

Die Erwartungen an den Staat fallen deutlich aus. 90 Prozent der Unternehmen fordern, dass staatliche Stellen stärker auf europäische oder souveräne Cloud-Lösungen setzen. 79 Prozent sehen den Staat als Vorreiter bei der Nutzung solcher Angebote. 74 Prozent halten staatliche Initiativen zur Stärkung europäischer Cloud-Infrastrukturen für notwendig.

Gleichzeitig bewerten viele Unternehmen die bisherigen politischen Initiativen kritisch. 75 Prozent sagen, diese hätten für ihr Unternehmen bisher zu wenig konkrete Effekte gehabt. Nur 30 Prozent halten die aktuelle politische Unterstützung für europäische Cloud-Initiativen für ausreichend. »Cloud-Souveränität entsteht nicht durch Bekenntnisse«, sagt Wintergerst. Entscheidend seien verbindliche Standards und ein Staat, der selbst vorangehe.

Auch bei internationalen Anbietern mit souveränen Cloud-Angeboten sehen Unternehmen Defizite. 87 Prozent vermissen ausreichende Transparenz über Datenverarbeitung und Zugriffsrechte. 53 Prozent halten rechtliche und regulatorische Anforderungen für unklar oder uneinheitlich. 51 Prozent kritisieren fehlende einheitliche europäische Gütesiegel oder Zertifizierungen.

Sicherheit bleibt wichtigstes Auswahlkriterium

Trotz der Souveränitätsdebatte steht bei der Cloud-Auswahl weiterhin Sicherheit an erster Stelle. 95 Prozent nennen Vertrauen in IT-Sicherheit, Datenschutz und Compliance als Muss-Kriterium. 91 Prozent fordern Leistungsfähigkeit und Stabilität, 89 Prozent die Möglichkeit zur Datenverschlüsselung und 87 Prozent Schutz vor unbefugtem Zugriff durch den Cloud-Anbieter selbst.

Aspekte der digitalen Souveränität folgen dahinter. Das Herkunftsland des Providers ist für 61 Prozent ein wichtiges Kriterium, der Standort der Rechenzentren für 57 Prozent. Eine einfache Wechselmöglichkeit des Anbieters nennen 37 Prozent. Damit wird deutlich: Souveränität ist wichtig, aber sie steht nicht isoliert. Unternehmen bewerten sie zusammen mit Sicherheit, Verfügbarkeit, Performance, Kosten und Wechselbarkeit.

KI macht Cloud-Abhängigkeiten strategischer

Cloud-Dienste sind inzwischen fester Bestandteil der Unternehmens-IT. 86 Prozent der Unternehmen nutzen Cloud-Angebote, weitere 14 Prozent planen oder diskutieren den Einsatz. Die Private-Cloud liegt mit 64 Prozent vor der Public Cloud mit 53 Prozent. Viele Unternehmen kombinieren Modelle: 34 Prozent nutzen Hybrid-Cloud, 38 Prozent Multi-Cloud.

Als wichtigstes Motiv nennen 75 Prozent die Erhöhung der IT-Sicherheit. Stark zulegen soll auch die Nutzung von KI-Diensten aus der Cloud. Heute setzen 42 Prozent entsprechende Dienste ein, in fünf Jahren wollen es 69 Prozent sein. Auch Datenbanken, Sicherheitssoftware und CRM-Systeme sollen künftig häufiger aus der Cloud bezogen werden. »Cloud und KI sind natürliche Partner«, meint Wintergerst.

Für die Storage- und Rechenzentrumsstrategie ist das ein zentraler Punkt. Wenn KI, Datenbanken und Sicherheitsfunktionen stärker aus der Cloud kommen, werden Datenflüsse, Zugriffsrechte, Verschlüsselung und Exit-Fähigkeit wichtiger. Cloud-Souveränität entscheidet sich nicht nur am Standort des Rechenzentrums, sondern auch an Datenportabilität, Schnittstellen, Schlüsselmanagement und der Frage, wie schnell Workloads verlagert werden können.

Lock-in bleibt ein Hemmnis für Anbieterwechsel

Bislang wechseln Unternehmen ihre Cloud-Anbieter eher selten. Rund ein Drittel der Cloud-Nutzer hat bereits einen Wechsel vollzogen. 26 Prozent wechselten einmal, acht Prozent mehrfach. 20 Prozent planen einen Wechsel fest, 43 Prozent wollen beim aktuellen Anbieter bleiben.

Als größtes Hindernis nennen 59 Prozent Lock-in-Effekte, etwa schwierige Datenexporte oder Migrationen. Dahinter folgen fehlender strategischer Bedarf, hoher personeller Aufwand, komplexe Anwendungen sowie finanzielle und technische Hürden. Für Unternehmen bedeutet das: Wer Souveränität ernst nimmt, muss sie vor der Migration planen und nicht erst beim Wechselversuch. Datenformate, Schnittstellen, Backup-Konzepte und Wiederanlauf-Szenarien werden damit Teil der Cloud-Strategie.