Bitkom: »Fake News« erreichen fast alle Altersgruppen
Desinformation prägt den digitalen Alltag: 91 Prozent der Menschen in Deutschland sind laut Bitkom-Umfrage bereits auf »Fake News« gestoßen, 63 Prozent fällt die Einschätzung von Nachrichten schwer. Zugleich gewinnen Deepfakes an Sichtbarkeit, während Social-Media für viele zur zentralen Informationsquelle wird.
Viele Menschen können die Verlässlichkeit digitaler Informationen nur schwer einschätzen. Das zeigt eine repräsentative Bitkom-Umfrage unter Personen ab 16 Jahren: Demnach sind 91 Prozent der Befragten bereits auf »Fake News« gestoßen, also auf absichtlich verbreitete falsche oder irreführende Informationen. 39 Prozent begegnen solchen Inhalten nach eigener Einschätzung sehr häufig oder eher häufig. Nur vier Prozent geben an, bislang noch keine Fake News wahrgenommen zu haben. Unter Internetnutzerinnen und Internetnutzern liegt dieser Anteil bei zwei Prozent. Im Jahr 2023 waren es laut Bitkom noch 21 Prozent.
Zugleich fällt vielen Menschen die Einordnung von Nachrichten schwer. 63 Prozent empfinden es grundsätzlich als schwierig einzuschätzen, ob Nachrichten verlässlich sind. 41 Prozent stoßen häufig auf Inhalte, bei denen sie unsicher sind, ob diese stimmen. Die Hälfte derjenigen, die Fake News wahrnehmen, teilt Inhalte trotz Zweifeln am Wahrheitsgehalt. »Desinformationen verzerren den öffentlichen Diskurs, beschädigen unsere Demokratie und verunsichern viele Menschen zutiefst«, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. »Mit KI-generierten Deepfakes kommt eine neue Qualität der Täuschung hinzu: Inhalte wirken immer authentischer, obwohl sie es nicht sind. Wir alle müssen in der Lage sein, Inhalte zu checken, Quellen zu prüfen und Falschinformationen zu erkennen.«
Deepfakes werden bekannter, bleiben aber schwer erkennbar
Auch Deepfakes rücken stärker in den Alltag. 75 Prozent der Befragten haben den Begriff bereits gehört. Im Jahr 2024 lag dieser Wert bei 56 Prozent. 61 Prozent sind Deepfakes nach eigener Aussage schon direkt begegnet oder vermuten dies zumindest. Am häufigsten werden manipulierte Inhalte als Video wahrgenommen, gefolgt von Bildern und deutlich seltener von Audio-Inhalten.
89 Prozent der Befragten halten Deepfakes für gefährlich. Gleichzeitig trauen sich nur 34 Prozent zu, solche Inhalte zuverlässig zu erkennen. Bitkom verweist in diesem Zusammenhang auf Kennzeichnungen und digitale Herkunftsnachweise. Als Beispiel nennt der Verband den C2PA-Standard, mit dem sich kryptografisch nachvollziehen lässt, wer Inhalte erstellt oder bearbeitet hat und welche Änderungen vorgenommen wurden.
»Im Umgang mit KI-Inhalten brauchen wir neben medienkompetenten und kritischen Bürgerinnen und Bürgern vor allem praxistaugliche Regeln, die uns helfen, Echtes von Unechtem zu unterscheiden«, sagt Rohleder. »Eine Kennzeichnungspflicht für KI-Erzeugnisse ist dabei nur ein Instrument unter mehreren. Wichtig wäre auch ein verlässlicher Gegenbeweis, der die Echtheit von Inhalten nachvollziehbar macht.«
9 von 10 haben bereits Erfahrung mit Deepfakes. (Quelle: Bitkom)
Politik, Kriege und Preise stehen besonders im Fokus
Desinformation fällt den Befragten besonders häufig bei Themen auf, die Nachrichtenlage und Alltag stark prägen. 74 Prozent nennen USA und US-Politik als Themenfeld, in dem ihnen Fake News begegnet sind. 63 Prozent nennen Kriege und internationale Konflikte, 58 Prozent Wirtschaft und Preise.
Daneben spielt Desinformation auch bei weniger klassischen Politikfeldern eine Rolle. 51 Prozent nennen Prominente und Unterhaltung, 41 Prozent Migration und Geflüchtete sowie 40 Prozent Kriminalität und Gewalt. Gesundheit sowie Umwelt und Klima erreichen jeweils 38 Prozent. 26 Prozent nennen Kinder, Schule und Sicherheit, etwa angebliche Warnungen vor Gefahren, die häufig in Gruppen- und Elternchats weitergegeben werden.
Viele Befragte erwarten mehr Konsequenzen
Die Befragung zeigt auch einen deutlichen Wunsch nach Konsequenzen. 87 Prozent der Personen, denen Fake News begegnen, sind der Meinung, dass die wissentliche Verbreitung bestraft werden sollte. 84 Prozent fordern dies auch für diejenigen, die Desinformation gezielt erstellen.
Zudem wünschen sich viele Befragte mehr Medienbildung. 85 Prozent sprechen sich dafür aus, dass Kinder in der Schule lernen, Desinformation und Fake News zu erkennen. 71 Prozent fordern besondere Informationsangebote für ältere Menschen ohne Internet-Sozialisation. »Medienbildung gehört auf den Lehrplan, und das nicht nur in der Schule. Lifelong Learning als Konzept ist gerade in der Medienbildung besonders wichtig und betrifft auch Erwachsene und ältere Menschen«, erklärt Rohleder. »Dabei muss sie Schritt halten mit der digitalen Realität. Es geht nicht mehr nur darum, eine gefälschte Nachricht zu erkennen, sondern auch manipulierte Fotos, Audio- und Video-Inhalte wie Deepfakes und zu wissen, was man konkret dagegen tun kann.«
Täuschungsversuche, vor allem durch Video und Bild. (Quelle: Bitkom)
Social-Media bleibt wichtiger Nachrichtenkanal
Soziale Medien sind für viele Menschen in Deutschland fester Bestandteil des Alltags. 89 Prozent der Internetnutzerinnen und Internetnutzer besuchen Social-Media-Plattformen und Netzwerke. Bei den 16- bis 29-Jährigen sind es 98 Prozent, bei Menschen ab 65 Jahren immerhin 72 Prozent.
Facebook bleibt laut Befragung mit 74 Prozent die meistgenutzte Plattform. Danach folgen Instagram mit 59 Prozent, TikTok mit 30 Prozent und Pinterest mit 29 Prozent. LinkedIn kommt auf 29 Prozent, Xing auf 26 Prozent. Snapchat nutzen 22 Prozent, X ehemals Twitter 16 Prozent.
Die Nutzung dient vor allem Hobbys und Interessen sowie dem Kontakt zu Freundes- und Familienkreis. 45 Prozent informieren sich über Social Media aber auch zu Neuigkeiten oder aktuellen Themen. 64 Prozent können sich ein Leben ohne soziale Medien nach eigener Aussage nicht mehr vorstellen. Gleichzeitig empfinden 25 Prozent die Nutzung häufig als stressig oder belastend, 60 Prozent nehmen in sozialen Netzwerken zu viele Auseinandersetzungen wahr.
Jüngere steigen häufiger über Feeds und Messenger ein
Bei Nachrichten zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Generationen. 47 Prozent der unter 30-Jährigen kommen über soziale Medien als erstes mit Nachrichten und aktuellen Informationen in Kontakt. Bei den über 65-Jährigen sind es 18 Prozent. Messenger spielen für Jüngere ebenfalls eine größere Rolle: 38 Prozent der unter 30-Jährigen nennen sie als ersten Kontaktpunkt zu Nachrichten, gegenüber 19 Prozent bei den über 65-Jährigen.
Für die Einordnung von Informationen wird damit wichtiger, wer hinter einem Inhalt steht. Wer Social Media zur Informationsbeschaffung nutzt, nennt klassische Nachrichtenmedien und Redaktionen mit 67 Prozent am häufigsten als Quelle. Danach folgen Freundes- und Bekanntenkreis mit 62 Prozent, Unternehmen, Marken oder Verbände mit 52 Prozent, Blogs und alternative Portale mit 49 Prozent sowie Influencerinnen, Influencer oder Creators mit 47 Prozent. Gleichzeitig sagt die Hälfte dieser Nutzergruppe, dass ihr bei einzelnen Nachrichteninhalten manchmal nicht klar ist, wer dahintersteht.
Aus Bitkom-Sicht braucht es ein gemeinsames Vorgehen von Politik, Digitalwirtschaft und Zivilgesellschaft. Dazu zählt der Verband Medienkompetenz als Daueraufgabe, technische Leitplanken zur Erkennung und Kennzeichnung manipulativer Inhalte, praktikable Regeln für Plattformen sowie zivilgesellschaftliche Strukturen zur Unterstützung bei digitaler Manipulation.