Bitkom: Hamburg bleibt digitalstes Bundesland

Bitkom: Hamburg bleibt digitalstes BundeslandDeutliche Unterschiede bei der Digitalisierung der Bundesländer zeigt der Bitkom Länderindex 2026. Hamburg führt das Digitalranking erneut an, Berlin bleibt Zweiter, Hessen rückt auf Rang drei vor. Für IT-Verantwortliche sind vor allem Infrastruktur, Verwaltung, digitale Wirtschaft und die Rechenzentrumsleistung rund um Frankfurt relevant.

Bitkom bewertet im Bitkom Länderindex 2026 die digitale Leistungsfähigkeit der 16 Bundesländer. Grundlage sind 30 Indikatoren in vier Kategorien: Governance & Verwaltung, Digitale Infrastruktur, Digitale Wirtschaft und Digitale Gesellschaft. Neben Befragungen aller Landesregierungen fließen amtliche Statistiken, Drittstudien und eine repräsentative Befragung von mehr als 5.600 Bürgerinnen und Bürgern ein.

Dr. Ralf Wintergerst, BitkomDr. Ralf Wintergerst, Bitkom»Der Bitkom-Länderindex zeigt, wie die Digitalisierung in Deutschlands Regionen gelingen kann«, meint Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. »Einige Bundesländer profitieren von starken wirtschaftlichen und strukturellen Voraussetzungen, andere holen mit klugen politischen Entscheidungen und gezielten Investitionen auf. Entscheidend ist, dass Digitalisierung strategisch gesteuert, mit Nachdruck umgesetzt und in der Breite verankert wird – in Verwaltung, Wirtschaft, Infrastruktur und Bildung.«

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Hamburg führt bei Infrastruktur und digitaler Wirtschaft

Hamburg erreicht 70,3 von 100 möglichen Punkten und bleibt damit auf Platz eins. Dahinter folgen Berlin mit 63,8 Punkten und Hessen mit 63,7 Punkten. Bayern kommt mit 62,6 Punkten auf Rang vier, Baden-Württemberg mit 61,8 Punkten auf Rang fünf. Am Ende des Rankings liegen Sachsen-Anhalt mit 52,4 Punkten sowie Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern mit jeweils 51,1 Punkten.

Hamburg liegt nicht nur in der Gesamtwertung vorn, sondern auch in den Kategorien Digitale Infrastruktur und Digitale Wirtschaft. Nach Angaben des Verbands zählen dazu unter anderem die Glasfaser- und Gigabit-Versorgung sowie der Anteil von IT-Unternehmen und IT-Fachkräften. Berlin hält den zweiten Platz vor allem durch seine digitale Wirtschaft, darunter die hohe Zahl an Startup-Neugründungen und die Präsenz von IT-Unternehmen.

Hessen profitiert von Verwaltung und Rechenzentren

Hessen verbessert sich im Gesamtvergleich von Rang fünf auf Rang drei. Das Bundesland erreicht in der Kategorie Governance & Verwaltung Platz eins und liegt bei der Digitalen Infrastruktur auf Rang zwei. Eine besondere Rolle spielt dabei laut Bitkom die hohe Rechenzentrumsleistung in der Region Frankfurt/Main.

Für IT- und Rechenzentrumsverantwortliche ist dieser Punkt relevant, weil digitale Standortstärke nicht nur von Breitband- und Glasfaserausbau abhängt. Entscheidend sind auch Rechenzentrumsleistung, Energieversorgung, Netzanbindung, Fachkräfte, Verwaltungsgeschwindigkeit und planbare regulatorische Rahmenbedingungen. Der Index bildet diese Faktoren nicht vollständig aus Sicht einzelner Betreiber ab, zeigt aber, in welchen Regionen digitale Infrastruktur politisch und wirtschaftlich besonders stark verankert ist.

Das Saarland macht den größten Sprung nach vorn

Die stärkste Veränderung zeigt das Saarland. Das Bundesland verbessert sich von Rang zwölf im Länderindex 2024 auf Rang sechs im aktuellen Ranking. In der Kategorie Digitale Gesellschaft erreicht das Saarland sogar Platz eins.

Ausschlaggebend sind laut Bitkom vor allem Werte bei der digitalen Bildung. In allen Schulformen gibt es mindestens sechs Pflichtstunden Informatik. Zudem unterrichten dort fünf Prozent der Lehrkräfte Informatik, während der Bundesdurchschnitt bei drei Prozent liegt. Auch bei der Gigabit-Versorgung an Schulen erreicht das Saarland einen hohen Wert.

Digitale Stärken sind regional unterschiedlich verteilt

Der Länderindex zeigt deutliche regionale Unterschiede. Bei der Digitalen Infrastruktur liegen vor allem norddeutsche Bundesländer vorn, darunter Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Der Süden punktet stärker bei der Digitalen Wirtschaft, wird dort aber von Hamburg und Berlin übertroffen.

Ostdeutsche Bundesländer schneiden im Gesamtvergleich zwar schwächer ab, erreichen aber in der Kategorie Digitale Gesellschaft gute Werte. Mecklenburg-Vorpommern liegt dort auf Platz zwei, Sachsen auf Platz drei und Thüringen auf Platz vier. Nach Einschätzung des Bitkom hängt dies vor allem mit Maßnahmen für digitale Bildung und Teilhabe zusammen.

Digitale Verwaltung braucht gemeinsame Grundlagen

Aus Sicht des Bitkom bleibt die digitale Verwaltung ein wichtiger Hebel. Der Verband verweist unter anderem auf Digitalministerien, Digitalkabinette, Digitalchecks für neue Gesetze und öffentliche Fortschrittsberichte zu Digitalstrategien. Für die Verwaltung fordert er mehr Tempo beim Online-Zugangsgesetz und eine engere technische Zusammenarbeit von Bund und Ländern.

In diesem Zusammenhang verweist Bitkom auch auf den Deutschland-Stack. Gemeint ist ein gemeinsamer technischer Rahmen für digitale Verwaltungsleistungen. »Damit die Verwaltung in Deutschland digital besser funktioniert, müssen Bund und Länder auch technisch enger zusammenarbeiten«, fordert Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. »Vor allem sollten die Länder mehr voneinander lernen. Wenn jedes Land sein eigenes System baut, wird es kompliziert, teuer und langsam.« Das Bekenntnis der Länder zum Deutschland-Stack könne der digitalen Verwaltung zusätzlichen Schub geben. Nach Einschätzung von Wintergerst hat der Ansatz das Zeug dazu, die Verwaltung digital auf ein gemeinsames, modernes Fundament zu stellen. Für Unternehmen und IT-Abteilungen wäre dies vor allem dann relevant, wenn digitale Verwaltungsprozesse dadurch weniger fragmentiert und besser planbar werden.

Anmerkung der Redaktion:

Karl Fröhlich, speicherguide.deKarl Fröhlich, speicherguide.deAls bayerische Redaktion registriert speicherguide.de das Ergebnis natürlich mit der gebotenen Gelassenheit. Also theoretisch. Praktisch ist Rang vier den erfolgsverwöhnten Bajuwaren ein wenig zu wenig. Vor allem für ein Bundesland, das sich digital gern dort sieht, wo sonst der FC Bayern die Tabelle vermutet: ganz oben.

Der Reality-Check deckt sich nicht ganz mit den vollmundigen Versprechen der Politik: Bayerns Digitalminister Fabian Mehring bezeichnete den Freistaat zuletzt als »Powerhouse für die Digitalwirtschaft in Europa« und will Bayern als »Heimat für Hightech und Top-Standort für Zukunftstechnologien« weiter ausbauen.

Der Bitkom-Länderindex ist da etwas nüchterner: Hamburg, Berlin und Hessen liegen vorne. Bayern folgt nur knapp dahinter. Für das weiß-blaue Selbstverständnis ist das zwar kein Absturz, eher ein freundlicher Hinweis, dass digitale Tabellenführung nicht allein durch Selbstbewusstsein entsteht. Man könnte sagen: Der digitale Maßkrug ist gut gefüllt, aber noch mit zu viel Schaum.

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