Forrester: Tech-Souveränität wächst bis 2030 kaum
Trotz geopolitischer Spannungen dürfte die technologische Souveränität weltweit bis 2030 nur langsam zunehmen. Laut einer Forrester-Prognose steigt der Durchschnittswert der 14 untersuchten Staaten von 39 auf 40 Prozent. China und die USA bleiben deutlich vorn, während Europa bei Cloud, Chips und Software abhängig bleibt.
Forrester erwartet bis 2030 weltweit nur geringe Fortschritte bei der technologischen Souveränität. Darunter versteht das Marktforschungs-Unternehmen die Fähigkeit eines Staates, kritische Technologien unabhängig von der Einflussnahme ausländischer Regierungen zu entwickeln, zu betreiben und abzusichern. Für den erstmals veröffentlichten Global Sovereignty Forecast 2025 to 2030 wurden 14 Länder untersucht.
Der durchschnittliche Souveränitätswert dieser Staaten soll laut Prognose von 39 Prozent im Jahr 2025 auf 40 Prozent im Jahr 2030 steigen. China erreicht im Ausgangsjahr 82 Prozent, die USA 79 Prozent. Beide Länder dürften ihre führende Position bis 2030 behaupten. Andere Staaten bleiben nach Einschätzung der Analysten auf strategische Partnerschaften und internationale Bündnisse angewiesen, um technologische Lücken zu schließen.
Der zugrunde liegende Index umfasst neun Bereiche. Bewertet werden staatliche Investitionen in künstliche Intelligenz, Cloud-Souveränität, verfügbare Fachkräfte, die Entwicklung von KI-Modellen, Rechenzentrums-Kapazitäten im Verhältnis zu den Technologieausgaben, die Autonomie von Rechenzentren, die Halbleiterproduktion, die Entwicklung von Software sowie die Verarbeitung Seltener Erden.
Halbleiterproduktion mit stärkstem Zuwachs
Die größten Fortschritte erwartet Forrester in der Halbleiterfertigung. Für die USA und Südkorea soll der entsprechende Teilwert von jeweils 45 Prozent im Jahr 2025 auf 79 Prozent im Jahr 2030 steigen. Für Japan erhöht er sich der Prognose zufolge von 36 auf 53 Prozent, für China von 40 auf 51 Prozent und für Indien von null auf 13 Prozent.
Trotz dieser Zuwächse bleiben Halbleiter und Software laut Forrester zentrale Schwachstellen. Als Gründe nennt das Marktforschungsunternehmen stark konzentrierte Lieferketten bei Chips und die dominierende Stellung weniger Software-Anbieter.
Große regionale Unterschiede
Innerhalb des asiatisch-pazifischen Raums zeigt die Prognose große Unterschiede. Der Gesamtwert Südkoreas soll von 45 auf 47 Prozent steigen, der Japans von 43 auf 46 Prozent und der Indiens von 32 auf 35 Prozent. Für Australien erwartet Forrester einen unveränderten Wert von 29 Prozent.
Auch Nordamerika weist ein deutliches Gefälle auf. Während die USA zu den beiden führenden Staaten zählen, steigt Kanada laut Prognose lediglich von 33 auf 34 Prozent. Mexiko bleibt mit 20 Prozent das Schlusslicht der 14 untersuchten Länder.
Europa bleibt von ausländischer Technik abhängig
Für die großen europäischen Volkswirtschaften erwartet Forrester ebenfalls nur moderate Verbesserungen. Deutschland und Spanien sollen jeweils von 34 auf 36 Prozent steigen. Für Frankreich erhöht sich der Wert demnach von 33 auf 35 Prozent, für Großbritannien von 30 auf 32 Prozent und für Italien von 27 auf 29 Prozent. Die vergleichsweise niedrigen Werte führt Forrester auf Abhängigkeiten bei Chips, Cloud-Diensten, Software und Rechenzentrumskapazitäten zurück.
Diese Abhängigkeiten sehen Branchenbeobachter als Kernproblem: Digitale Souveränität entsteht nicht allein durch neue Rechenzentren. Entscheidend ist, wer die zentralen Technologien entwickelt und kontrolliert – von Halbleitern und Cloud-Plattformen bis zu Betriebssystemen, KI-Modellen und Software. Solange Europa hier abhängig bleibt, bleibt auch seine digitale Handlungsfähigkeit begrenzt.
»Technologische Souveränität ist heute in den Händen weniger globaler Spitzenreiter konzentriert«, erklärt Dario Maisto, Principal Analyst bei Forrester. Maisto zufolge sollten Staaten ihre Abhängigkeiten kennen und verlässliche Partnerschaften aufbauen, um Daten, Infrastruktur und ihre langfristige technologische Unabhängigkeit zu schützen.