Lünendonk: Digitale Souveränität rückt in den Fokus
Eine Studie von Lünendonk & Hossenfelder zeigt, dass Abhängigkeiten von internationalen Cloud-Anbietern und geopolitische Risiken den Handlungsdruck erhöhen. Digitale Souveränität entwickelt sich dadurch für viele Unternehmen zu einer zentralen strategischen Priorität.
Lünendonk & Hossenfelder ordnet digitale Souveränität in seiner aktuellen Studie, »Digitale Souveränität – Vom Risiko zur Resilienz«, als zunehmend geschäftskritisches Thema ein. Treiber sind vor allem starke Abhängigkeiten von internationalen Cloud- und IT-Anbietern sowie geopolitische Unsicherheiten, die den Zugriff auf Daten und Services beeinflussen können.
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist die weiterhin geringe Vorbereitung vieler Unternehmen auf den Ausfall oder Wechsel von Cloud-Anbietern. Lediglich 57 Prozent verfügen über eine Exit-Strategie, während damit nahezu die Hälfte ohne belastbaren Plan B agiert.
Gleichzeitig halten viele Organisationen ein Szenario für realistisch, in dem Anbieter den Zugriff auf Services einschränken oder unterbrechen könnten. Solche Risiken werden im Kontext digitaler Souveränität zunehmend berücksichtigt.
Abhängigkeiten von Hyperscalern bleiben hoch
Die Nutzung von Cloud-Services hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Damit einher geht jedoch eine wachsende Bindung an einzelne Anbieter, insbesondere an internationale Hyperscaler. Dadurch entstehen strukturelle Abhängigkeiten bei geschäftskritischen Anwendungen und Daten.
»Digitale Souveränität duldet keinen Aufschub«, hebt Tobias Ganowski, Senior Consultant bei Lünendonk & Hossenfelder und Studienautor, hervor. »Reines Problembewusstsein genügt nicht. Unternehmen müssen jetzt den Mut aufbringen, Abhängigkeiten aktiv abzubauen, auch wenn dies unbequem und kostspielig ist.« Das heißt, Unternehmen sollten Risiken nicht nur erkennen, sondern konkrete Maßnahmen zur Reduktion von Lock-in-Effekten umsetzen.
Multi-Cloud-Strategien gewinnen an Bedeutung
Bild: LünendonkUm Abhängigkeiten zu reduzieren, setzen viele Unternehmen auf Multi-Cloud-Ansätze. Bereits 42 Prozent nutzen entsprechende Architekturen, während weitere Organisationen deren Einführung planen.
Ziel ist es, Workloads zu verteilen und gleichzeitig Ausweichmöglichkeiten für kritische Systeme vorzuhalten. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Betrieb, Integration und Governance.
Neben Multi-Cloud-Konzepten gewinnen auch souveräne Cloud-Angebote an Bedeutung. Dazu zählen insbesondere Modelle mit lokalem EU-Betreiber sowie IT-Dienstleister mit Rechenzentrumsleistungen in Deutschland.
»Anforderungen unterscheiden sich je nach Branche und Anwendungsfall«, meint Mario Zillmann, Senior Partner bei Lünendonk & Hossenfelder. »Klassische Hyperscaler-Angebote sollen nicht ersetzt, sondern gezielt um souveräne Alternativen ergänzt werden, um regulierte und souveränitätskritische Szenarien abzudecken. Die Zukunft der IT ist daher hybrid und differenziert.«
Europäische Anbieter mit strukturellen Defiziten
Die Studie zeigt zudem, dass europäische Cloud-Anbieter auf Infrastrukturebene zwar als wettbewerbsfähig gelten, jedoch bei Plattformdiensten, KI-Funktionalitäten und Ökosystemen noch Rückstände bestehen.
Diese Unterschiede beeinflussen die Auswahlstrategien von Unternehmen und erschweren eine vollständige Abkehr von etablierten internationalen Anbietern.
Unabhängig von geopolitischen Entwicklungen erwarten 96 Prozent der befragten Unternehmen, dass digitale Souveränität weiter an Bedeutung gewinnt.
Damit etabliert sich das Thema als langfristige Aufgabe für IT-Organisationen. Neben technologischen Aspekten rücken auch organisatorische, regulatorische und strategische Fragestellungen stärker in den Fokus.