Schwarz Digits eröffnet IT-Campus für bis zu 5.500 Beschäftigte
Mit einem neuen Campus in Bad Friedrichshall bündelt Schwarz Digits seine Aktivitäten rund um Cloud, Cybersicherheit und künstliche Intelligenz. Der Standort bietet 3.500 Arbeitsplätze und ist für bis zu 5.500 Beschäftigte ausgelegt. Damit unterstreicht die Schwarz-Gruppe ihre Ambitionen als europäischer Cloud-Anbieter weiter.
Die IT- und Digitalsparte der Schwarz-Gruppe hat ihren neuen Campus in Bad Friedrichshall offiziell eröffnet. Der Betrieb läuft bereits seit Anfang 2026. Auf dem 15,5 Hektar großen Gelände sind nach Unternehmensangaben rund 3.500 Arbeitsplätze entstanden. Durch mobiles Arbeiten kann der Standort von bis zu 5.500 Beschäftigten genutzt werden.
Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Wirtschaftsministerin von Baden-Württemberg (Bild: Katja Bartolec)In fünf terrassenförmig angeordneten Gebäuden bündelt Schwarz Digits Teams aus Cloud, Cybersicherheit, künstlicher Intelligenz und digitaler Infrastruktur. Zum Campus gehören Büro- und Konferenzflächen, eine Kindertagesstätte mit 280 Plätzen, ein Fitnessstudio und ein Mitarbeiterrestaurant. Fast die Hälfte des Geländes ist begrünt. Flächen für zwei weitere Gebäude sind eingeplant.
Die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut sieht darin ein Signal für den Technologiestandort. Der Campus stärke die digitale Infrastruktur und trage dazu bei, »ein freies und souveränes Europa maßgeblich mitzugestalten«, sagte sie bei der Eröffnung.
Ausbau der europäischen Cloud-Infrastruktur
Für IT-Verantwortliche ist weniger die Architektur des Campus entscheidend als die Strategie dahinter. Schwarz Digits entwickelt sich vom internen IT-Dienstleister für Lidl und Kaufland zu einem Technologieanbieter für externe Unternehmen sowie Behörden. Im Ende Februar 2026 abgeschlossenen Geschäftsjahr stieg der Umsatz nach Unternehmensangaben um 16 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Vor allem die Nachfrage nach Cloud-Diensten habe zum Wachstum beigetragen.
Mit Stackit bietet Schwarz Digits eine Cloud-Plattform an, deren Infrastruktur in Deutschland und Österreich betrieben wird. Hinzu kommen Angebote für Cybersecurity, Kommunikation und künstliche Intelligenz. Das Unternehmen stellt dabei europäische Datenhaltung, Datenhoheit und den Betrieb unter europäischem Recht in den Vordergrund.
Christian Müller, CEO von Schwarz Digits, bezeichnete den eigenen Technologie-Stack als Antwort auf globale digitale Abhängigkeiten: »Am neuen Campus wird technologische Unabhängigkeit zur gelebten Realität: Hier entwickeln wir die IT-Architekturen von morgen, die Unternehmen und öffentlichen Institutionen die uneingeschränkte Datenhoheit zurückgeben. Dieser Standort steht für kompromisslose technologische Exzellenz nach höchsten europäischen Datenschutzstandards. Es ist der Startschuss für eine neue Ära der Innovationsgeschwindigkeit, mit der wir digitale Souveränität aus dem europäischen Rechtsraum heraus nicht mehr nur verwalten, sondern aktiv mitbestimmen.«
Der Campus selbst ist kein Rechenzentrum. Parallel baut die Schwarz-Gruppe in Lübbenau zusätzliche Rechenkapazitäten auf. Das Unternehmen nennt dafür ein Investitionsvolumen von elf Milliarden Euro, eine Anschlussleistung von 200 Megawatt und Kapazitäten für bis zu 100.000 GPUs. Erste Kapazitäten sollen in der zweiten Jahreshälfte 2027 bereitstehen.
Die positive Nachricht: Mit Schwarz Digits hat ein deutsches Unternehmen die Herausforderung angenommen, seine Rolle als europäischer Technologieanbieter auszubauen. Ob daraus eine tragfähige Alternative zu etablierten Hyperscalern entsteht, hängt allerdings nicht nur von Standorten und Hardware ab. Entscheidend sind auch Diensteportfolio, Preise, offene Schnittstellen und überprüfbare Merkmale digitaler Souveränität.