17.10.2019 (Claudia Hesse)
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Microsoft Leadership: Von »Know-it-all« zu »Learn-it-all«

  • Inhalt dieses Artikels
  • »Deutschland war mir zu hierarchisch«
  • Von »know-it-all« zu »learn-it-all«
  • Alle werden zu Projektmanagern – und Strategen
  • Vertrauen…

Simone Frömming, MicrosoftSimone Frömming, MicrosoftSimone Frömming, Vertriebsleiterin Großkunden und Mitglied der Geschäftsführung bei Microsoft Schweiz, habe ich mir herausgesucht, weil sie eine der wenigen Frauen in Leitungspositionen in dieser Industrie ist und ich höre mir immer sehr gerne an, wie denn die (IT-)Welt aus deren Augen aussieht.

Bevor Du jetzt aufschreist und sagst, es gäbe doch viele Frauen in Führung in der IT. Falsch. Laut einem Artikel des Manager-Magazins liegt der Anteil der weiblichen Vorstände in IT-Unternehmen bei gerade mal fünf bis sechs Prozent. Tja, was soll ich sagen…

Bei Microsoft Schweiz ist der Frauenanteil im Leadership bei zirka 30 Prozent, CEO Marianne Jannik an der Spitze mit eingenommen. Das ist schon klasse.

»Bei uns ist das eigentlich gut ausgeglichen«, sagt Frömming. Hmmm, für mich wären das 50 Prozent, aber wollen wir mal nicht so sein. 😉

Das ist aber heute nicht unser Thema – sondern wir haben uns generell über die Anforderungen und Herausforderungen an Menschen und Unternehmen in der digitalen Ära unterhalten und dabei habe ich einige spannende Dinge gelernt.

»Deutschland war mir zu hierarchisch«

Zum Beispiel, dass Frau Frömming Deutschland verlassen hat, weil es dort viel zu hierarchisch zugeht. In der Schweiz ist man da (zumindest in manchen Branchen) lockerer und experimentierfreudiger, was ich nach 15 Jahren Schweiz auch so bestätigen kann.

Außerdem habe ich erfahren, dass Microsoft in der Schweiz 600 Mitarbeiter aus 40 verschiedenen Ländern beschäftigt, was deutlich das Thema Diversität in den Vordergrund rückt. Und das ist sicher keine Ausnahme.

Klar war die IT-Branche schon immer sehr international aufgestellt, allerdings stelle ich sogar beim Airbnb auf dem platten bayrischen Land fest, dass immer mehr Menschen aus aller Herren Länder eben in anderen Ländern arbeiten. Ich konnte hier schon Menschen aus Ghana, Polen, Frankreich und Malaysia beherbergen. Also ein Thema, welches nach wie vor brandaktuell ist.

Was Microsoft sogar dazu veranlasst, trotz rasanter Geschwindigkeit im Geschäft, ihre Mitarbeiter genau zu diesem Thema zu schulen. Kostet zwar Zeit, ist aber laut Frömming von extrem hohem Wert. Kein Wunder, sind doch selbst in unserer hochdigitalisierten Welt immer noch die Menschen Treiber der Firmenkultur und final der am meisten relevant Faktoren für Erfolg oder Misserfolg.

Von »know-it-all« zu »learn-it-all«

Das Wort Empathie ist in unserem Gespräch nicht nur einmal gefallen. Was mich natürlich hat aufhorchen lassen. Frau Frömming sprach sogar von empathischer Transformation – von Effizienz und Kollaboration auf der ersten Ebene hin zu kulturellem Change auf der zweiten. Wobei es gilt, alle mit an Bord zu nehmen und Brücken zu bauen – ganz gleich zwischen welchen Nationen, Gendern oder Generationen.

Finde ich persönlich natürlich klasse – als Co-Autorin des Buches Die Brückenbauerinnen, in dem wir genau diese Themen ansprechen.

Hört sich natürlich einfacher an, als es ist, wenn wir mal ganz ehrlich sind. Während die neue Generation mit Themen wie Kollaboration und Agilität auf die Welt kommen, tun sich viele der etwas älteren Semester etwas schwerer damit, quasi mal alles in Frage zu stellen und extrem flexibel auf die veränderte Umgebung zu reagieren. Und Kontrolle abzugeben. Zu orchestrieren statt einfach anzuweisen.

Ändern können wir zwar solche Gewohnheiten – selbst im fortgeschrittenen Alter von 50+, das braucht allerdings ein hohes Bewusstsein, viel Neugier, Offenheit und Mut, alle drei Eigenschaften, die laut Frömming ganz oben auf der Liste der nötigen Future-Skills stehen.

Und ich kann hier nur beipflichten. Auch wenn das manchmal ganz schön schwierig ist.

Wir Menschen haben nämlich die Tendenz, doch gerne recht haben zu wollen. Und darum geht es schlicht und ergreifend nicht mehr. Sondern darum, offen zu sein für unter Umständen vollkommen neue Lösungen, die sich aus Elementen vieler Beteiligter ergeben können und eben das Thema Kollaboration ganz nach vorne rückt (und gleichzeitig das Ego in die zweite Reihe – für manche kompliziert, aber machbar, wie ich aus eigener Erfahrung weiß).

Alle werden zu Projektmanagern – und Strategen

Ein weiterer Wandel, für manche eine Herausforderung– bei Microsoft und ganz generell – ist, dass sich das Geschäft quasi fast komplett in eine Reihe von Projekten verwandelt hat. Im Vertrieb reicht es nicht mehr, einen Kunden zu beraten, sein Produkt zu kennen und einen Preis zu verhandeln.

Gefragt sind heute Menschen, die es schaffen, das ganze Bild zu sehen (eigenes Unternehmen, Produkte, Anforderungen Kunden, Geschäftsprozesse, Strategie, Ziele auf allen Seiten).

Solche, die wissen, wie Projekte mit diversen, oft vielen Stakeholdern abzuwickeln sind.

Und solche, die basierend auf all diesen Fakten, Angebote zusammenstellen können, die in die Gesamtstrategie des Kunden passen und den Geschäftsverlauf positiv beeinflussen. Puh – die Zeiten des einfachen Lizenzverkaufs sind damit wohl vorbei!

Ein Trend, der nicht nur Microsoft betrifft, sondern den ich an vielen anderen Stellen sehen kann. Die Komplexität hat deutlich zugenommen, was schlicht und ergreifend heißt, dass Skill-Development für jeden in der IT heute ganz oben auf der Liste der täglichen To-Do’s stehen sollte. Microsoft erreicht das mit Online-Learning , Mentoring und diversen Coaching-Programmen für ihre Mitarbeiter und ist hier, laut eigener Einschätzung, deutlich besser als andere Unternehmen.

Vertrauen…

Zu guter Letzt haben wir noch über eines meiner Lieblingsthemen gesprochen. Und eines, welches (leider) in vielen Unternehmen kaum vorhanden ist: Vertrauen. Zwischen Menschen generell, von Führung zu Mitarbeitern. Funktionieren kann es letztendlich nur, wenn die Leader Vertrauen vorleben, sprich den Menschen zutrauen, dass sie das Beste geben und auch Fehler machen dürfen – was ganz offensichtlich bei Microsoft der Fall ist.

…und über Letzteres hätten wir wohl noch eine Stunde reden können. Wie Fehlerkultur aussehen kann und darf. Dazu war dann einfach keine Zeit mehr – vielleicht ja beim nächsten Mal.

Fazit: Die wohl größte Herausforderung – nicht nur für Unternehmen, sondern für jeden Einzelnen – ist die irre Geschwindigkeit unserer heutigen Welt (selbst manche Kunden können laut Frömming kaum mithalten). Es gilt ständig lernbereit zu sein, offen, neugierig und mit Mut und Agilität in jeden Tag zu gehen und final Möglichkeiten in Chancen zu verwandeln.