31.10.2018 (kfr)
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Digitalisierung: Sind Sie ein Optimierer oder ein Enabler?

Karl FröhlichKarl Fröhlich In den letzten beiden Jahren hatte ich an dieser Stelle jeweils kritisiert oder zumindest festgehalten, dass die Digitalisierung in Deutschland nicht so recht vorangeht. Gefühlt ist das heute auch so. Allerdings, was erwarten wir eigentlich? Einer Untersuchung des Beratungsunternehmens Etventure und der GFK zufolge ist nicht alles schlecht, aber es fehle der Blick über den Tellerrand hinaus.

Viele Firmen haben Digitalinitiativen gestartet, fokussieren aber vor allem auf das bestehende Geschäft und/oder optimieren hauptsächlich ihre IT. Nur wenige gehen noch einen Schritt weiter und hinterfragen ihr eigenes Geschäftsmodell. Im Unternehmensberatersprech heißt das: »Unternehmen müssen neue digitale Geschäftsmodelle entwickeln, die dem technologischen Wandel ebenso wie den sich verändernden Kundenbedürfnissen gerecht werden.«

Klingt sinnvoll und würde im Prinzip speziell dem Mittelstand helfen. Dessen Kunst besteht ja darin, mit wenigen Mitteln viel zu erreichen. Momentan laufen die Geschäfte branchenübergreifend aber ganz gut. Damit sind auch alle Ressourcen gebunden und, seien wir ehrlich, wenn es läuft besteht kein Grund etwas zu ändern. Da nehmen wir uns nicht aus. Ideen (und Flausen) hatten wir in den letzten 15 Jahren genug, nachhaltig etabliert hat sich davon aber kaum etwas. Unsere Hauptaufgabe ist nach wie vor möglichst täglich zu publizieren.

Die Entwicklung neuer Strategien und Vorgehensweisen ist zeitaufwendig, benötigt Ressourcen – sprich Manpower – und kostet in irgendeiner Form Geld. Und um den Bogen zur IT zu schlagen: Wird der Speicherplatz knapp, kaufen wir uns einen größeren Speicher. Die bestehenden Systeme kennen wir, die sind bisher gut gelaufen, machen wir also erstmal so weiter. Beim nächsten Update-Zyklus nehmen wir uns dann mehr Zeit und denken über neue Wege nach… Ja klar, ganz bestimmt…

Wie man es nicht machen sollte, sehen wir alle gerade in der Automobilindustrie. Hier klammern sich die deutschen Autohersteller vehement an alte Konzepte. Während andere von der Zukunft reden, agieren die bisherigen Weltmarktführer so, als ob Benzin eine unendliche Ressource wäre.

Das ist natürlich nur bedingt auf die IT übertragbar. Man könnte sagen, wir liefern hier »nur« die Tools oder, hey, wir sind der Unterbau damit die Kollegen in den Abteilungen schnell, effizient und gut arbeiten können. Dr. Carlo Velten von Crisp Research hat es in einem Vortrag ganz treffend formuliert, »die IT darf kein Flaschenhals sein, sondern ein Enabler.« Und dafür braucht es die passende Infrastruktur.

Lesen Sie im Storage-Magazin 03/2018 mehr über Trends und Lösungen in den Bereichen Datenspeicherung, Storage-Infrastrukturen, Datenschutz und Data-Protection.

Ihr
Karl Fröhlich
Chefredakteur, speicherguide.de

Kommentare (1)
31.10.2018 - jan

»die IT darf kein Flaschenhals sein, sondern ein Enabler.«
Wenn über Jahre als IT Einstellungskriterium ein Wirtschaftsinformatik FH Studium als hervorragend galt (billige Leute)-, wenn dann die Kosten jedes Jahr gedrückt wurden und ITEL sowie "Virtualisierung" (auf ungeeigneter Hardware) und "Outsourcing" (an die Billigsten) sowie damit verbundenes Outplacement Management gepflegt wurden - um dann einen bevorstehenden Demographieschock und "Fachkräftemangel" zu diagnostizieren - dann weiß man was man von dem Rest-Laden erwarten darf.
Wenn man jetzt 10 Jahre gute Leute einstellt und aufbaut - dann kann da etwas zum Thema enabeling laufen. Vorher ist das Wort "Flaschenhals" als Prädikat zu verwenden. Viele DAX-Firmen das gleiche Problem.