08.05.2020 (Doc Storage)
4 von 5, (3 Bewertungen)

HPC-Speicher: schnell & sicher schließen sich meist aus

  • Inhalt dieses Artikels
  • Die befragten Gruppen scheinbar ohne Ahnung...
  • Wer Garbage in die Cloud schreibt, bekommt auch Garbage zurück...

Kolumne Doc Storage:

Hallo liebe Leser,

Da segnet uns eine Studie mit der Aussage, dass die Kosten für Speichersysteme negative Auswirkungen auf die Ausfallsicherheit von Hochleistungs-Rechensystemen haben. Zunächst einmal verdreht das ja nun die Realitäten der letzten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Die lieben Orchideen-Informatiker in ihren Hochleistungsumgebungen haben doch immer, von Anfang an, auf höchsten Durchsatz und breiteste Verbindungen gepocht. Dass vor allem der höchste Durchsatz der natürliche Feind jeglicher Redundanz, höherwertiger Protokolle und damit eben der Ausfallsicherheit der benutzten Systeme hatte und hat, ist damit eine ganz natürliche Folge.

Jeder, der auch nur eine kurze Zeit in Speicherumgebungen produktiv zugebracht hat weiß, dass es da diesen Schieber gibt, von leistungsfähig und praktisch ohne zusätzliche Funktionen (und damit auch ohne Redundanz) rüber zu immer weniger Leistung, aber dafür mit immer mehr Funktionalitäten und Sicherheit.

Die befragten Gruppen scheinbar ohne Ahnung...

Naja, vielleicht liegt es auch daran, dass von den befragten Gruppen (Manager, Einkäufer, Beeinflusser und Anwender) nur einige tatsächlich einigermaßen Ahnung von dem haben, wovon sie da sprechen soll. Dass die immer nervende »digitale Transformation« (noch immer hat mir noch niemand erklärt, was der Blödsinn wirklich sein soll…) und die von Marketingfritzen weltweit nun präferierte künstliche Intelligenz (vor der schon der Kollege Weizenbaum ausreichend und wohlbegründet gewarnt hat) die Treiber der einfallslosen Industrie sind, nun ja, der eine muss ja vom anderen abschreiben.

Aber wo denn die sieben (!!!) Prozent jährlicher Steigerungsrate des globalen Hochleistungsmarktes (also für HPC-Systeme, nicht dass der Markt an sich Hochleistungen bringen würde) herkommen sollen, vor allem vor dem Hintergrund der jetzigen Situation, das muss mir erstmal einer erklären. Da war wohl eher der feuchte Wunsch einer Marketingabteilung Vater dieser lächerlichen Gedanken.

Spezialsysteme zwangsläufig komplexer zu integrieren

Die angesprochenen ungeplanten Ausfallzeiten (ich frage mich seit Jahrzehnten, ob es denn wohl auch geplante Ausfälle gibt…?) sind – einmal wieder – die Geister, die die Anwender immer schnellerer Speichersysteme mit dem Drücken des Schiebers (s.o.) in die Performance-Ecke selbst herbeigerufen haben. Und dass es eben mehr Zeit kostet, Systeme mit wenigen höheren Funktionen in die eigene Umgebung zu integrieren, wen wundert das bitte?

Zweifelhaft ist auch das in der Studie genannte Rechenbeispiel: In den befragten Firmen – mit fünf Millionen bis zehn Milliarden US-Dollar Jahresumsatz – verursacht der Stillstand eines Speichersystems, also meistens der gesamten DV, lediglich einen Schaden von einer Million US-Dollar? Eine Milliarde durch 200 Werktage ist bei mir schonmal das Fünffache. Wenn darüber hinaus die Speichersysteme (Mehrzahl…) mehrfach im Monat stillstehen, dann gehört das unheilige Gespann aus Einkäufer und Speicherfritze rausgeschmissen. Das kann passieren, darf aber nicht. Nach dem Prinzip leben wir seit Jahrzehnten, und es funktioniert. Fertig.

Hinzukommt die Forderung, die Hersteller sollten einen Nutzen über den Anschaffungspreis hinaus, Ausfallsicherheit, einen reaktionsschnellen Support und einen unterbrechungsfreien Betrieb bieten. Gibts alles, ebenfalls seit Jahrzehnten, absolut redundante und überflüssige Aussage. Kostet eben nur Geld, welches viele in ihrem Elfenbeintürmchen nicht ausgeben wollen. Aber genug aufgeregt.

Wer Garbage in die Cloud schreibt, bekommt auch Garbage zurück...

Es gibt ja noch andere, über die man sich mindestens Gedanken machen kann. Da sind die Hersteller von Backup-Lösungen in Multi-Cloud-Umgebungen (wem außer mir läuft da der kalte Schauer den Rücken runter?), der offenbar zaubern kann und die Sicherungszeiten mal eben auf ein Fünftel reduziert und die der Rücksicherung glatt drittelt. Wie das allerdings funktionieren soll, wenn die in der Wolke gelagerten Backup-Daten aus dieser herausgelesen, entpackt, ent-dedupliziert und dann wieder zurückgeschrieben werden, sagen sie niemandem.

Genauso wie es keine Auskunft gibt, wer denn Backups, die ausschließlich draußen in der Wolke liegen, auf ihre Integrität und Brauchbarkeit hin untersucht, und das regelmäßig. Und jetzt komme mir niemand mit »naja, in der Cloud werden die Daten ja dreifach gesichert.« Garbage in, Garbage out.

Ach ja, und um nochmal auf den sgTalk #05 von letzter Woche zurückzukommen – einen Preis sucht man (natürlich) mal wieder vergebens.

So, jetzt habe ich mich erstmal genug aufgeregt. Morgen sind noch mehr Artikel dran, jetzt muss ich erstmal wieder in Videokonferenzen abtauchen…😉

Gruß
Doc Storage

Stellen Sie Ihre Frage
Doc. tec. Storage beantwortet alle Ihre technischen Fragen zu Storage, Backup & Co.

Stellen Sie Ihre Frage an: DocStorage@speicherguide.de

Mehr von Doc. tec. Storage 07.08.2020 Marktstudien: Ergebnisse meist zu offensichtlich

Marktstudien belegen in der Regel bekannte Trends, mehr nicht. Wirkliche Erkenntnisse oder Neues fördern sie, laut Doc Storage, nicht zu Tage. Dies belegt er anhand zweier aktueller Beispiele: Die Analysekriterien sind schwammig, die Argumente eher fadenscheinig und die Resultate offensichtlich. Zudem sei fragwürdig, in wie weit Sponsoren die Ergebnisse beeinflussen.


31.07.2020 Business-Continuity: Zu viele Firmen unvorbereitet auf K-Fall

Jüngste Studien sprechen von einem steigenden Bewusstsein in Sachen Business-Continuity. Doc Storage kann den Zahlen allerdings wenig positives abgewinnen, denn noch nicht mal zwei Drittel aller Unternehmen besitzen einen Business-Continuity-Plan und fast die Hälfte verfügt über keine fest definierte Rückkehrmaßnahmen. Aus seiner Sicht ist es erschreckend, wie viele Firmen und IT-Abteilungen nicht auf einen Katastrophenfall vorbereitet sind.


24.07.2020 Ist Archiving-to-the-Cloud heute bereits sinnvoll?

Unsere Archivierungs-Hardware bedarf der Erneuerung. Bislang setzten wir auf LTO-6-basierende Tape-Librarys. LTO-7 haben wir bisher übersprungen. Nun stünde LTO-8 an. Aber es gäbe auch Archiving-to-the-Cloud. Macht es Sinn, sich damit ernsthaft zu befassen oder raten Sie weiterhin On-Premises?


17.07.2020 EU/US-Privacy-Shield: Datenaustausch nicht mehr rechtens

Das EuGH erklärt das EU/US-Privacy-Shield für unwirksam. Damit ist die Hauptgrundlage für Datentransfers zwischen der EU und den USA nicht mehr gültig. Für unseren Doc Storage ist dies keine Überraschung, weil jeder klardenkende EU-Bürger wusste, dass die US-Behörden am Schutz unserer Daten nicht wirklich interessiert waren. Lesen Sie hier seine generelle Einschätzung zur Thematik.


10.07.2020 Genderkorrekte IT-Sprache – muss das sein?

Haben Sie sich schon mal Gedanken gemacht, ob unsere IT-Begriffe politisch- bzw. genderkorrekt sind? Gleichstellungsbeauftragte fordern eine neue IT-Sprache, Dummys, Black- und Whitelist oder Master/Slave seien nicht mehr zeitgemäß. Unser Doc ist da eher »Old School«…


03.07.2020 Problem: SSDs mit Trim-Funktion in Disk-Arrays

In einem Synology-RAID macht der Trim-Befehl der eingesetzten SSDs das System nach einer Zeit, unbenutzbar langsam. Abhilfe schafft eine Neuinstallation. Woran liegt das und könnte dies auch mit Enterprise-SSDs in größeren Arrays auftreten?

powered by
Zadara Pure Storage Germany GmbH
Infortrend Fujitsu Technology Solutions GmbH
FAST LTA N-TEC GmbH
Folgen Sie speicherguide.de auch auf unseren Social-Media-Kanälen
Folgen Sie und auf Facebook Folgen Sie und auf YouTube Folgen Sie und auf Twitter