Trendforce: MLCC-Engpass bei KI-Servern bis Mitte 2027
Mit KI-Inferenz und KI-Agenten steigt der Bedarf an Server-CPUs, DDR5-Speicher und hochkapazitiven Keramikkondensatoren. Trendforce erwartet bei diesen MLCCs Engpässe bis in die erste Jahreshälfte 2027. Gleichzeitig schwächelt die Nachfrage nach Notebooks und Smartphones. Die beiden Märkte entwickeln sich damit deutlich unterschiedlich.
Für Betreiber und Hersteller von KI-Infrastruktur könnten selbst kleine Bauteile zum Engpass werden. Keramische Vielschichtkondensatoren (MLCCs) sitzen unter anderem auf CPU-Mainboards und Speichermodulen. Nach einer Analyse von TrendForce steigt ihr Bedarf mit der Zahl der Prozessoren, Stromversorgungsmodule und DDR5-Speicherbausteine. Besonders gefragt seien Ausführungen mit hoher Kapazität.
Der zusätzliche Bedarf entsteht laut den Marktforschern, weil KI-Anwendungen über das Training großer Modelle hinaus zunehmend Inferenz und KI-Agenten umfassen. Dafür werden mehr CPUs benötigt. Mit ihnen wächst auch die Zahl der Bauteile für Stromversorgung und Arbeitsspeicher.
Ab dem vierten Quartal 2026 sollen die Auslieferungen der Vera Rubin-Plattform von NVIDIA von Monat zu Monat zunehmen. AMD beschaffe bereits spezielle hochkapazitive MLCCs für seine MI450-Plattform. Auftragsfertiger (ODMs) erwarten die stärksten Engpässe im ersten und zweiten Quartal 2027.
MLCC-Engpass erreicht optische Kommunikationsmodule
Die Knappheit betrifft der Analyse zufolge inzwischen auch Kondensatoren für optische Kommunikationsmodule. Damit geraten neben KI-Rechnern auch Komponenten der Netzwerk- und Kommunikationstechnik unter Druck.
Anders sieht es bei MLCCs für Unterhaltungselektronik aus. Die Spotpreise für Bauteile mit niedriger und mittlerer Kapazität fielen Anfang Oktober um rund fünf Prozent. Danach stabilisierten sie sich vorläufig. Bei hochwertigen Varianten verliere der Preisanstieg zwar an Schwung, die Versorgung bleibe aber angespannt.
Notebook-Bestellungen sinken um zehn bis 15 Prozent
Große Notebook-Auftragsfertiger rechnen für das vierte Quartal 2026 im Jahresvergleich mit durchschnittlich zehn bis 15 Prozent weniger Bestellungen. Smartphone-Anbieter reduzieren laut Trendforce ebenfalls die Liefermengen bei Einstiegs- und Mittelklassemodellen. Höhere Kosten für Speicher und andere Komponenten verteuerten zugleich die Endgeräte.
Auf der Kostenseite kommen Rohstoffe und Logistik hinzu. Nach Angaben von Trendforce stieg Japans Importpreisindex im September gegenüber dem Vorjahr um 24,5 Prozent. Besonders betroffen seien Nickel, Kupfer und Silber, die unter anderem für MLCC-Elektroden benötigt werden.
Murata: Neue Kapazitäten frühestens 2028
Der japanische Kondensatorhersteller Murata habe seine Ausbaupläne vorgezogen, weil die vorhandene Fertigungskapazität den Bedarf nicht decke. Eine spürbare Entlastung durch neue Anlagen erwartet Trendforce allerdings frühestens ab 2028.
Die Preisgespräche für das erste Quartal 2027 sollen im November 2026 beginnen. Die Marktforscher halten es für wahrscheinlich, dass japanische Hersteller dem Beispiel von Samsung Electro-Mechanics folgen und ihre Preise anheben. Anbieter aus Taiwan und China dürften zugleich von zusätzlichen Aufträgen für MLCCs der Unterhaltungselektronik profitieren.