S2N 2026: Resümee und Zusammenfassung
Die eigene IT bezahlbar betreiben und Fachwissen im KI-Zeitalter erhalten: Die S2N 2026 in Berlin lieferte konkrete Anregungen für den Infrastruktur-Alltag. Zwei starke Keynotes, kurze Wege und intensive Gespräche prägten die Konferenz. Das technisch versierte Publikum erwartete Substanz – reine Produktwerbung hatte es schwer.
Die S2N-Konferenz für Storage, Server und Netzwerk führte die IT-Infrastrukturgemeinde am 3. und 4. November erstmals nach Berlin. Für die Veranstaltung waren 290 Teilnehmer registriert. Zusammen mit den Ausstellern waren laut speicherguide.de-Schätzung in der Spitze etwa 350 Personen vor Ort.
Mit dem Estrel Hotel hatten die Veranstalter eine sehr gute Wahl getroffen. Im hellen, lichtdurchfluteten Veranstaltungsbereich lagen Ausstellung und Catering zentral beieinander, die Konferenzsäle direkt daneben. Die Wege zwischen Vorträgen, Ausstellern und Gesprächen waren angenehm kurz. Das haben wir in anderen Jahren schon umständlicher erlebt.
Auch die Stimmung passte: Die Teilnehmer und Aussteller, mit denen wir gesprochen haben, zeigten sich durchweg sehr zufrieden.
Technische Substanz kommt an
Wir können uns nur wiederholen: Das Publikum von Heise und der Redaktion iX ist technisch versiert und anspruchsvoll. Aussteller, die konkrete Herausforderungen und Lösungswege diskutieren konnten, dürften auf ihre Kosten gekommen sein.
Das zeigte sich auch bei den Vorträgen. Ein Beitrag muss keineswegs produktneutral sein, um einen Mehrwert zu bieten. Er muss aber das angekündigte Thema einlösen. Wer eine übergreifende Fragestellung verspricht und nach zwei Folien nur noch Produkte präsentiert, liefert zu wenig.
Schon im vergangenen Jahr hatten wir die gestiegene Qualität der Sponsored Talks hervorgehoben. Der Maßstab bleibt: technische Tiefe, nachvollziehbare Argumente und Erfahrungen, die sich auf den eigenen Betrieb übertragen lassen.
Open-Source macht Wachstum bezahlbar
Frank Benke, Hahn AutomationZu unseren Highlights gehörte die Eröffnungs-Keynote von Frank Benke, Head of IT bei der HAHN Automation Group. Das Unternehmen setzt seit zwölf Jahren auf Open-Source-Strukturen. Benke zeigte, wie die Speicherumgebung in dieser Zeit von 30 TByte auf 7,6 PByte- gewachsen ist.
Nach seiner Darstellung wäre dieses Wachstum mit einer durchgehend an einzelne Hersteller gebundenen Infrastruktur finanziell nicht möglich gewesen. Open-Source und software-definierte Strukturen hätten den nötigen Spielraum geschaffen.
Benke blieb dabei nicht bei den Kosten stehen. Er erläuterte, wie sich Open-Source dauerhaft im Unternehmen einsetzen lässt und worauf es bei Support, Risikobewertung und eigener Verantwortung ankommt. Die Verbindung aus langjähriger Betriebserfahrung und konkreten Entscheidungshilfen machte den Vortrag besonders nützlich.
KI hilft beim Lernen – Erfahrung bleibt notwendig
Den zweiten Konferenztag eröffnete Bernd Erk von Netways mit der Keynote »Seniors ohne Juniors? Was KI mit Erfahrung, Verantwortung und IT-Betrieb macht«. Seine Ausgangsfrage trifft einen wunden Punkt: Wenn KI zunehmend Einstiegsaufgaben übernimmt, woran lernt dann der Nachwuchs?
Gerade in der Technik ist Fehlersuche eine der besten Gelegenheiten zum Lernen. Wer Probleme eingrenzt, falsche Annahmen verwirft und Zusammenhänge erkennt, entwickelt Systemverständnis. Ein fertiges KI-Ergebnis ersetzt diese Erfahrung nicht.
Gleichzeitig war es dank KI wohl nie einfacher, sich Sachverhalte erklären zu lassen, Lösungswege zu vergleichen und Neues auszuprobieren. Erk fand einen guten Zugang zu beiden Seiten dieser Entwicklung. Auch in der anschließenden Podiumsdiskussion bestand weitgehend Einigkeit: Mitarbeiter müssen sich fachlich weiterentwickeln, und KI kann ihnen dabei helfen. Führungskräfte müssen dafür allerdings Freiraum schaffen.
Ebenso deutlich wurde: KI darf im IT-Betrieb nicht unbeaufsichtigt arbeiten. Menschen müssen ihre Ergebnisse prüfen und Eingriffe kontrollieren. Wer glaubt, den Großteil seines Personals durch KI ersetzen zu können, dürfte eine böse Bauchlandung erleben.
Grit Wasmund, Christian Peschke, Daniel Menzel, Panel-Diskussion, Alwin Antreich (v.li.).
Gute Gespräche gehören zum Programm
Große technische Neuerungen gab es in Berlin nicht zu sehen. Das war auch nicht zu erwarten. Die Stärke der S2N liegt im Erfahrungsaustausch: Wie lösen andere ihre Probleme, was funktioniert im Betrieb und wo liegen die Fallstricke?
Das gelingt auch abseits der Bühne jedes Jahr wieder. Man trifft Menschen mit ähnlichen beruflichen Herausforderungen, kommt schnell ins Gespräch und nimmt neue Kontakte mit. Mitunter entstehen daraus Freundschaften. Wer Anschluss sucht, findet ihn auf der S2N nach unserem Eindruck schnell.
Anmerkung aus der Redaktion
Karl Fröhlich, speicherguide.deBerlin bot mit kurzen Wegen, guter Atmosphäre und einem fachkundigen Publikum sehr gute Bedingungen für die S2N. Besonders die beiden Keynotes bleiben mir in Erinnerung.
Wie sehr ich mittlerweile zum Theoretiker geworden bin, zeigten mir Werner Fischers Vortrag über Storage-Caches in Proxmox VE, Alwin Antreichs »RAM das neue Gold« sowie Philipp Hocke mit seinem Praxisbericht zur »Die 120-Petabyte-Challenge«: Eigentlich genau meine Themen, aber die technische Tiefe hatte es in sich – über Proxmox und Ceph habe ich einiges dazugelernt. Dabei überzeugten nicht nur die Inhalte, sondern auch die Redner, die hochkomplexe technische Zusammenhänge verständlich und unaufgeregt vermitteln konnten. Das war großes Kino.
Eines noch: Liebe Aussteller, warum klebt Ihr so an Euren Tischen? Mischt Euch unter die Teilnehmer und geht dorthin, wo die Gespräche stattfinden. Ihr müsst Euren Stand nicht ständig bewachen. Gerade auf der S2N kommt man schnell mit Menschen ins Gespräch, die konkrete technische Herausforderungen lösen müssen. Bringt Euer Fachwissen ein und hört zu. In diesem Sinne, wir sehen uns am 9.-11. November 2027 in Siegburg (bei Bonn).