Micron überspringt G10 und plant NAND mit über 400 Lagen
Micron überspringt bei 3D-NAND die Generation G10 und plant für die zweite Jahreshälfte 2027 den Fertigungsanlauf von G11. Der Flash-Speicher soll mehr als 400 Lagen bieten und die Bitdichte gegenüber G9 verdoppeln. Zugleich entwickelt Micron zwei spezielle NAND-Varianten für KI-Systeme: eine für viele kleine Zugriffe und eine für hohe Datenraten.
Micron plant, G11 in der zweiten Jahreshälfte 2027 in die Fertigung zu bringen. Die Generation G10 wird übersprungen. G11 soll mehr als 400 Speicherlagen erhalten. Der bisherige G9-NAND hat 276 Lagen.
Gegenüber G9 soll G11 die doppelte Bitdichte und eine bis zu 50 Prozent schnellere Datenschnittstelle bieten. Für die Datenübertragung soll mehr als 25 Prozent weniger Energie je Bit nötig sein. Das sind Chip-Angaben, keine Leistungswerte fertiger SSDs.
Dafür will Micron Wafer-on-Wafer-Bonding nutzen. Dabei werden die Speicherzellen und die Steuerlogik auf getrennten Siliziumscheiben gefertigt und anschließend miteinander verbunden. Weitere Details will Micron näher am Produktionsstart nennen.
Zwei spezielle NAND-Varianten für KI-Systeme
Für KI-Anwendungen entwickelt Micron außerdem eine NAND-Variante auf SLC-Basis. Sie soll besonders viele kleine Lese- und Schreibzugriffe bewältigen.
Eine zweite Variante soll hohe Datenraten erreichen. Dafür will Micron gestapelte NAND-Chips über Silizium-Durchkontaktierungen (Through-Silicon-Vias, TSV) mit einem Logikchip verbinden. Solcher Flash-Speicher könnte näher an KI-Beschleunigern eingesetzt werden. Den schnellen HBM-Arbeitsspeicher der Beschleuniger ersetzt er nicht.
Micron will die beiden Spezialvarianten gemeinsam mit Kunden entwickeln. Konkrete Produkte, Preise und Termine stehen noch nicht fest.
Mehr NAND-Lagen bedeuten noch keine billigeren SSDs
Mehr Bits auf gleicher Chipfläche können die Fertigungskosten je Bit senken. Ob SSDs dadurch günstiger werden, hängt aber auch von Produktionsausbeute, Angebot und Nachfrage ab. Aus der G11-Roadmap lässt sich deshalb kein Preisrückgang für 2027 ableiten.
Auch der Sprung im Namen von G9 auf G11 bedeutet nicht, dass die Fertigung früher beginnt. Entscheidend ist, wann Micron die Chips tatsächlich in größeren Mengen produziert und entsprechende SSDs erhältlich sind.
Die Speicherpreise dürften zunächst weiter steigen. TrendForce erwartet für das vierte Quartal 2026 einen Anstieg der NAND-Flash-Vertragspreise um 15 bis 20 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Bei konventionellem DRAM rechnet das Marktforschungsunternehmen mit zehn bis 15 Prozent. Bei Enterprise-SSDs soll sich der Preisanstieg sogar beschleunigen. Das sind Prognosen für Vertragspreise, keine deutschen Endkundenpreise. Über die Entwicklung berichteten wir bereits in »Trendforce: DRAM-Modulmarkt wächst 2025 um 59 Prozent«.
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