Zimaboard 2: Die eigene Cloud zum Selberbauen
Die Flexibilität eines Einplatinenrechners verbindet das ZimaBoard 2 mit den Funktionen eines kleinen NAS-Systems. Der Mini-Server von IceWhale eignet sich für den Aufbau einer privaten Cloud, automatische Smartphone-Backups und das Streaming von Videos. Er richtet sich an technikaffine Anwender, die ihre Speicherlösung selbst konfigurieren möchten.
Das ZimaBoard 2 von IceWhale ist ein kompakter x86-Server für Anwender, die ihre Speicherlösung selbst zusammenstellen möchten. Das bereits 2025 vorgestellte Gerät unterscheidet sich von einem Raspberry Pi vor allem durch seine Ausrichtung auf Speicher- und Netzwerkaufgaben. Anders als bei vielen Einplatinenrechnern sitzt die Elektronik in einem flachen Aluminiumgehäuse, das gleichzeitig als Kühlkörper dient.
Prozessor, Arbeitsspeicher und eMMC-Systemspeicher sind fest integriert. Das Betriebssystem ZimaOS ist bereits installiert. Zum Basispaket gehören außerdem ein 60-Watt-Netzteil, ein SATA-Y-Kabel und ein optional einsetzbarer Lüfter. Für den ersten Start genügt es, das Gerät mit Strom und über ein Ethernet-Kabel mit dem Heimnetz zu verbinden. Bildschirm und Tastatur sind für die normale Einrichtung nicht erforderlich.
Das Mini-NAS-Starterkit ergänzt das Zimaboard 2 um eine Laufwerkshalterung und Zubehör. (Bild: Icewhale)Wer das Zimaboard 2 als NAS oder private Cloud nutzen möchte, benötigt zusätzlich eine oder mehrere Festplatten bzw. SSDs. Eine passende Halterung für zwei 3,5-Zoll-Festplatten kostet bei Amazon rund 50 Euro. Alternativ gibt es Mini-NAS-Kits mit Board, Laufwerkshalterung und weiterem Zubehör ab 496 Euro.
Das Zimaboard 2 ist damit kein fertiges NAS, sondern eine weitgehend betriebsbereite Server-Plattform, bei der Anwender die Speicher-Hardware und weitere Funktionen selbst bestimmen.
Einstieg mit überschaubaren Vorkenntnissen
Mit ZimaOS können auch technisch interessierte Einsteiger einen Heimserver aufbauen. Die Einrichtung und Verwaltung erfolgen über den Browser. Programmier-Kenntnisse oder Erfahrungen mit der Linux-Kommandozeile sind dafür nicht erforderlich.
Hilfreich sind Grundkenntnisse über Heimnetzwerke, IP-Adressen, Festplatten und Benutzerrechte. Wer von unterwegs auf seine Dateien zugreifen möchte, sollte sich außerdem mit Netzwerksicherheit und Datensicherung beschäftigen.
Die Anforderungen steigen, sobald eigene Docker-Anwendungen, zusätzliche PCIe-Hardware oder andere Betriebssysteme zum Einsatz kommen. Dann sind Erfahrungen mit Linux, Containern und gegebenenfalls Virtualisierung sinnvoll.
Für Anwender, die bereits einen Raspberry Pi oder Linux-Heimserver eingerichtet haben, dürfte das Zimaboard 2 keine große Herausforderung darstellen. Die grafische Oberfläche nimmt ihnen einen Teil der sonst notwendigen Konfigurationsarbeit ab.
ZimaOS: Vom Dateispeicher zum Heimserver
ZimaOS zeigt Systemauslastung, Netzwerk und Laufwerke auf einer zentralen Oberfläche. Anwender können Speicherbereiche einrichten, Ordner freigeben und Benutzerrechte verwalten. Über SMB greifen Windows-PCs und Macs direkt auf die freigegebenen Dateien zu.
Für zusätzliche Aufgaben bietet ZimaOS einen App-Store mit Docker-Anwendungen. Dazu gehören Nextcloud für Dateisynchronisierung und private Cloud-Dienste, Jellyfin und Plex für Medienwiedergabe sowie Home Assistant zur Smart-Home-Steuerung.
Damit kann das Zimaboard 2 mehrere Funktionen übernehmen, die sonst auf unterschiedlichen Geräten laufen würden. Neben einem zentralen Dateispeicher sind beispielsweise ein Backup-Server, eine private Mediathek oder verschiedene Netzwerkdienste möglich.
Wer mehr Kontrolle über das System benötigt, kann ZimaOS durch eine andere Linux-Distribution oder eine Virtualisierungsplattform wie Proxmox ersetzen. Diese Offenheit gehört zu den wesentlichen Vorteilen der x86-Architektur. Allerdings entfällt dann der Komfort der vorinstallierten Verwaltungsoberfläche.
Private-Cloud mit automatischer Fotosicherung
ZimaOS ermöglicht eine private Cloud mit automatischen Smartphone-Backups, Fotoverwaltung und Dateifreigaben – bequem über den Browser. (Bild: Icewhale)Eine besonders praktische Anwendung ist die zentrale Verwaltung von Familienfotos. Über den ZimaClient für Android und iOS lassen sich Smartphone-Fotos und Videos automatisch auf das Zimaboard 2 übertragen. Damit können Nutzer ihre Aufnahmen auf eigener Hardware sichern, statt sie ausschließlich bei Apple oder Google zu speichern.
Seit Mitte Oktober 2026 bietet ZimaOS in Version 1.8 eine eigene Fotoverwaltung. ZimaOS Photos organisiert Bilder in einer chronologischen Ansicht, zeigt Aufnahmen auf einer Karte und unterstützt Alben und Favoriten. Eine lokale KI-Suche soll Bilder anhand ihres Inhalts finden, beispielsweise Aufnahmen von Haustieren, Stränden oder bestimmten Ereignissen. Auch RAW-Formate, Live-Photos und Videos werden berücksichtigt.
Die Verwaltung erfolgt über Browser oder Smartphone. Laut Icewhale läuft die Bildanalyse lokal auf dem Server. Eine Übertragung der Fotos an einen externen KI-Dienst ist dafür nicht erforderlich. Da die neue Version erst seit wenigen Tagen verfügbar ist, fehlen allerdings noch unabhängige Langzeiterfahrungen zur Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit.
Alternativ lässt sich Immich installieren. Die Open-Source-Anwendung bietet ebenfalls automatische Smartphone-Uploads, Alben, Gesichtserkennung und eine intelligente Bildersuche. Sie kann auch unabhängig von ZimaOS betrieben werden.
Für umfangreiche Fotosammlungen und mehrere parallele Anwendungen empfiehlt sich das Zimaboard 2 mit 16 GByte RAM. Eine zusätzliche SSD für Datenbank und Vorschaubilder kann die Verarbeitung beschleunigen.
Für die Datensicherheit lassen sich beispielsweise zwei gleich große Festplatten als RAID 1 betreiben. Die Daten werden dann gespiegelt, sodass der Ausfall eines Laufwerks nicht unmittelbar zum Datenverlust führt. Eine separate Datensicherung bleibt trotzdem notwendig. RAID schützt weder vor versehentlichem Löschen noch vor Schadsoftware oder dem Verlust des gesamten Geräts.
Filme und Videos im Heimnetz abspielen
Mit Jellyfin oder Plex lässt sich das Zimaboard 2 auch als private Videothek verwenden. Filme und Serien liegen zentral auf dem Server und können beispielsweise auf Smart-TVs, Tablets oder Smartphones abgespielt werden.
Der Intel N150 unterstützt Hardware-Beschleunigung über Intel Quick Sync. Damit kann der Prozessor bei geeigneten Videoformaten die integrierte Grafikeinheit nutzen. Das reduziert die CPU-Belastung, wenn Videos für ein Wiedergabegerät umgewandelt werden müssen.
Für einen einzelnen 4K-Stream reicht die Plattform unter geeigneten Bedingungen aus. Entscheidend sind Videoformat, Bitrate und die Fähigkeiten des Abspielgeräts. Werden mehrere hochauflösende Videos gleichzeitig transkodiert, können die Leistungsreserven schnell erschöpft sein.
Als Medienserver für einen Haushalt mit wenigen gleichzeitigen Nutzern ist das Zimaboard 2 damit eine Option. Für aufwendige Videobearbeitung oder viele parallele Transkodierungen ist es dagegen nicht ausgelegt.
Zimaboard 2, Raspberry Pi, Mini-PC oder NAS
Der Raspberry Pi 5 ist die vielseitigere Plattform für Elektronikprojekte. Er bietet GPIO-Anschlüsse, WLAN, Bluetooth und ein umfangreiches Zubehörangebot. Besonders für Sensorik, Smart Home und Linux-Lernprojekte ist er geeignet. Wer daraus ein NAS mit SATA-Festplatten bauen möchte, benötigt jedoch zusätzliche Adapter.
Das Zimaboard 2 ist stärker auf Speicher- und Server-Anwendungen ausgerichtet. SATA-Anschlüsse, zwei 2,5-GbE-Netzwerk-Ports und PCIe sind bereits vorhanden. Damit lassen sich beispielsweise Festplatten direkt anschließen oder zusätzliche Netzwerkkarten und NVMe-SSDs nachrüsten.
Preislich interessante Alternativen sind Mini-PCs mit Intel N100 oder N150. Sie besitzen meist bereits ein vollständiges Gehäuse und eine SSD. Für Docker-Anwendungen, kleine virtuelle Maschinen oder Home Assistant sind sie ebenfalls geeignet. Ihre Erweiterbarkeit ist allerdings modellabhängig. Insbesondere der Anschluss mehrerer interner SATA-Laufwerke ist häufig schwieriger.
Klassische Zwei-Bay-NAS-Systeme von Synology, QNAP oder Ugreen bieten dagegen integrierte Festplatteneinschübe und eine auf den Speicherbetrieb abgestimmte Software. Sie erfordern weniger Montageaufwand und sind für Anwender, die hauptsächlich Dateien und Fotos speichern möchten, meist die bequemere Lösung.
Das Zimaboard 2 liegt zwischen diesen Konzepten. Es bietet mehr Freiheiten als ein typisches Einsteiger-NAS, konzentriert sich aber stärker auf Server-Awendungen als universelle Maker-Boards.
Grenzen bei Kühlung und Aufrüstung
Die kompakte Bauweise bringt einige Einschränkungen mit sich. Medienberichten zufolge erreicht das Aluminiumgehäuse unter hoher Last Temperaturen von bis zu 76 Grad Celsius. Dabei kann der Prozessor zeitweise seine Taktrate reduzieren.
Der Arbeitsspeicher ist fest verlötet, auch der interne eMMC-Speicher lässt sich nicht erweitern. Beim Aufbau eines NAS fehlt zudem der Komfort eines geschlossenen Gehäuses mit Laufwerkseinschüben. Ohne passende Halterung bleiben Festplatten und Kabel offen zugänglich.
Auch bei der Software gibt es Einschränkungen. ZimaOS vereinfacht die Verwaltung, bietet aber weniger Freiheiten als eine vollständige Linux-Installation mit klassischer Paketverwaltung. Zusätzliche Anwendungen laufen daher meist in Containern. Wer tiefer in das System eingreifen möchte, kann auf ein anderes Betriebssystem wechseln.
Fazit: Vielseitiger Heimserver mit Preisaufschlag
Das Zimaboard 2 kommt mit vorinstalliertem ZimaOS, Netzteil, SATA-Y-Kabel und Lüfter. Festplatten und Halterung müssen separat gekauft werden.(Bild: Icewhale)Das Zimaboard 2 bietet technisch interessierten Anwendern eine flexible Grundlage für eine eigene Cloud, einen Medienserver oder verschiedene Netzwerkdienste. SATA, PCIe, zwei 2,5-GbE-Anschlüsse und die x86-Architektur eröffnen zahlreiche Möglichkeiten. Gleichzeitig senkt ZimaOS die Einstiegshürde.
Besonders die automatische Sicherung und Verwaltung von Smartphone-Fotos ist ein sinnvoller Anwendungsfall. Mit der neuen Fotoverwaltung wird das System auch für Familien interessant, die ihre Bilder nicht ausschließlich bei einem Cloud-Anbieter speichern möchten. Ob die Software im Alltag mit etablierten Fotoverwaltungen mithalten kann, muss sich allerdings noch zeigen.
Beim Preis-Leistungs-Verhältnis schneidet das Board weniger eindeutig ab. Die 8-GByte-Version kostet bei Amazon rund 319 Euro, das Modell mit 16 GByte etwa 423 Euro. Für die Mini-NAS-Kits werden mindestens 396 bzw. 496 Euro fällig, jeweils ohne Festplatten. Damit bewegt sich das Zimaboard 2 bereits in einem Preisbereich, in dem auch fertige NAS-Leergehäuse und leistungsfähige Mini-PCs erhältlich sind.
Wer lediglich Familienfotos und Dokumente zentral speichern möchte, fährt mit einem klassischen NAS meist günstiger oder zumindest komfortabler. Den höheren Aufwand und Preis rechtfertigt das Zimaboard 2 vor allem dann, wenn Anwender seine Erweiterbarkeit und die Möglichkeit nutzen, verschiedene Server-Dienste auf einem Gerät zu betreiben.
Für Bastelfreunde, die ihre eigene IT-Umgebung aufbauen und weiterentwickeln möchten, ist das Zimaboard 2 deshalb eine interessante Plattform. Als reiner Netzwerkspeicher ist es dagegen vergleichsweise teuer.
Hersteller: IceWhale Technology (ZimaSpace)
Nr. 391 Guiping Road, Xuhui District, Shanghai, China
E-Mail: business@icewhale.org
Web: www.zimaspace.com
Direkter Link zum Produkt: Zimaboard 2
Preis (brutto): Zimaboard 2 832 (8 GByte) ca. 319 Euro, Zimaboard 2 1.664 (16 GByte) ca. 423 Euro;
Mini-NAS-Kits ab 496 bzw. 496 Euro, jeweils ohne Festplatten; separate 2-Bay-Festplattenhalterung ca. 50 Euro
Technische Details:
Intel N150 mit vier Prozessorkernen und bis zu 3,6 GHz
Zwei Modellvarianten: 8 GByte LPDDR5-RAM und 32 GByte eMMC bzw. 16 GByte LPDDR5-RAM und 64 GByte eMMC
Arbeitsspeicher und eMMC fest verbaut, nicht erweiterbar
Zwei SATA-III-Anschlüsse (6 Gbit/s) für HDDs oder SSDs
PCIe 3.0 x4 für zusätzliche Erweiterungskarten
Zwei 2,5-GbE-Netzwerkanschlüsse
Zwei USB-3.1-Anschlüsse und Mini-DisplayPort 1.4
Passiv gekühltes Aluminiumgehäuse, zusätzlicher Lüfter im Lieferumfang
Abmessungen: 140 × 83 × 31 mm
60-Watt-Netzteil und SATA-Y-Kabel im Basispaket
ZimaOS vorinstalliert, mit Weboberfläche und Docker-App-Store
Unterstützung alternativer x86-Betriebssysteme und Virtualisierung
Dateifreigaben über SMB, Speicherverbünde mit RAID-Unterstützung
Smartphone-Fotobackup über ZimaClient für Android und iOS
Fotoverwaltung über ZimaOS Photos oder Immich
Medienstreaming über Jellyfin oder Plex
Festplatten und Laufwerkshalterung nicht im Basispaket enthalten