Moody’s: Rechenzentren erhöhen Druck auf Europas Stromnetze

Moody’s: Rechenzentren erhöhen Druck auf Europas StromnetzeDer steigende Strombedarf von Rechenzentren zwingt Europa zu milliardenschweren Investitionen in seine Stromnetze. Laut Moody’s könnten die Kosten dafür auch Unternehmen und Privathaushalte treffen. In Irland dürften Rechenzentren bis 2035 rund 30 Prozent des Stroms verbrauchen, in den Niederlanden 17 Prozent.

Rechenzentren brauchen in Europa immer mehr Strom. Nach einer Prognose der Ratingagentur Moody’s könnte ihr Anteil am Stromverbrauch bis 2035 in Irland auf 30 Prozent und in den Niederlanden auf 17 Prozent steigen. Für Frankreich und Großbritannien werden mindestens 5,7 Prozent erwartet. In vielen großen europäischen Märkten lag der Anteil 2025 noch bei etwa 2,5 Prozent.

In Irland entfielen 2025 bereits 23 Prozent des Stromverbrauchs auf Rechenzentren. Zehn Jahre zuvor waren es fünf Prozent. Der steigende Bedarf ist vor allem für die Stromnetze ein Problem. Neue Leitungen, Umspannwerke und zusätzliche Erzeugungskapazitäten kosten Geld und brauchen Zeit.

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Wer bezahlt den Netzausbau?

Laut Moody’s finanzieren Rechenzentrumsbetreiber häufig ihren direkten Netzanschluss, aber nicht sämtliche dafür nötigen Erweiterungen des übergeordneten Stromnetzes. Diese Kosten können über Netzentgelte auch andere Unternehmen und Haushalte treffen. Zugleich müssen Netzbetreiber oft investieren, bevor sie ihre Ausgaben über regulierte Entgelte wieder einnehmen können.

Moody’s hält deshalb weitere staatliche Eingriffe für möglich. Diskutiert werden unter anderem Preisgrenzen, zusätzliche Abgaben und strengere Bedingungen für neue Netzanschlüsse. In Irland gelten bereits besondere Regeln: Bei neuen Anschlüssen ab zehn Megavoltampere müssen Betreiber entsprechende Stromerzeugungs- oder Speicherkapazitäten vor Ort oder in der Nähe bereitstellen. Mindestens 80 Prozent ihres jährlichen Strombedarfs müssen sie zudem mit zusätzlichen erneuerbaren Energieprojekten in Irland decken.

Wie The Register berichtet, verlangen Netzbetreiber zunehmend finanzielle Garantien für neue Anschlüsse. So wollen sie vermeiden, dass geplante Rechenzentren Netzkapazität blockieren, obwohl sie später gar nicht gebaut werden. Auch in Großbritannien wird über solche Sicherheiten diskutiert.

In den USA fließt bereits viel Geld in den Netzausbau. Das Energieministerium kündigte im September Projekte im Umfang von 5,25 Milliarden US-Dollar an, darunter 1,9 Milliarden Dollar Bundesmittel. Insgesamt 31 Vorhaben in 26 Bundesstaaten sollen durch modernisierte Leitungen und neue Netztechnik mehr als 23 Gigawatt zusätzliche Übertragungskapazität erschließen. Das Programm dient der gesamten Stromversorgung, nicht allein Rechenzentren.

Für neue Rechenzentren wird damit nicht nur die verfügbare IT-Fläche wichtig. Entscheidend sind zunehmend der Netzanschluss, der Zeitpunkt der Stromversorgung und die Kosten für zusätzliche Energieanlagen. Die EU will ihre Rechenzentrumskapazität innerhalb von fünf bis sieben Jahren mehr als verdreifachen. Ob dafür rechtzeitig genug Strom und Netzkapazität verfügbar sind, bleibt offen.

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