08.07.2016 (Ariane Rüdiger)
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AWS-Summit: Neue Funktionen – ohne neue Standortversprechen

  • Inhalt dieses Artikels
  • Sicherheits-Funktionen zu oft nicht genutzt
  • Konventionelle und neue IT benötigen separate Strukturen

Europäische Kunden können jetzt auch auf EFS (Elastic File System) von Amazon Web Services zugreifen. Außerdem gab es auf dem AWS Summit in Frankfurt eine Reihe neuer Dienste rund um Sicherheit und einen größeren Service. Der Hyperscale-Cloud-Anbieter vervollständigt zwar sein Storage-Portfolio, neue Standorte in Deutschland wurden aber nicht versprochen.

Auf dem AWS Summit stellte der Cloud-Provider über 700 neue AWS-Funktionen vor (Foto: Ariane Rüdiger/speicherguide.de)..Auf dem AWS Summit stellte der Cloud-Provider über 700 neue AWS-Funktionen vor (Foto: Ariane Rüdiger/speicherguide.de)..Auf seiner Frankfurter Tagung AWS Summit am 30. Juni hatte der Hyperscale-Cloud-Anbieter nicht nur reichlich Marketingsprüche parat, sondern auch News im Gepäck. So können europäische Unternehmen nun in der Verfügbarkeitszone Irland den EFS-Service nutzen (Elastic File System), der europäische Kunden rund 33 US-Cent pro GByte und Monat kosten wird. »Damit vervollständigen wir unser Speicherportfolio in der europäischen Region«, erklärte Philipp Behre, Enterprise Solutions Architect bei Amazon Web Services. 2015 habe man 722 neue AWS-Funktionen eingerichtet, und die Innovationsgeschwindigkeit werde weiter gesteigert. Wichtige Anwendungen, bei denen EFS eine Rolle spielen könnte, sind Big-Data-Analytics, die Abwicklung von Media-Workflows, Web-Serving, Content-Management oder Home-Directorys. Die virtuellen PCs greifen dabei auf EFS-Speicher ausschließlich in ihren Verfügbarkeitszonen zu. Freilich wird das manchen deutschen Administrator nicht vollständig zufrieden stellen, denn Daten sollen häufig die Landesgrenzen gar nicht verlassen. Da hilft auch Irland nicht weiter, doch für Frankfurt gab es bisher keine definitiven Zusagen.

Weiter steht den Frankfurter Nutzern nun mit X1 32xLarge eine neue Server-Größe mit zwei TByte Speicher zur Verfügung. Sie läuft auf 128 virtuellen Rechenkernen, die in vier Intel-Xeon E7-Prozessoren stecken. Angebunden an Amazons Block-Speichersystem EBS (Elastic Block Store) sind sie über 10 Gbit/s dedizierte Bandbreite. Anwender können zukünftig auch den Elastic-Network-Adapter nutzen, AWS` nächste Anbindungsgeneration. Damit sind es bis zu 20 Gbit/s. »Die neue Schnittstelle wird schon bald für immer mehr Amazon-Services verwendet werden«, sagte Behre. Wichtigstes Anwendungsfeld auch hier: Big-Data-Verarbeitung, In-Memory-Datenbanken wie SAP Hana, wobei X1 bereits für diverse SAP-Business-Lösungen zertifiziert ist.

Konzipiert ist Amazon EFS unter anderem für Big-Data-Analytics, die Abwicklung von Media-Workflows, Web-Serving und Content-Management (Grafik: AWS).Konzipiert ist Amazon EFS unter anderem für Big-Data-Analytics, die Abwicklung von Media-Workflows, Web-Serving und Content-Management (Grafik: AWS).Mehr Sicherheit, beispielsweise beim regelkonformen Datenzugriff, sollen drei neue Services bringen: Amazon Inspector, eine automatisierte, regelbasierende Sicherheits- und Compliance-Bewertung mit priorisierten Empfehlungen für die Schwachstellenbehebung, AWS Config Rules, ein Service, mit dem sich fehlerhafte Konfigurationen, etwa durch Anwender, automatisch rückgängig machen lassen, und AWS Web Application Firewalls zum Schutz von Applikationen vor Angriffen aus dem Internet.

Weitere Neuerungen betreffen die Migration von Daten und Anwendungen in die Cloud. Hier gibt es nun einen verbesserten Migrationsservice, der Migrationen auch zwischen unterschiedlichen Plattformen vereinfacht. Application Discovery wird meist in Zusammenarbeit mit AWS-Partnern eingesetzt und analysiert die Infrastrukturen migrationswilliger Firmen in Hinblick auf Abhängigkeiten der Anwendungen untereinander. Das soll helfen, den Migrationsprozess zu planen.

Sicherheits-Funktionen zu oft nicht genutzt

Im Übrigen scheint das Thema Sicherheit inzwischen den IT-Abteilungen nicht mehr allzu viel Angst einzujagen. Die europäische Datenschutzvereinbarung, die Amazon anbietet, zusammen mit den diversen Sicherheitsfunktionen wie ständige Datenverschlüsselung mit diversen Wahlmöglichkeiten für das Schlüsselmanagement, beruhigen offensichtlich viele Gemüter. Man müsse die gebotenen Funktionen nur nutzen –wer dies versäume, sei selbst schuld, war ein gern wiederholtes Argument während der Diskussionen am Rande der Veranstaltung.

Der größte Wunsch der in Frankfurt gehosteten Unternehmen, nämlich ein dritter Standort in dieser Region, um auch wirklich höchste Verfügbarkeitsanforderungen sicher befriedigen zu können, wurde noch nicht erfüllt. Das Management sagte aber wiederholt zu, man habe ein offenes Ohr für die Wünsche der Kunden, was durchaus so gedeutet werden kann, dass deutsche Amazon-Kunden nicht mehr lange auf dieses Angebot warten müssen.

Konventionelle und neue IT benötigen separate Strukturen

Neben den Neuerungen gab es zahlreiche Vorträge, davon viele von hiesigen Großunternehmen, die statt Datenverluste zu fürchten, langsam wohl eher neue Geschäftsmöglichkeiten mit Cloud-Services wittern. Präsent waren SAP, Continental, DB Regio, die Fernbus-Tochter der Deutschen Bahn, und RWE, um nur ein paar zu nennen.

In einem abschließenden Vortrag beschwor Rakesh L. Kumar, Managing Vice President des Marktforschungsunternehmens Gartner, eine bimodale Infrastruktur mit hergebrachten, hochzuverlässigen, langsamen Teilen auf konventioneller Technik und schnellen, agilen, aber weniger zuverlässigen Systemen auf PaaS/IaaS zu nutzen. Er gab sich überzeugt: »Wer versucht, die bimodale Infrastruktur auf alter Technologie aufzubauen, wird scheitern.« Beides – die konventionelle und die neue, schnelle IT benötige eine separate Infrastruktur. Die neuen IT-Teile selbst einzurichten lohne sich meist nicht – ein Wink mit dem Zaunpfahl an Firmen, sich schnellstens in die Cloud zu begeben.



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