02.04.2019 (kfr)
4.5 von 5, (6 Bewertungen)

Software-definierte Infrastrukturen als Digitalisierungs-Basis

  • Inhalt dieses Artikels
  • Software-definierte Infrastrukturen als Digitalisierungs-Basis
  • Kann Blockchain ein Ansatz für den Mittelstand sein?
  • Digitalisierung: Wo steht der Mittelstand?
  • Gebhardt: »Storage ist noch zu statisch«
  • Wie profitieren KMUs von Software-defined Storage?
  • Was spricht für Suse Entperprise Storage?

Der Druck nimmt zu: Sich verändernde Geschäftsfelder verlangen immer schneller neue Innovationen. Hier ist die IT gefragt, die flexibel, agil und »unbegrenzt« liefern soll. Wir sprachen mit Achim Gebhardt, EMEA Director Storage bei Suse, darüber, warum Software-definierte Infrastrukturen speziell für den Mittelstand eine sinnvolle Basis für Digitalisierungsprojekte sind.

  Mit welchen IT-Herausforderungen sieht sich der Mittelstand aktuell konfrontiert?

Achim Gebhardt, Suse: »Storage ist der letzte statische Block«Achim Gebhardt, Suse: »Storage ist der letzte statische Block«Gebhardt: Ich möchte zuerst eine Lanze für den Mittelstand brechen. Wir haben ganz viele Weltmarktführer, auf die wir sehr stolz sein können. Leider nennen wir sie »Hidden Champions«. Während die Amerikaner sehr laut sind, mit ihren Startups, sind wir zu leise, obwohl der Mittelstand sehr innovativ ist.

Wobei der Innovationsdruck eine der Hauptanforderungen ist, auch mit der Internationalisierung gilt es klar zu kommen. Die KFZ-Industrie mit beispielsweise vielen mittelständischen Zulieferfirmen, muss auf sich verändernde Geschäftsfelder reagieren. Elektroauto, autonomes Fahren oder Schlagwörter wie »Alternative Mobilität« zwingen Unternehmen dazu, sich neu aufzustellen und die Geschäftsmodelle anzupassen.

Ein weiteres Beispiel ist die Energiewende: Die großen Energiekonzerne sind mittlerweile aufgeteilt, das ganze Segment befindet sich im Wandel. Einer unserer Kunden stellt zum Beispiel Energiesäulen auf – ein klassisches IoT-Device. Es stellt einen Service bereit und eventuell rechnet das Auto künftig direkt mit der Ladesäule ab, aus heutiger Sicht ein komplett neues Geschäftsfeld.

Anzeige

Ein weitaus größeres Thema ist aber der demografische Wandel: Wir müssen mit immer weniger Ressourcen eine immer höhere Produktivität erreichen. Weil uns schlichtweg die Fachleute fehlen. Dafür benötigen Firmen eine Antwort und die IT kann hier natürlich helfen.

Zudem müssen wir uns heute mit ganz anderen zeitlichen Vorgaben auseinandersetzen. Es gilt immer kürzere Entwicklungszeiten zu erreichen, weil sich der Markt immer schneller dreht. Das Thema Mobilität ist hier ein beschleunigender Faktor mit einem großen Einfluss, auf den sich Firmen vorbereiten müssen.

  Das Thema Zeit wird zwar thematisiert aber so richtig umgesetzt, wird es in den Firmen noch nicht, oder trügt dieser Eindruck?

Gebhardt: Das trügt nicht. Bei den Banken kann man gut beobachten, was das bedeutet. Die ING-DiBa ist ein prominentes Beispiel: Die haben vor zirka einem Jahrzehnt damit angefangen, das Bankgeschäft zu vereinfachen und alle Produkte zum Online-Konsummieren aufgesetzt. Heute gehören sie mit zu den Großen und sind einer der Wenigen, die nicht zum Verkauf stehen oder zu einem Zusammenschluss. Das – zwar eingeschränkte – Produktportfolio ist gut im Markt positioniert.

So sehen wir einige kleine Fintech-Firmen, die ihren Job wesentlich besser machen, als die Großen. Hier gilt es auf den sogenannten »Tipping-Point« zu achten, denn irgendwann ist das angestammte Geschäft weg. Die Zeit spielt hier eine große Rolle.

Kann Blockchain ein Ansatz für den Mittelstand sein?

  Mittelständler sind zwar flexibler als Großunternehmen, es scheint ihnen aber schwerzufallen, einen Ansatz zu finden?

Gebhardt: Die Frage, die sich Unternehmen stellen ist, kommt die Innovation aus der eigenen IT aus eigener Kraft oder lagere ich etwas aus, zum Beispiel in ein Startup. Die Geschäftsleitung oder Familienunternehmen müssen sich entscheiden, wie offen sie sein wollen.

Beispiel Blockchain: Eine Technologie, die man heute mit relativ einfachen Mitteln ausprobieren kann. Zum Erfahrungen sammeln eignet sich unter anderem die Zugangskontrolle. Blockchain ist als Vertrauensplattform zu sehen, für die Interaktion mit Mitarbeitern oder Dritten. Mit einer Blockchain-Technik lassen sich die nötigen Informationen sicher ablegen. Vertriebspartner bieten mit uns zusammen beispielsweise entsprechende Lösungen an.

  Wird Blockchain momentan noch zu sehr im Finanzbereich gesehen?

Gebhardt: Ja, das ist durchaus noch so. Blockchain ist eine »Trust«-Technologie, die Vertrauen in die Geschäfte schaffen sollen. Heute nutzen wir Mittelsmänner, wie Banken, die dafür geradestehen, dass Geschäfte vernünftig abgewickelt werden. Mit Blockchain haben wir eine Technologie, die exakt dieses Thema übernehmen kann, nämlich die Vertrauensbildung zwischen dem Käufer und Verkäufer, B2B wie B2C. Die Nachweisbarkeit einer Transaktion ist letztendlich das worum es geht.

Die Entsorgung von hochgiftigem Sondermüll, ist ein Beispiel: Es gibt spezielle Deponien, die wiederum nur eine bestimmte Menge abnehmen kann, für den Transport werden bestimmte LKWs benötigt mit speziell ausgebildeten Fahrern und zum Teil dürfen nur bestimmte Industrien dieses Material überhaupt abgeben. Wenn wir dies digitalisieren, reduzieren wir den Aufwand von Wochen auf Stunden. Normalerweise geht so ein Prozess, von der Anfrage bis zur Genehmigung, durch x Hände und dauert eine gefühlte Ewigkeit. Mit einer Blockchain lässt sich das relativ einfach abbilden, mit einer vertrauensvollen Datenbasis, die nicht manipulierbar ist.

Digitalisierung: Wo steht der Mittelstand?

  Wie steht aus Ihrer Sicht der Mittelstand bei der digitalen Transformation?

Gebhardt: Es gibt Einzelunternehmen, die sind bereits sehr weit, auch die Landwirtschaft ist ein gutes Beispiel für die Digitalisierung. Ein Hersteller von Traktoren oder landwirtschaftlichen Geräten unterscheidet sich heute vor allem darin, was er IT-mäßig auf seinen Maschinen abbilden kann. Insgesamt würde ich aber sagen, der Mittelstand ist noch zu zaghaft in der Umsetzung der Digitalisierung.

  Aus Ihrer Sicht ist Software-defined Storage (SDS) dabei natürlich eine große Hilfe, warum?

Gebhardt: Traditionelle Software und Strukturen sind relativ undynamisch. Da gibt es hin und wieder Änderungen, das ist aber alles lange planbar und bedarf keiner Ad-hoc-Entscheidung. Die Digitalisierung, mit, zum Beispiel Containern, ist das genaue Gegenteil. Die Idee dahinter ist eine permanente Dynamik.

Eine moderne Firma hat permanente Deployments und stellt beispielsweise seinen Kunden regelmäßig und unkompliziert Neuerungen bereit. Dies wird über eine Container-Technologie gelöst und setzt eine dynamische, flexible Infrastruktur voraus, mit einer hohen Verfügbarkeit. Die Basis dahinter ist in der Regel eine Virtualisierung.

Die Zukunft von Enterprise-Storage ist Software-definiert (Grafik: Suse)Die Zukunft von Enterprise-Storage ist Software-definiert (Quelle: Suse)

Gebhardt: »Storage ist noch zu statisch«

  Inwieweit betrifft das den Storage-Bereich?

Gebhardt: Storage ist quasi der letzte statische Block, den es zu dynamisieren gilt. Mit unserem Software-defined-Storage-Ansatz bilden wir ein Speichersystem ab, auf sogenannter Commodity-Hardware. Von uns erhalten die Kunden eigentlich ein Storage-defined Datacenter, von der virtuellen Instanz bis zum Storage ist alles virtualisiert. Dies ermöglicht traditionelle Instanzen weiter zu betreiben, wie SAP oder Datenbanken. Der De-facto-Standard dafür ist Vmware.

Auf der gleichen Plattform läuft aber auch die neue Welt. Unternehmen müssen nur einmal den Übergang in die Software-definierte Infrastruktur schaffen, dann kann er bei allem was auch immer passiert, schnell reagieren und erhält damit mehr Agilität und Geschwindigkeit. Das bildet später die Basis für künftige IoT-Projekte, künstliche Intelligenz (KI) oder Big-Data.

Das heißt nicht, es muss alles auf einmal passieren. Hier gilt es, ein Konzept zu erarbeiten und festzulegen, womit könnte man einsteigen, was wäre der erste Ansatz für Digitalisierung. Für einen maschinengetriebenen Mittelständler könnte beispielsweise Predictive-Maintenance ein sinnvoller Ansatz sein. Das heißt, man digitalisiert seine Maschinen, die irgendwo auf der Welt installiert sind. Die Verfahren dazu sind relativ einfach. Maschinen, die bisher nicht digitalisiert sind, lassen sich unter anderem mit einem Raspberry Pi und SUSE-Software ins digitale Zeitalter bringen. Daraus ergeben sich Daten (Big Data), die sich für eine Analyse nutzen lassen. Und da kommen wir mit der Storage-Infrastruktur ins Spiel, damit die Daten, in beliebiger Menge, abgelegt werden können. Damit lässt sich eine Maschine auswerten und beurteilen, um daraus wiederum geschäftliche Aktionen anzustoßen.

Das benötigt eine gewisse Dynamik, denn es kann sich um wenige aber große Datenpakete handeln oder um eine große Anzahl an kleine Informationen. Die Spanne reicht von großen bildgebenden Daten bis hin zu kleinen Messwerten, die beispielsweise nur eine Vibration messen. Da man das im Vorfeld nur schwer abschätzen kann bzw. in der Praxis unterschiedliche Fälle zu verarbeiten hat, muss die Infrastruktur dahinter die nötige Flexibilität aufweisen, um bedarfsgerecht reagieren zu können.

Wie profitieren KMUs von Software-defined Storage?

  Wie unterstützt SDS vor allem mittelständische Unternehmen?

Gebhardt: Vor allem durch die Architektur. SDS löst Probleme auf lange Sicht. Hier unterscheiden wir uns zu einem traditionellen System, welches meist aus einem monolithischen Storage-Block besteht, der in begrenztem Umfang erweiterbar ist – mit dem vom Hersteller zur Verfügung gestellten Erweiterungen. Je nach Abschreibungsverfahren hat dieses System eine Lebensdauer von vier bis sieben Jahren und endet mit einer Migration in ein neues System. Wenn wir aber, in Bezug auf das Datenwachstum, eine unvorhersehbare Zukunft haben, tun sich Firmen schwer flexibel zu sein, wenn sie die Grenzen ihres Systems erreichen.

Mit einer Software-definierten Infrastruktur obliegt es dem IT-Verantwortlichen, welche Art von System er für seinen Storage zur Verfügung stellt. Das können bei einer Laufzeit von vier Jahren auch mehrere Generationen sein, denn er kann die Weiterentwicklung von Kapazität und Rechenleistung voll ausschöpfen und immer mit den modernsten Systemen am Markt erweitern. Dadurch entfällt auch eine Migration, weil der Kunde »rollend« ständig neue Server etablieren kann. Die alten Geräte lassen sich nach Bedarf abschalten und das System balanciert sich von selbst aus. Die Laufzeit kann fast endlos sein. Das vereinfacht den Betrieb erheblich, denn bei einer Migration sprechen wir heute von PBytes an Daten. Nicht außeracht lassen darf man auch den damit verbundenen Aufwand, denn die Migration muss vorbereitet und überwacht werden und kostet letztendlich viel Zeit und Ressourcen.

  In wie weit ist Sicherheit hier ein Aspekt?

Gebhardt: Ein sehr großer. Bei Suse reden wir über eine Open-Source-Software, in der es definitiv keine Backdoors gibt. Jeder kann sich den Code anschauen. Es gibt an keiner Stelle eine Intransparenz. Unser Mantra lautet Open Open-Source, alles was wir entwickeln ist am Ende auch Open-Source.

Was spricht für Suse Entperprise Storage?

  Wie begegnen Sie Argumenten wie, »lieber alles aus einer Hand kaufen, damit man bei Bedarf einen verantwortlichen Ansprechpartner hat«?

Gebhardt: Das ist ein valides Argument, aber wenn der Kunde möchte, kann er auch bei uns und unseren Hardware-Partnern, aus einer Hand kaufen. Damit hat der Kunde ebenfalls nur einen Verantwortlichen.

  Worin unterscheidet sich Suse von anderen SDS-Lösungen?

Gebhardt: Erstes Unterscheidungsmerkmal ist auch hier wieder unser Open-Source-Ansatz. Mit Open-Source kommt der fehlende Vendor-Lock-in. Wenn jemand nicht zufrieden ist, könnte er sich beispielsweise eine andere Ceph-Variante suchen. Wir liefern letztendlich Service, Consulting und Dienstleistungen rund um Ceph. Auch ist die Innovationskraft, die Open-Source mitbringt, um ein Vielfaches höher. Das heißt, die Geschwindigkeit mit der wir neue Funktionen und Erweiterungen in der Open-Source-Community generieren können ist massiv.

Open-Source ist das Unterscheidungsmerkmal zu anderen SDS-Lösungen (Grafik: Suse)Open-Source ist das Unterscheidungsmerkmal zu anderen SDS-Lösungen (Grafik: Suse)

  Welchen Ausblick können Sie uns geben?

Gebhardt: Wir arbeiten derzeit an unserem Release 6.0. Zu den neuen Funktionen gehört unter anderem das reibungslose Verschieben zwischen on- und off-premise. IT-Manager können damit Daten nach Bedarf zwischen einem Cloud- oder lokalem Speicher hin und her verschieben. Aus unserer Sicht ein wichtiges Feature, vor allem in Hinblick auf die Digitalisierung.

Wir starten zum zweiten Quartal mit der Beta-Phase. Das fertige Release erscheint im Sommer. Bis dahin testen und härten wir die Open-Source-Lösung so, dass man sie im Enterprise-Umfeld bedenkenlos einsetzen kann.

Release 6.0 befindet sich aktuell in der Beta-Phase und soll im Sommer auf den Markt kommen (Grafik: Suse)Release 6.0 befindet sich aktuell in der Beta-Phase und soll im Sommer auf den Markt kommen (Grafik: Suse)

.