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01.10.2011 (Hubert Speicherwischer)
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Die Daten, die ich rief, werd ich nicht mehr los

In Deutschland gibt es bekanntermaßen diverse Projekte, größtenteils mit Staatsgeldern gesponsert, die sich mit Langzeitarchivierung und der Langzeitdatenspeicherung befassen. nestor dürfte hier das bekannteste sein. Wir supergründlichen Deutschen betrachten es allumfassend aus technologischer und datenschutzrechtlicher Sicht. Formatfragen sind da ganz wichtig. Gibt es ein JPG in zehn oder zwanzig Jahren überhaupt noch? Gibt es dann noch ein Programm, das ein DOC-File lesen kann? Tja, so was bewegt uns in Deutschland. Schon seit Jahren.

Und was macht Amerika? Die kümmern sich um so was überhaupt nicht. Die haben ja neuerdings Facebook, das sich der Sache annimmt. Die sagen zu ihren Benutzern: Stellt alles rein, und damit habt ihr euer Lebensarchiv. Jeder darf wissen, dass ich gestern joggen war. Und natürlich wo. Welche Musik habe ich vor drei Jahren, vier Monaten und sechs Tagen gehört? Jeder darf’s wissen. Fotos und Videos mit genauen Zeit- und Ortsangaben, wo jemand war – Facebook sorgt sich jetzt drum, und speichert alles.

Facebook trackt jetzt auch die Orte, von wo ein Beitrag gepostet wurde (ausschaltbar, aber per default eingeschaltet)
Facebook trackt jetzt auch die Orte, von wo ein Beitrag gepostet wurde (ausschaltbar, aber per default eingeschaltet)
Alles schön geordnet in »Timeline«, so heißt die neue Funktion. Profil, persönliche Fotos, Einträge, Kommentare und alles, was über jemanden veröffentlicht wurde – in Timeline in chronologischer, anklickbarer Reihenfolge schmackhaft präsentiert.

Rik Ferguson, Director Security Research & Communication EMEA bei Trend Micro, meint sogar, dass viel mehr Skepsis der »Ticker«, also die neue scroll-fähige Ansicht der Updates in der rechten oberen Ecke einer Facebook-Seite, wecken sollte. Hier werden alle (!) Aktivitäten eines Nutzers für alle (!) Freunde in Echtzeit sichtbar angezeigt, einschließlich Anmeldungen, Interaktionen mit Leuten und Gruppen, die nicht alle Freunde kennen. »Das öffnet Tür und Tor für Stalker!«, schmipft Ferguson. Denn nun kann jemand nicht nur verfolgen, was der Nutzer auf Facebook mit Leuten tut, die er/sie kennt, sondern auch des Nutzers Kommentare, Einträge oder »Likes« (»Gefällt mir«) an Leute, die er nicht kennt, werden sichtbar.

Ich stelle mir gerade vor, dass Eltern, die sich verständlicherweise über die Geburt eines Kindes freuen, Bilder des Nachkömmlings reinstellen. Und nicht nur im Überschwang der erfolgreichen Geburt, sondern gleich noch das Fotoalbum über die weitere Entwicklung des jungen Sprösslings nachliefern. Und natürlich Videos mit den ersten Gehversuchen etc. etc. etc. Was ist aber, wenn das Kind dann mal Jungendlicher geworden ist, und entdeckt, dass sein ganzes bisheriges Leben im Internet abrufbar ist?

Erinnert mit irgendwie an den 1998er Film »Die Truman Show« mit Jim Carrey. Es ist eine rabenschwarze Satire auf die von Medien geprägte Welt. Die zentrale Figur des Films ist der Versicherungsangestellte Truman Burbank, der – ohne davon zu wissen – der Hauptdarsteller einer Fernsehserie ist, die sich zum Ziel gesetzt hat, das Leben eines Menschen von Geburt an zu dokumentieren und live im Fernsehen zu präsentieren. Der Produzent der fiktiven Serie hat Truman als Baby von seiner Firma adoptieren lassen. Nun wächst Truman auf, umgeben von Schauspielern, täglich beobachtet von über 5.000 Kameras. Finanziert wird die Truman Show, die 24 Stunden täglich live übertragen wird, hauptsächlich durch Product-Placement.

Wohlgemerkt, ein fiktiver Hollywood-Streifen. Aber die neuen Facebook-Funktionen kommen dem schon ziemlich nahe. Denn bei Social-Media lässt sich nun nicht mehr von einem Kanal sprechen, bei dem der Nutzer das klassische Sender-Empfänger-Modell beherrscht. »Das ist irreführend. Kanal hat etwas mit kanalisieren zu tun. Social-Media-Plattformen sind etwas völlig anderes. Bei einem Kanal kann ich die Schleuse auf oder zu machen. In sozialen Netzwerken ist das nicht möglich«, meint der Call-Center-Experte und authensis-Vorstand Klaus-J. Zschaage. So sehr die Macht des Kunden im Netz wächst, so problematisch ist das Verhältnis der Social-Web-Anbieter im Umgang mit seinen Nutzern.

Wir seien eben nicht die Kunden von Google, Facebook und Co., moniert der Datenschutz-Experte Jon Callas in einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung »Die Zeit«. Wir würden nicht für ihre Dienste bezahlen. Vielmehr seien Unternehmen die Kunden, die Anzeigen in ihren Diensten schalten. »Diese Unternehmen kaufen: uns – unser Hinschauen, unsere Aufmerksamkeit. Wir sind das Produkt«, betont Callas.

Klingt fast schon wie Truman in dem Hollywood-Film. Als Nutzer wird man bei Laune gehalten, sodass wir bisweilen dem Glauben anheimfallen, wir seien tatsächlich Kunden. »Wer allerdings mit der Löschung seiner virtuellen Existenz bedroht wird«, sagt Callas, »dem Zwang zur Verwendung seines wirklichen Namens unterliegt oder genau wissen möchte, was mit den eigenen Daten geschieht, bekommt sehr schnell mit, dass die Internet-Giganten uns nicht als Kunden betrachten.«

Aber was passiert dann mit den Daten wirklich? Der Wiener Jurastudent Max Schrems machte die Probe aufs Exempel – mit einem erschütternden Ergebnis: Auch wer seine Profile löscht – Facebook löscht auf ihren Servern noch lange nicht. Es sieht sogar vielmehr so aus, dass Facebook bislang überhaupt nichts löscht. Also wenn Sie Ihr Profil bei Facebook löschen wollen, und die Social-Website sogar dreimal nachfragt, ob man wirklich alles löschen wolle – auf den Facebook-Speichern ist weiterhin alles vorhanden. (Die Story von Schrems wird gerade in den europäischen Medien durchdekliniert. Hier nur ein Beispiel.)

Studenten rund um Schrems haben nun die Initiative www.europe-v-facebook.org ins Leben gerufen. Denn die Social-Website betrachtet die Nutzerdaten »als geistiges Eigentum von Facebook« – der Fluch des kostenlosen. Die Daten, die ich rief, werd ich nicht mehr los.

Wenn Sie Daten von Ihrer Festplatte löschen wollen, dafür gibt es Tools, die wirklich nichts mehr zurücklassen. Aber Daten in der Cloud zu löschen, dafür gibt es noch keine Tools. Da hilft bis jetzt nur blindes Vertrauen – oder blanke Naivität, wer seine Daten einer kostenlosen Cloud überlässt.

. Kommentare (7)
14.11.2011 - ben-schwarz

Denke, ein nützlicher Link für alle, die noch auf Facebook sind, und die mal gehakt wurden oder noch gehäkt werden. Hier gibts eine allfacebook.de/tutorials/facebook-account-gehackt-was-nun">neutrale Hilfestellung, was im Fall der Fälle zu tun ist.

02.11.2011 - ben-schwarz

Ich hab mich entschieden: Ich habe Facebook verlassen.
Zu viele Ungereimtheiten, zu viele "Kreise". Irgendwie wurds undurchsichtig.

Auf jeden Fall habe ich festgestellt: ein Zeitfresser weniger !!!!

19.10.2011 - Godwin

Ob auf irgendeinem FB-System meine gelöschten Daten noch gespeicherten sind, ist mir sowas von egal.
Man muss sich vorher überlegen, ob man dieses Foto oder diesen Kommentar mit der Öffentlichkeit teilen möchte oder nicht.
Das Argument, ich lösche meinen FB-Account, weil die meine Daten anschauen könnten ist doch ein Schmarrn!
Jeder Admin kann mit einer Fingerübung die Mails seiner User anschauen? Lösche ich deswegen meinen GMX- oder Yahoo-Account? Außerdem haben die sicherlich besseres zu tun.
Viren und Cybergangster lauern überall, da ist FB nur eine weitere Möglichkleit, deswegen ist FB noch lange nicht böse.

FB ist eine Vernetzungsplattform, um mit anderen Usern in Kontakt zu treten bzw. zu bleiben. Das ist nur interessant, wenn man von seinen "Freunden" auch etwas erfährt, sprich Inhalte mit uns teilt.
Das heißt nicht, dass man die ganze Welt zuschauen lassen muss.
Wer mit seinen Freunden nicht online verbunden sein möchte, tut es halt nicht.
Wer mit vielen Leuten in Kontakt steht, für den ist FB sicherlich auch zetiaufwendig. Aber ist es wirklich sinnlos mit seinen Leuten zu chatten oder deren Fotoalbum zu durchstöbern... oder ist es nur eine neue Form der Kommunikation?

18.10.2011 - justbond

Der Vergleich mit dem Film mt Jim Carrey ist wirklich frappierend.
Ich hatte schon fotos von unserem Jüngsten drin.
Hab jetzt alles "gelöscht" (es ist ja wahrscheinlich noch da).
Und von Facebook abemeldet.
Hab für mich und meine Familie entschlossen: Die müssen nicht alles von uns wissen.

11.10.2011 - eh

Jetzt hat Facebook den Salat. Den Hype rund um die Veränderungen wie z.B. "Timeline" nutzen aktuell Malware-Saboteure dazu, Spam-Meldungen via Facebook zu verbreiten. Darin fordern sie die User auf, ihre Accounts zu verifizieren, andernfalls würde ihre Mitgliedschaft deaktiviert. Darauf weist jetzt der Internet-Sicherheitsexperte Bitdefender (www.bitdefender.de) hin. In der Spam-Nachricht verschicken die Cybergangster einen Link, der die User zu einer gefakten „Facebook Security“-Site führt, die sie darauf aufmerksam macht, dass ein Mitglied des Netzwerks sie auf Grund angeblicher Verstöße gemeldet hat.

Damit der Account nicht deaktiviert wird, soll der Nutzer ihn bestätigen. Im ersten Schritt muss er dazu seine Facebook-Anmeldedaten, d.h. E-Mail-Adresse und Passwort, angeben. Danach wird das Mitglied dazu aufgefordert, vertrauliche Kreditkarteninformationen durch Eingabe von Vor- und Nachnamen des Besitzers sowie den ersten sechs Ziffern der Kartennummer preiszugeben. Danach erscheint eine gefälschte Bestätigungsmeldung. Eine weitere Variante dieses Spams fragt statt den Facebook-Zugangsdaten die Informationen zum privaten Webmail-Konto des Users ab, darunter den Serviceanbieter, das entsprechende Passwort sowie das Geburtsdatum des Nutzers.
Und dann viel Spass.... ;-)

02.10.2011 - griemert

"mit der Löschung seiner virtuellen Existenz bedroht" stimmt nicht so ganz. Da irrt Callas. Facebook macht vielmehr Nägel mit Köpfen. Ich war mit einem Nick angemeldet. Vor vier Wochen wurde Account gesperrt, von heute auf morgen. Ich fand einen Link mit dem Hinweis, ich sollte doch bitte einen Scan von meinem Personalausweis einschicken.

Ja, wo kommen wir denn hin? Ich will von Facebook doch nichts kaufen. Es gibt absolut keinen Grund, sich amtlich auszuweisen. Das Vorgehen hat mich extrem verstört. Und da hat Callas wieder Recht: Als Kunde hab ich mich nicht gefühlt.

Und deshalb hat mich Facebook endgültig verloren. Hab mich nicht wieder angemeldet. Und wenn ich jetzt so lese, wie hanebüchen die mit den Daten umgehen, lag ich goldrichtig.

Und ich stelle fest: Ich hab wieder etwas mehr Tagesfreizeit. FB wr nur ein unnötiger Zeitfresser, es kam nichts vernünftiges rüber.

01.10.2011 - ben-schwarz

"der fluch des kostenlosen". Absolut richtig auf den Punkt gebracht !!
wie kann ich jemand verklagen, wenn ich keinen Vertrag mit ihm habe? bzw. sowieso alle Nutzungsbedingungen akzpetiere.

Ihr Schwenk auf Online-Festplatten erschüttert mich persönlich. Habe allerhand Daten bei kostenlosen Diensten wie Dropbox abgelegt. Was ist, wenn die auch wie Facebook auf die Idee kommen, es wären letztendlich ihre Nutzerdaten, und damit ihr geistiges Eigentum? Das ist sicherlich weit hergeholt. Aber ich überlege jetzt ernsthaft, auf einen kostenpflichtigen Dienst zu wechseln. Die paar Euro pro Monat ersparen einen womöglich irgendwann mal vieeeeele Probleme und Kopfzerbrechen.

Danke für den Beitrag. Der hat mich über etliches zum Nachdenken gebracht!



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