18.04.2014 (Doc Storage)
4.2 von 5, (9 Bewertungen)

Wie nutzbringend ist der Umstieg auf 6-TByte-HDDs?

Leserfrage: Ein Umstieg auf 6-TByte-Festlatten würde einen sofortigen, enormen Kapazitätenzuwachs bedeuten. Gibt es bestimmte Kriterien, auf die Nutzer trotzdem achten sollten? Birgt die neue Technologie eventuell versteckte Nachteile und wenn ja, welche?

Antwort Doc Storage:

Die neuen, größeren Festplattenlaufwerke bringen natürlich schlagartig ein besseres Kosten-Kapazitäts-Verhältnis als die älteren 4- oder 2-TByte-Varianten. Rein theoretisch lässt sich der Gesamtspeicherplatz eines herkömmlichen Arrays bei gleichem Platzbedarf und annähernd gleichbleibender Leistungsaufnahme verdreifachen. Die Platten sind laut Hersteller genauso zuverlässig wie die bisherigen Modelle, also ist auch hier kein Nachteil zu erwarten.

Allerdings muss sich der Nutzer im Klaren sein, dass zwar die Kapazität des Mediums selbst enorm zunimmt, die Bandbreite der Schnittstelle allerdings bei SATA bzw. SAS nicht. Beim Wechsel von 2- auf 6-TByte-Festplatten bedeutet das theoretisch die bis zu dreifache Menge an Zugriffen über einen gleichbleibend engen Kanal. Diese Leistungsminderung lässt sich selbst unter Zuhilfenahme noch so ausgeklügelter Cache-Algorithmen nicht verhindern. Dieser Effekt steigert sich noch, wenn nun Speichersysteme mit gleicher Kapazität auf wesentlich weniger Platten aufgebaut werden. Das dürfte in den allermeisten Fällen die schöngerechneten Einsparungen bei Standplatz, Energie und Klima wieder zunichtemachen.

Hinzu kommt ein Effekt, den wir beim Streben nach immer höheren Kapazitäten gern verdrängen: die meisten RAID-Systeme nutzen paritätsbasierende Schutzmechanismen wie RAID 5, RAID 6 oder Unterarten. Beim Ausfall eines Laufwerkes in der RAID-Gruppe müssen alle weiteren Laufwerke ausgelesen und das Ersatzmedium beschrieben werden. Mit der 1,5- oder gar dreifachen Datenmenge. Über Schnittstellen, die nicht mitgewachsen sind. In der richtigen Welt bedeutet das: nahm die Rekonstruktion einer vollen 1-TByte-Platte noch 16 bis 18 Stunden in Anspruch, so sind dies bei zwei TByte schon 30 bis 34 Stunden. Erste Tests mit 4-TByte-Medien haben Werte zwischen 55 und 61 Stunden ergeben, für 6-TByte-Modelle dürften also mindestens 80 Stunden Geduld erforderlich sein. Zur Erinnerung: das sind über drei Tage, in denen die RAID-Gruppe entweder komplett ungeschützt läuft oder zumindest kein weiterer Ausfall passieren darf.

Daher meine Conclusio: 6-TByte-Festplatten mit Standard-SATA- oder SAS-Schnittstellen sind überall dort gut und schön, wo Massendaten keinen großen Leistungsansprüchen ausgesetzt und keine allzu forschen SLAs angelegt sind. Platten-Backup oder Archiv dürften ideale Umgebungen sein, genauso wie kompakte Heimsysteme mit 2x6 TByte in RAID-1. Wo allerdings Leistung, schnelle Wiederherstellung oder 24x7-Verfügbarkeit bei gleichbleibender Leistung gefordert sind, dürften die neuen Modelle kaum heimisch werden.

Gruß
Doc Storage

Stellen Sie Ihre Frage
Doc. tec. Storage beantwortet alle Ihre technischen Fragen zu Storage, Backup & Co.

Stellen Sie Ihre Frage an: DocStorage@speicherguide.de
Kommentare (1)
18.04.2014 - sauerteig

Wahr Worte gelassen ausgesprochen. Sehr gut dargestellt. Was zu erwähnen bleibt: Ein Plattendefekt ist mit entsprechendem Datenverlust wird auch exponentiell dramatischer. Und bei den genannten Wiederherstellungszeiten gebe ich zu bedenken: Wer ein 2-Bay-NAS im Elektrosupermarkt für 100 Euro kauft und sich dann auf dessen trügerische Sicherheit und Leistung verlässt ist selbst schuld. Profi-NAS kosten das 10-fache und bieten dann auch eine ganz andere Leistung. Denn: If you pay peanuts you get monkeys...


Mehr von Doc. tec. Storage 22.02.2019 Welcher RAID-Level für welche Anwendung?

Gibt es eigentliche eine Faustregel, welches RAID-Level für welche Anwendung am besten geeignet ist? Ich denke da zum Beispiel an Datenbanken mit sehr vielen Zugriffen bei relativ kleinen Datenmengen oder an Webserver und als Extrem auf der anderen Seite Bild-Datenbanken, Audio-Server beim Rundfunk, Video-Archive mit sehr hohen Datenvolumen.


15.02.2019 Was sagt DWPD über SSDs aus?

Im Zusammenhang mit (Enterprise-)SSDs wird oft die Qualitätsgröße DWPD (Drive Writes Per Day) genutzt. Meist wird die Angabe auch für einen Zeitraum von fünf Jahren spezifiziert. Was sagt DWPD genau aus und mit welcher Standard-Lebensdauer darf man rechnen?


08.02.2019 Unterschiede der Performance-States von SSDs

Gängige Meinung: SSDs sind schnell. In der Praxis gibt es aber dann doch einige Unterschiede, so sind vielen die verschiedenen Performance-States von SSDs und Flash-Speichern nicht bekannt: FOB, steady, burst and transition. Was steckt genau dahinter?


01.02.2019 BSI empfiehlt 200-km-Distanz – 200 km ERNSTHAFT!?

Kurz vor Weihnachten veröffentlichte das BSI neue Kriterien für georedundante RZs. Darin wird der bisher empfohlene Mindestabstand von fünf auf 200 Kilometer hochgesetzt. Aus Praxissicht laut Doc Storage »vollkommener Blödsinn«.


31.01.2019 Nervfaktor digitale Transformation – ein Rant

Die digitale Transformation bzw. Digitalisierung verfolgt uns nun schon geraume Zeit. Mit dem Faktor Mensch kommt nun nochmal ein neues Trendthema hinzu. Doc Storage hat hier eine klare Meinung: »alles Blödsinn – es nervt«. Nichts von dem, was heute diskutiert wird, ist neu und Menschen waren schon immer der Kern eines jeden Geschäftsbetriebs – selbst in der IT.


25.01.2019 SSDs: Was ist mit den Schreibzyklen, wenn SSDs fast voll sind?

Moderne SSDs sorgen mit der Wear-Leveling-Funktion automatisch dafür, dass möglichst gleichmäßig über alle Sektoren geschrieben wird. Wie verhält es sich mit den spezifizierten Schreibzyklen, wenn die SSD nahezu voll ist?

powered by
Boston Server & Storage Solutions Datacore Software
Fujitsu Technology Solutions GmbH Unitrends
N-TEC GmbH FAST LTA AG