02.09.2016 (Doc Storage)
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Werden mit Windows beschriebene HDDs in NAS-Systemen erkannt?

Leserfrage: Ich habe mir eine neue ICY-BOX IB-NAS5520 gekauft, meine 2-TByte-Festplatte (ca. zur Hälfte mit Videos und Musik gefüllt) reingesteckt, verschraubt, Netzwerkkabel, Stromkabel und USB-Kabel gesteckt und das Gerät eingeschalten. Und dann im Netzwerk nur einen neuen Eintrag namens »Hotte« gesehen, drauf geklickt, es wird nur ein leerer Ordner angezeigt.

Zuerst habe ich gedacht: Mistgerät, funktioniert nicht. Dann habe ich die Festplatte wieder in meinen PC gesteckt, und mit Grausen festgestellt, dass alle Daten, mühsam über Jahre gesammelt, weg sind. Kann das sein, dass das Gerät ohne mein Zutun einfach die Festplatte formatiert hat? Hierzu findet sich auch kein Hinweis in der Kurzbedienungsanleitung.

Wie komme ich wieder an meine Daten? Ich hoffe ganz arg, Sie können mir irgendwie helfen. Es wäre eine Katastrophe, wenn alles weg wäre.

Antwort Doc Storage:

Leider funktioniert es in den seltensten Fällen, dass Sie eine vorher – wahrscheinlich unter einer Windows-Version – genutzte Festplatte einfach in ein NAS-Gerät, egal welchen Herstellers, einbauen und dann dort mit denselben Daten ohne Änderung weitermachen können. Die meisten NAS-Boxen arbeiten mit Linux-Derivaten und organisieren sich ihre Datenträger etwas, aber doch spürbar anders als Sie das von Ihrem Windows-System her kennen. Das von Ihnen genannte Gerät, die Icy-Box, nutzt beispielsweise exFAT als internes Dateisystem, nicht NTFS, wie Sie es wahrscheinlich in Ihrem System verwendet haben. Das heißt im Gegenschluss, dass das NAS-System die Festplatte selbstverständlich neu organisiert hat, bevor es diese benutzen konnte. Selbst wenn es »nur« die Dateieintragstabellen überschrieben und durch exFAT-kompatible ersetzt haben sollte, sieht die Platte beim Rückbau ins Windows-System wie eine nagelneue aus, die erst einmal partitioniert und formatiert werden muss.

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Mit sehr viel Glück hat das NAS-System nur am Anfang und am Ende der Platte »gewütet«, so dass die dort unter NTFS gespeicherten Informationen mit Spezial-Software noch auslesbar und damit rekonstruierbar wären. Garantieren kann man das allerdings nicht, und dieser Vorgang ist nicht trivial, so dass er von Spezialdienstleistern übernommen werden sollte, damit Ihre Daten nicht endgültig verloren sind.

Es ist ein alter gern genommener Satz der Rechnertechnik: »Sie haben doch sicherlich ein aktuelles Backup«, meist ausgesprochen mit einem leichten Lächeln im Wissen, dass dies natürlich nicht vorhanden ist und falls doch, dann Wochen alt. Eine andere Wahl werden Sie allerdings jetzt nicht haben, es sei denn, sie wollen zigtausende von Euro in eine Datenrettung bei einem einschlägigen Unternehmen investieren.

Mit Linux Daten von einem NAS wiederherstellen

Eine Option hätte ich noch, die hat bei mir auch einmal in einem ähnlichen Fall geholfen: besorgen Sie sich eine kostenlose Linux-Rettungs-DVD, wie sie von vielen Zeitschriften und Herstellern angeboten wird. Verbauen Sie die Platte in Ihren Rechner, starten Sie diesen mit dieser DVD, und erzwingen Sie das Auslesen der Festplatte bzw. der dort vorhandenen Partitionen unter ihrem ursprünglichen Dateisystem, wahrscheinlich NTFS. Sie werden dann auf einige Fehlermeldungen stoßen, aber vielleicht gibt Ihnen das entsprechende Programm die Möglichkeit, die vorhandenen Daten Track für Track auszulesen und in eine neu erstellte Dateieintragstabelle zu übernehmen. Dann könnten Sie den Großteil Ihrer Daten retten – wie gesagt, könnten.Lesen Sie hierzu auch folgenden Beitrag: So geht’s: Gelöschte Daten von einem NAS recovern.

Falls das NAS-System nicht ganze Arbeit geleistet hat und die gesamte Festplatte mit exFAT überschrieben hat. Manche Systeme tun das beim ersten Mal, um zu Anfang fehlerhafte Zylinder zu erkennen und diese dann vom normalen Betrieb auszuschließen.

Was Sie auch tun: ab jetzt ein aktuelles Backup dabeihaben und – viel Glück!

Gruß
Doc Storage

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Kommentare (5)
14.09.2016 - st

12 Tage später, es ist bleibt eine Schlagzeile..

@ Redaktion:

Mein USB Stick sagt, dass er formatiert werden muss obwohl ich wichtige Daten darauf habe, was kann ich tun??? Ich habe natürlich kein Backup weil ich ein Snapshot als Backup hatte aber der funktioniert nicht mehr weil der USB Stick nicht mehr funktioniert... / zu viel Ironie...!

Die Redaktion sollte mal wieder inhaltlich wertvolles berichten und steht eigentlich, nach mehrfachen "Crap Beiträgen" in der Pflicht zu beweisen, dass hier auch noch Niveau ist!

Ich spiele den Ball mal an die Redaktion und freue mich auf die Antwort, aber bitte nicht wieder den DocStorage Roman den man, wenn man wöllte, zum Lifetime Chat machen könnte - danke!

Wir sind doch Storage Jungs und keine Giveaway USB Stick Boys!

03.09.2016 - bernd.schaub

@Diskman, wir werden systematisch dazu erzogen. Der Anwender in dem obigen Fall tut mir leid. Ein Backup hätte er ja erstellen können. Ich kenne dieses NAS/DAS nicht, aber auch der Hersteller hätte Schutzfunktionen einbauen können/müssen. Vermutlich hat der Anwender auch die NAS Funktionen nutzen wollen und so durch die NAS Aktivierung die Platte überschrieben.

Heute muss doch aber jeder aus seiner eigenen Naivität heraus der Masse, einem Star oder einer Ideologie hinterher rennen. Es ist wie mit Windows und naja, dem bekannten Beispiel mit den Fliegen, da ist auch das Tankstellenbeispiel nicht weit. Selbst wahr haben möchte man dies nicht.

Es sind immer naive und stupide Denkweisen, die nicht aus der Sackgasse heraus führen. Man diskutiert diese auch nicht mehr aus. Es gleicht heute vieles regelrecht einer religiösen Umgangsweise. So wie z.B. Hardware nicht ohne Software funktioniert, so benötigt Software auch eine brauchbare Hardware. Ich kann also die Funktion nicht nur auf Bruchteile von Hard- oder Software reduzieren. Macht man dies, dann deckt man in der Funktion nicht mehr alle Bereiche ab oder man ignoriert diese komplett.

02.09.2016 - Diskman

Eben im Radio: Man glaubt gar nicht wie viele Leute an der Tanke das falsche Benzin einfüllen. Daher kann ich mir gut vorstellen, dass unbedarfte User denken, sie können eine Platte einfach in ein NAS stecken. Ist bestimmt wie USB, passt schon.
Nicht verstehen kann ich, wie man sowas ohne Backup machen kann!? Bzw. überhaupt kein Backup pflegt...

02.09.2016 - kfr

Dass nicht jede Frage den Geschmack aller trifft, liegt in der Natur der Sache. Wir nehmen aber jede Leserfrage ernst und versuchen diese im Rahmen dieser Rubrik zu beantworten. Dazu gehören auch Fragen, die in den Augen eines IT-Profis banal sind. Was wir nicht machen ist ein E-Mail-Support. Wenn wir auf etwas eingehen, dann ausschließlich im redaktionellen Rahmen. Auch weil es sicher noch irgendwo einen Zweiten gibt, der etwas nicht wusste. Wir wissen es aber auch zu schätzen, dass Sie sich zu so früher Stunde aufgemacht haben, hier Ihren Unmut Kund zu tun. Sicher gibt es noch den ein oder anderen, der bei dieser Frage hier, den Kopf schüttelt. Ansonsten, gilt wie immer, fordern Sie uns und stellen dem Doc eine anspruchsvolle Frage.
PS: In Bayern haben wir noch Ferien… ;)

02.09.2016 - st

Die Ferienzeit ist doch vorbei... können nicht wieder mal sinnvolle Themen kommen? Irgendwie verliert das Ganze hier irgendwie an Anspruch (ich will nicht sagen Niveau, da der betroffene sicher auf Hilfe aus war aber sorry, dass kann man via Email machen)...

Stellen sich mir 2 Fragen...

1.) Interessiert sich niemand mehr für Speicherguide und alles wird direkt zur "PR" genutzt

2.) Ihr habt kapituliert

Auch im Bezug zum SDS Thema.

In diesem Sinne.

Wir diskutieren wieso ein EXT4 Filesystem nicht von Windows gelesen werden kann... :D

Morgen diskutieren wir, warum ein Tesla kein E10 will :/


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