03.07.2015 (Doc Storage)
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Welche Vorteile hat eine Storage-Zuweisung auf VM-Ebene?

Leserfrage: Mit Vmware »vSphere VVOL« wird nun die Ära des VM-zentrischen Storage eingeläutet. Wie viele und vor allem welche Vorteile kann mir eine solche Art der Zuweisung bringen? Und ist es wirklich das Ende allen LUN- und Volume-basierten Storage oder gibt es einfach nur unterschiedliche Einsatzszenarien?

Antwort Doc Storage:

Erst einmal muss man hier etwas korrigieren. Die VVOLs von Vmware sind zwar ein netter (und vor allem folgerichtiger) Einfall des Virtualisierungspioniers, jedoch keinesfalls der erste Schritt in diese Richtung. Diesen Schritt haben bereits etwas davor Hersteller sogenannter hyperkonvergenter Systeme gemacht. Hinter diesen (und natürlich auch den VVOLs) steckt wie schon in der Frage impliziert die Idee, durch Zuordnung von Speicherkapazitäten direkt innerhalb eines kombinierten Compute- und Speichersystems für die Eliminierung des Speichernetzes und all seiner komplexen Konfigurationsansprüche zu sorgen.

Allerdings sollte dafür diese Speicherkapazität innerhalb desselben Systems verbaut sein, ansonsten erspart man sich eben nicht – zumindest einmal – die Zuordnung von physikalischem zu logischem Speicher am Virtualisierungssystem. Hier machen die bereits erwähnten Systeme der Hyperkonvergenz einen, aber eben den entscheidenden Schritt weiter. Sie bringen viele Prozessoren, genügend Hauptspeicher und vor allem eigene Speicherkapazität mit, die den schlüsselfertig konfigurierten Systemen automatisch zur Verfügung steht und ohne weitere Konfiguration – wie sie leider immer noch bei den VVOLs nötig ist – verwendet werden kann.

Die Vorteile liegen auf der Hand. Erstens spart man sich, wie bereits in der Frage formuliert, die elendige Bastelei mit LUNs, WWNs, Zoning und dem ganzen anderen Hexenkram, der uns über die letzten zwanzig Jahre von sinnvoller Arbeit abgehalten hat. Zweitens spart man sich – das mögen jetzt viele Leute im Rechenzentrum nicht hören, wie die heftigen Antworten auf einen meiner letzten Beiträge gezeigt haben – mindestens eine komplette Mannschaft über drei Schichten. Man muss sich nicht mehr mit den Speichermenschen rumprügeln, Anträge auf Kapazität stellen, ein separates extrem komplexes Netzwerk mit einer Protokoll-Unverschämtheit wie Fibre Channel unterhalten, dessen Betreiber und Hersteller sich das Wissen darum regelmäßig vergolden lassen. Und drittens schließlich geht die Speicherzuweisung in eine einfache Benutzeroberfläche als Self-Service über, um den sich kein überlasteter RZ-Mitarbeiter mehr zu kümmern braucht.

Somit ist also auf dem Weg zur virtualisierten Rechnerlandschaft – und dieser Weg ist wohl unwidersprochen unumkehrbar – der VM-zentrische Speicher die einzig logische Folge. Und damit – endlich – der Tod der nervenraubenden SAN-Landschaften.

Gruß
Doc Storage

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Kommentare (4)
07.07.2015 - Peter_M_Tintri

VVol verspricht ja, dass es Speicher „VM-aware“ macht. In der Realität ist VVol aber gar kein Produkt sondern nur eine API. Jeder Speicherhersteller wird also eine unterschiedliche Implementierung davon haben. Das gilt übrigens auch für hyperkonvergente Systeme, die somit nicht automatisch VM-agnostischen Speicher in der Kiste haben müssen.

Man muss schon genau hinschauen, welche Speichersysteme die beste Implementierung der VVol-API haben, oder man investiert gleich in das Speichersystem, das von Haus aus VM-aware ist und auch einfach zu skalieren ist.

03.07.2015 - S.Bartsch

Hyperkonvergenz - da gibt es doch sicherlich auf was von Ratiopharm, oder?

Neben den technischen Änderungen, Neuerungen und multiplen Quantensprüngen dürfen wir den Faktor Mensch nicht ganz außer Acht lassen. Der höhere Bedarf an "Beruhigungspillen" liegt in der Natur der Rolle des SAN/Storage-Admins. Er (m/w) war spätestens seit dem Zeitalter, in dem Platten nicht mehr von Schwergewichtsboxern montiert werden mussten, das letzte im Glied in der Kette der Dinge, die schiefgehen können. Applikation zu langsam, Server klemmte, Backup nicht gelaufen: Der Storage Admin ist schuld!
Neben Trainings für vVols und ähnliches, sollte sich die Generation der Hyperkonvergenten darauf vorbereiten, demnächst nicht nur alle Ressourcen auf einen Klick Dirigieren zu können, sondern eben auch für all das „Schuld zu sein“, was früher „nach unten“ an die „Storage-Fuzzies“ abgedrückt werden konnte.
Es bleibt spannend :-)

03.07.2015 - bernd.schaub

"Die Vorteile liegen auf der Hand. Erstens spart man sich, wie bereits in der Frage formuliert, die elendige Bastelei mit LUNs, WWNs, Zoning und dem ganzen anderen Hexenkram, der uns über die letzten zwanzig Jahre von sinnvoller Arbeit abgehalten hat"

Mal an NFS oder SMB in Zukunft gedacht? Welche Dienste stellt VVol noch zur Verfügung? SMB/CIFS, iSCSI und NFS nach außen? Werden Technologien wie COW Copy On Write unterstützt.

03.07.2015 - LHL

"Und damit – endlich – der Tod der nervenraubenden SAN-Landschaften."

Wo ist Doc Storage geblieben? Was habt ihr mit ihm gemacht? ;)

... das einzige, was bei uns im RZ nervenaufreibend, fehleranfällig, in den Leistungsparamentern unvorhersagbar ist - ist das Ethernet.
Wenn man als langjähriger Administrator eines weiß, dann dass es keine fehlerfreien Systeme gibt. Viel Spaß bei der Fehlersuche in hyperkonvergenten Systemen ...
VVOLs können in der Zusammenarbeit von ESX-Admins und "Speichermenschen" einiges vereinfachen. Bei den aktuellen Implentierungen (die ich kenne) geht aber schnell die Übersicht verloren, wenn es heißt, mal zu gucken, warum der virtuellen Maschine XY der Zugriff auf den Storage scheinbar so langsam ist. Da fehlt es noch an guten brauchbaren Monitoringwerkzeugen, die bei der Auflösung der Zugriffspfade bis hin zur tatsächlich drehenden Platte (oder zunehmend SSD) unterstützen.


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