30.08.2019 (Doc Storage)
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Stress – die Perspektive aus dem Doppelboden

Kolumne Doc Storage:

Reaktionen aus dem Doppelboden auf Stress: gehörst Du zu den 87 Prozent? von Claudia Hesse. Ich hoffe, dass ich dafür nicht gleich wieder verhauen werde... 😉

1. Zeitmangel
Hier wird – ganz richtig – festgestellt, dass wir alle so viel vor dem auch hätten, dass neben diesen Tätigkeiten viele Freizeit- und Entspannungsfaktoren (Kinder, Sport, Spazieren) hintenüberfallen. Wir sollten uns allerdings einmal fragen, wo das alles herkommt. Natürlich ist Auslöser Nummer eins unsere kaum noch vorhandene Fähigkeit zum »Nein-Sagen«. Wir nehmen alles an, auch wenn wir schon auf 125 Prozent laufen, nur um gegenüber den Führungskräften und vor allem den Kollegen nicht als Schwächling dazustehen.

Allerdings drehen wir hier ungewollt an ganz gefährlichen Schrauben, und zwar in die unheilbringende Richtung. Der Chef meint, alles sei gut und läuft geölt, »der nimmt ja widerspruchslos was an, also kann es nicht so schlimm sein«. In Folge werden keine neuen Stellen ausgeschrieben, weil diese – aus der Vogelperspektive – ja gar nicht nötig sind. Und die Kollegen meinen »was der kann, kann ich auch«, und nehmen ebenso mehr an, als sie können. Und die Schraube dreht sich immer enger und immer schneller. Wir müssen also lernen, wieder öfter »nein« zu sagen, um aus diesem Kreislauf heraus zu kommen.

2. Termindruck
Oh ja, auch richtig, sehr verwandt mit Punkt 1. Die meisten Kollegen meinen, sie würden Chefetage und Kollegen damit beeindrucken, wenn sie Projekte in kürzerer Zeit durchziehen und an den Kunden übergeben. Oder dies zumindest angeben. Die Probleme sind dreierlei. Der Chef, der vom einzelnen Projekt und dessen Anforderungen keine Ahnung hat, nimmt an, der Mitarbeiter könne dies tatsächlich in kurzer Zeit durchziehen. Und ist zufrieden. Erstmal. Der Kollege ist beeindruckt und sagt sich »was der kann, kann ich auch«, mal wieder.

Also laufen immer mehr Projekte unter völlig illusorischen Timelines. Und die Kunden freuen sich über früh fertige Produkte, bekommen diese dann halbgar und werden mit jeder maroden Version wütender. Man sollte also von vornherein den Mut haben, nämlich als Chef den Mut (oder besser die Souveränität), längere Projektlaufzeiten von den Experten zu akzeptieren, als Experten den Mut, dem Chef zu sagen, wie lange es wirklich dauert, und als Kunde die Ruhe, die tatsächliche Fertigstellung abzuwarten. Alles andere ist die perfekte Anleitung »how to shoot yourself in the foot«.

3. Digitalisierung
Natürlich ist dies ein Stressfaktor, aber meist ein ziemlich hausgemachter. Wenn man in Ruhe darüber nachdenkt, auch nach über 30 Jahren, machen die »Jüngeren« im Job eigentlich kaum etwas anders oder zusätzlich, was man wirklich nachmachen müsste. Sich ständig auf sogenannten sozialen Medien rumzutreiben, hat keinerlei Bedeutung, weder für den Rumtreiber noch für dessen Konsumenten, auch wenn uns ständig suggeriert wird, dass das anders sei. Damit also Stunden zuzubringen, ist vertane Zeit. Und wie man im Übrigen mit dem Smartphone oder seinen größeren Verwandten umgeht, ist genauso eine Frage der persönlichen Disziplin. Wenn man sich einmal klar gemacht hat, dass die Dinger auch nur Daten schöner und bunter darstellen können, die wir früher analog im Organizer hatten, wird man wesentlich ruhiger.

4. Emotionaler Druck – Angst
Auch dies lässt sich vor allem durch ein kleines Wörtchen regeln, »nein«. Nein, ich kann das heute nicht mehr liefern. Nein, ich schaffe das nicht bis Ende der Woche. Nein, Quartalsende ist illusorisch für dieses Projekt. Ich weiß, hierzu gehört eine Menge Mut, vor allem den Chefs und Kollegen gegenüber. Aber andererseits gehören wir dann nicht mehr zu den Kandidaten für Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Allerdings wächst dieser emotionale Drück mit jedem Chef, der sich gegenüber dem Vorstand profilieren will, und mit jedem Kollegen, der dem Chef mal zeigen will, dass er es besser, gründlicher oder vor allem schneller machen kann als alle anderen. Und nein – ich habe kein Patentrezept gegen diese Seuchen, denn nichts anderes sind sie für alle Kollegen um sie herum. Außer, man sucht sich in Ruhe etwas Neues und hofft, dass es dort weniger bis gar keine von diesen gibt.

Guter oder schlechter Stress?
Auch hier muss ich Claudia voll zustimmen. Immer wenn mir ein (meist jüngerer) Kollege etwas von »gutem Stress« erzählen will, werde ich vorsichtig. Meist will er mir damit nur erklären, dass etwas jetzt auf Gedeih und Verderb, in Nacht- und Wochenendschichten durchgeprügelt werden muss, komme, was wolle. Und meist ist der Grund dafür eine der Erklärungen aus den Punkten 1 oder 2 weiter oben. Es gibt keinen »guten Streß«, das ist völliger Mumpitz. Je mehr Druck auf einem Mitarbeiter lastet, desto mehr Fehler unterlaufen ihm, das ist eine alte und gern von (meist jüngeren) Führungskräften ignorierte Weisheit. Und an diejenigen, die trotzdem gern die Schrauben immer etwas fester drehen: »nach fest kommt ab«!

Gegenmaßnahmen – raus aus dem Stress
Neben den von Claudia genannten Maßnahmen, die ich wiederum alle voll unterstütze, fehlen mir zwei in der Liste (die ich oben schon mehrfach genannt habe). »Nein« sagen und realistische Zeitangaben machen. Ach ja, und diese Zeitangaben korrigieren, wenn man merkt, dass es nicht passt. Okay, drei Maßnahmen. Dafür müssen wir die Umstände nicht komplett ändern, nur die Sinne unserer Umgebung für bestimmte Umstände schärfen. Alles andere ist schon lange bekannt:

  1. Wenn Ihr zuhause seid, seid Ihr zuhause. Punkt. Gut, wenn‘s brennt im RZ, ist das was anderes, aber ansonsten kann die jeweilige Schicht das regeln, das Telefon könnt Ihr auch ausmachen (oder in den Flugmodus stellen, wenn denn unbedingt Netzwerk nötig ist).
  2. Ständige Einträge in sozialen Medien, Blogs und dieser andere Blödsinn haben nichts mit Eurem Job zu tun, können also entfallen. Überlegt einmal, wieviel Zeit Ihr dadurch zurückbekommt.
  3. Ihr habt Euch hoffentlich mindestens einen ausgebildet, der sofort und ohne Übergang Euren Job machen kann. Kürzeste Urlaubsübergaben, kein schlechtes Gewissen (und vor allem keine »was soll ich jetzt machen«-Störungen) bei Kopfschmerzen oder Krankheit.

Soweit meine Sicht, aus dem Doppelboden...

Gruß
Doc Storage

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Kommentare (3)
08.09.2019 - Doc Storage

Hallo, Herr Stief!
Da machen wir es uns beide ziemlich einfach, wie ich beim nochmaligen Lesen meines Artikels und dem Ihres Kommentares feststellen muß.
Natürlich mache ich es mir zu einfach, wenn ich schreibe, zumindest sinngemäß, daß den Blödsinn von ‚sozialien‘ Netzwerken sowieso niemand – zumindest beruflich – benötigt und damit unnötig Zeit verschwendet. Natürlich ist es über diese Wege heute wesentlich einfacher, mit Nutzern bestimmter Anwendungen, Betreibern bestimmter Infrastruktur oder Programmierern derselben Sprachen in Kontakt zu kommen und so dediziert Probleme lösen zu können, neue Möglichkeiten zu erschließen und Räder nicht doppelt und dreifach neu erfinden zu müssen. Dies ist in den ‚sozialen‘ Netzwerken möglich, genauso, wie es schon weiland den Nutzern von usenet oder anderen Umgebungen möglich war. Die Nutzer der ‚alten‘ und ‚neuen‘ Umgebungen (das Wort ‚Medien‘ vermeide ich, denn damals wie heute waren das keine) werden nicht verteufelt, zumindest solange, wie es sich um fachliche und berufliche Nutzung handelt.
Man sollte allerdings mit der einfachen Phrase des ‚verteufelns, was man nicht versteht‘ vorsichtig sein. Diese wird vielfach von Anbietern alternativer Religionen und politischer Extremhaltungen genutzt, und hier geht es *nur*, *lediglich* um EDV, nicht um Religion oder Politik. Man macht es sich mit diesem Satz auch sehr einfach, diejenigen als engstirnig oder gar dümmlich zu klassifizieren, die sich nicht der positiven Haltung einer Meinung gegenüber anschließen oder sich kritisch dazu äußern. Wir können gern über entsprechende Themen diskutieren, sollten das Niveau allerdings etwas anheben. Danke! :-)

03.09.2019 - Claudia Hesse

Nö, warum sollte ich verhauen? Passt doch alles ;-). Vielen Dank für die Ausführungen.

MeinArtikel war ja erstmal der Einstieg in das Thema Stress. Fakt ist, dass wir oft in irgendwelchen Verhaltensmustern drin hängen oder uns unserer "Macht" über uns selber oder die Situation gar nicht im Klaren sind und daher oft glauben, das ist halt so - jeder ist halt gestresst.

Nein sagen ist in der Tat einer der wichtigsten Lernbereiche gegen Stress (Präventivmassnahme). Ist aber einfacher gesagt als getan. Da kommt wieder die Angst ins Spiel: wie wird das aufgenommen? Zeige ich dann Schwäche oder Nicht-Belastbarkeit. Nein sagen braucht Mut - und den gilt es für viele erstmal zu entwickeln.

Und die strenge Trennung zwischen Job und Rest des Lebens funktioniert heute auch eher nicht mehr - aus meiner Sicht hat sie eigentlich noch nie funktioniert. Ich bin ja dieselbe an beiden Orten, daher lasse ich nicht einen Teil von mir an der ein oder anderen Stelle (wobei, wenn ich mir das so recht überlege, bin ich nicht sicher, ob manche nicht ihr Gehirn an der Garderobe lassen - an welchem Platz auch immer ;-)).

Daher einfach zu sagen: bin halt zuhause ist nicht immer wählbar - je nach Job. Da gilt es für jeden abzustecken, was wir vom Job und Leben erwarten und Grenzen stecken, wenn es nicht mehr passt.

Ende der Woche gibt es noch ein paar mehr Anti-Stress-Tipps....Vorbeugung ist ja die eine Sache...die meisten von uns sitzen allerdings mittendrin im Stress, daher ist es relevant zu wissen, wie wir damit umgehen, wenn er da ist.

30.08.2019 - w.stief

Social Media und Blogs können helfen, Zeit zu sparen und/oder die Qualität der eigenen Arbeit zu verbessern. Social Media ist ein mächtiges Werkzeug, das man kennen, verstehen und anwenden können muss, um eine Zeitersparnis zu haben.

Sowohl Social Media als auch Blogs können *sehr viel* mit dem Job zu tun haben. Auch für Programmierer und Admins.

Früher hieß das Usenet und Mailinglisten. Und wurde damals schon von all denen verteufelt, die das Werkzeug nicht verstanden.


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