27.05.2016 (Doc Storage)
4.3 von 5, (8 Bewertungen)

Software-defined Storage oder doch proprietär?

Leserfrage: Flash-Speicher erobern sich gerade in großen Stil den Primärspeicherbereich, was zu zahlreichen Lösungsangeboten führt. Nun wird seit Jahren Software-defined Storage als das Allheilmittel angepriesen, mit dem sich sämtliche Ressourcen – so auch Flash-Storage – optimiert und flexibler nutzen lassen soll. Trotzdem bringen viele SDS-Anbieter ihre doch so unabhängige Software im Bundle mit eigenen Hardware-Appliances auf den Markt, da die im Zusammenspiel besser abgestimmt sind. Was sollte man nun wählen? Und wie kann man unter den SDS-Gesichtspunkten neue Lösungen wie DSSD von EMC evaluieren, die ja nun wieder mit proprietärer Firmware an den Start gehen und noch bessere Performance und Nutzung versprechen?

Antwort Doc Storage:

Auch wenn mich jetzt die Hälfte der Speichergemeinde an die Wand stellt: Ich war gerade froh, dass die »Software-defined-Sau« mit Höchstgeschwindigkeit durchs Dorf gelaufen ist und schon wieder neue durch dasselbe getrieben werden.

Natürlich lassen sich alle Ressourcen einer Infrastruktur besser nutzen, wenn man sie unter eine gemeinsame Verwaltung zwingt und aus einer Zentrale heraus entscheidet, welche Prozesse und Anwendungen wo am besten laufen.

Natürlich ist es schmerzfreier für die Mitarbeiter im Rechenzentrum, sich nur mehr mit einer oder wenigen Verwaltungsoberflächen herumprügeln zu müssen als mit jeweils einer für jedes proprietäre Gerät.

Natürlich lassen sich die Hersteller zu besseren Preisen zwingen, wenn man ihnen klarmacht, dass man nicht mehr auf ihren überteuerten Krimskrams angewiesen ist, sondern die anstehende Arbeit genauso gut mit 08/15-Hardware gemacht bekommt. Und so weiter und sofort…

Und jetzt kommen die Abers, die ich schon ich weiß nicht wie oft aufgeführt habe, deshalb hier nur die drei wichtigsten.

Aber eine auf die jeweils laufende Software abgestimmte Hardware läuft eben doch noch einen Tucken schneller und zuverlässiger als Barebone-Systeme mit General-Purpose-Codes.

Aber EIN Service von EINEM Hersteller ist eben doch besser und zuverlässiger als von mehreren. Dies wird mir jeder bestätigen, der schon einmal ein schwerwiegendes Problem hatte, bei dem die beteiligten Hersteller nichts Besseres zu tun hatten, als sich erst einmal diverse schwarze Peter zuzuschieben.

Aber ein Rechenzentrum mit einer möglichst homogenen Hard- und Software-Umgebung ist wesentlich besser zu betreiben als ein zusammengewürfelter Haufen des jeweils billigsten Zeugs, von dem man ja zum Glück nichts sehen muss, weil man die verharmlosende Soße des Software-defined darüber gegossen hat.

Was nun schwerer wiegt, muss jeder Betreiber selbst entscheiden. Erfahrungsgemäß sollte man aber primär nicht damit kalkulieren, was ein Produkt kostet. Auch nicht dessen Betrieb oder Wartung. Sondern was es kostet, und zwar das gesamte Unternehmen mit allen Mitarbeitern und Prozessen, wenn das Zeug einmal nicht funktioniert. Und vor allem was es kostet, in einer heterogenen Landschaft den Fehler zu lokalisieren und dann auch noch zu beheben. Ich zumindest wüsste, wofür ich mich zu entscheiden hätte…

Gruß
Doc Storage

Stellen Sie Ihre Frage
Doc. tec. Storage beantwortet alle Ihre technischen Fragen zu Storage, Backup & Co.

Stellen Sie Ihre Frage an: DocStorage@speicherguide.de

Mehr von Doc. tec. Storage 15.03.2019 30 Jahre World Wide Web: Was gibt es zu feiern?

Das World Wide Web feiert seinen 30. Geburtstag. Ohne dem Internet ist unser heutiges Leben nicht mehr vorstellbar. Für Doc Storage hat das Netz aber auch genug Schattenseiten. An Regulierungen bzw. an das vom Erfinder erhoffte bessere Internet, glaubt er nicht.


08.03.2019 Datenanordnung im RAID 10 mit 8 Platten

In einem Server wird ein RAID 10 mit acht Festplatten unter Windows 2008 R2 betrieben. Nun ist ein Laufwerk ausgefallen. Da sich nur wenige Daten auf den HDDs befinden, besteht die Möglichkeit, dass die defekte Platte eventuell gar keine Daten enthält?


22.02.2019 Welcher RAID-Level für welche Anwendung?

Gibt es eigentliche eine Faustregel, welches RAID-Level für welche Anwendung am besten geeignet ist? Ich denke da zum Beispiel an Datenbanken mit sehr vielen Zugriffen bei relativ kleinen Datenmengen oder an Webserver und als Extrem auf der anderen Seite Bild-Datenbanken, Audio-Server beim Rundfunk, Video-Archive mit sehr hohen Datenvolumen.


15.02.2019 Was sagt DWPD über SSDs aus?

Im Zusammenhang mit (Enterprise-)SSDs wird oft die Qualitätsgröße DWPD (Drive Writes Per Day) genutzt. Meist wird die Angabe auch für einen Zeitraum von fünf Jahren spezifiziert. Was sagt DWPD genau aus und mit welcher Standard-Lebensdauer darf man rechnen?


08.02.2019 Unterschiede der Performance-States von SSDs

Gängige Meinung: SSDs sind schnell. In der Praxis gibt es aber dann doch einige Unterschiede, so sind vielen die verschiedenen Performance-States von SSDs und Flash-Speichern nicht bekannt: FOB, steady, burst and transition. Was steckt genau dahinter?


01.02.2019 BSI empfiehlt 200-km-Distanz – 200 km ERNSTHAFT!?

Kurz vor Weihnachten veröffentlichte das BSI neue Kriterien für georedundante RZs. Darin wird der bisher empfohlene Mindestabstand von fünf auf 200 Kilometer hochgesetzt. Aus Praxissicht laut Doc Storage »vollkommener Blödsinn«.

powered by
Boston Server & Storage Solutions Datacore Software
Fujitsu Technology Solutions GmbH Seagate Technology
N-TEC GmbH FAST LTA AG