28.07.2017 (kfr)
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Ist die Frage nach SAN, NAS, DAS noch zeitgemäß?

Leserfrage: Ist eigentlich die Frage nach SAN, NAS oder DAS noch zeitgemäß? Die Techniken sind doch noch aus der Pre-Cloud-Ära. In wie weit sind die Architekturen noch aktuell bzw. zukunftsträchtig? Sind die Cloud und der ganze »Converged-Kram« nur Ergänzungen oder schon als eigene Strategie oder Infrastruktur zu sehen?

Antwort Doc Storage:

Auch wenn ich viele damit langweile: es kommt drauf an. Erst einmal kommt es darauf an, wo man in der Produktion herkommt, also auf die historisch gewachsenen Gegebenheiten. Rechenzentren, die über Jahre und Jahrzehnte gewachsen sind, und mit ihnen die Umgebungen im direkt angeschlossenen SAN- und NAS-Speicher, lassen sich nicht so schnell angeblich neue Technologien überstülpen wie dies die Marketing- und Analysten-Gemeinde gerne hätte. Hier gilt es immer noch, die vorhandenen Umgebungen vorsichtig zu verändern, mit neuen Eigenschaften auszustatten und vor jedem Budgetlauf zu beurteilen, ob neue Lösungen die alten nicht nur funktional übertreffen, sondern sich auch und vor allem aus Kostengesichtspunkten rechnen. Es hat noch nie einen guten Ausgang gehabt, neue Technologien nur einzuführen, weil es sie eben gab.

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Außerdem – und jetzt höre ich schon wieder den Aufschrei aus einer ganz bestimmten Ecke – Converged-Systeme bieten überhaupt keine neue Lösung, die nicht schon in anderer Form seit Jahren in den Speicherumgebungen läuft. Sie fassen lediglich Funktionalitäten von Objekt-, SAN- und NAS-Speichern in einem Gerät unter – wenn man Glück hat – einer Verwaltung zusammen. Und natürlich in einem Gerät, was die Lösungen vielleicht etwas kompakter, aber nicht weniger kompliziert machen. Immer noch gibt es Dateisysteme, Blocklaufwerke, Objekte und all das andere, das wir schon seit Anbeginn der Zeiten in unseren Schränken haben.

Insofern sind SAN, NAS, DAS, Objekt und alles andere, in dem sich Platten oder Festspeicher befinden, natürlich noch aktuell. Man hat hier lediglich einen neuen, bunten und größeren Aufkleber um alle Systeme herumgeklebt,– es musste halt was Neues geben. Und wenn man nichts Neues hat – ebenfalls alte Regel – malt man eben das neu an, was man schon hat.

Converged sehe ich aus dieser Perspektive nicht als Strategie, sondern lediglich als Neuanordnung bereits vorhandener und bewährter Verfahrensweisen. Und schon gar nicht als neue Infrastrukturkomponente.

So – bitte – draufhauen!

Gruß
Doc Storage


Kommentare (2)

28.07.2017 - dieter.jaschke

Hallo Doc,
nach 25 Jahren im Storage-Geschäft finde ich gut, nicht der einzige zu sein, der diese Ansicht teilt. Ich muss auch immer schmunzeln, wenn die nächste Marketing Sau durch die Stadt getrieben wird und viele auch kleine Kunden gleichzeitig wieder z.B. von iSCSI auf "veraltetes" FibreChannel umsteigen (evtl. auch mit 5 Jahre alten Gebraucht-Klamotten zum günstigen Preis), damit die Umgebung stabil läuft - was sie dann auch tut!
Meine Old-School Einstellung hat mich in den letzten Jahren so oft bestätigt - da wird´s die näcshten wohl auch noch so sein...

28.07.2017 - jan

Lieber Doc,
die Radio-Eriwan Antwort war schon richtig. Neben dem Aspekt der Managebarkeit (und vorhandenen Skills des technischen Personals) und dem Budget - sollte gerade auf größeren Sites - die Netzwerkanbindung der Clients im Auge behalten werden. Wenn ich ein Gebäude habe, in dem 200 Leute mit 1 GBit/s an den Backbone angebunden sind - und TB Daten in "die Cloud" geswappt werden sollen, dann ist ein NAS (im Gebäude) die Antwort (besser 2 an verschiedenen Stellen zur Redundanz)...
Besser wäre natürlich ein gescheites Netzwerk - aber das ist eine andere Geschichte.


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