22.05.2015 (Doc Storage)
4.4 von 5, (5 Bewertungen)

Ideen für elektronische Archivierung gesucht

Leserfrage: In unserer Firma stapelt sich im Keller das Papierarchiv bis unter die Decke. Keine Erweiterungsmöglichkeit mehr. Jetzt endlich sagt die Geschäftsführung: Dann stellen wir eben auf elektronisch um. Ich, der geneigte Administrator, soll mir was einfallen lassen. Was meinen Sie: Das schon etwas betagte Tape-Backup-System modernisieren, und Tape-Archivierung zusätzlich mit einbauen? Oder gleich auf moderne Archivierung bei einem Cloud-Provider setzen? Oder gibt’s noch andere, vernünftige Lösungen?

Antwort Doc Storage:

Wie immer in der EDV: Es kommt drauf an. Band ist auf jeden Fall die beste Lösung, falls Sie im eigenen Haus archivieren wollen. Die Medien sind länger haltbar, fassen mehr Daten und können vor allem stromlos aufbewahrt werden. Ich möchte hier jetzt allerdings keine Kommentare von Herstellern von Plattenarchivierungssystemen lesen müssen, nach dem Motto »Platten halten genauso lang, können auch stromlos gelagert werden usw.«. Das mag alles sein, aber Band hat einen unschlagbaren Vorteil: IBM hat im letzten Jahr einen Demonstrator gezeigt, bei dem auf einem einzigen Medium 158 TByte gespeichert wurden. Nach unabhängigen Studien ist Tape fünfmal günstiger als Plattensysteme, und bis zu 275 Mal zuverlässiger. Gut, diese Zahlen werden natürlich in anderen Studien durch Plattensystemhersteller widerlegt, aber die Tendenz ist deutlich. Während die Technik Platte mit Größen von 14 bis 16 TByte pro Medium langsam ausgereizt sein dürfte, ist bei Band noch Luft nach oben. Also ist dieses Medium das der Wahl für interne Archivierung.

Natürlich ist eine Archivierung bei einem Cloud-Anbieter auch möglich. Allerdings benötigen Sie hierzu eine jederzeit akzeptable Netzwerkanbindung, vernünftige Verschlüsselung, die Garantie des Cloud-Anbieters, dass Sie den exklusiven Zugriff auf Ihre Daten haben und natürlich die Gewissheit, dass der Anbieter nicht von einem Tag auf den anderen zumacht, gekauft wird oder ähnliches. Außerdem müssen Sie im Rahmen der Compliance darauf achten, dass ein bestimmter Teil Ihrer Daten das Land nicht verlässt, und im Rahmen von Basel II und III natürlich weitere Auflagen erfüllen.

Alles in allem würde ich es jedem gewerblichen Nutzer, dem es in irgendeiner Form möglich ist, empfehlen, sein eigenes lokales Archiv aufzubauen. Dort haben Sie Kostenkontrolle, keine Unwägbarkeiten mit externen Anbietern, erfüllen jegliche rechtlichen Auflagen und sind vor Überraschungen (einigermaßen) sicher. Wenn es schon eine Cloud sein soll, dann ebenfalls lokal eine private. Auch diese steht unter Ihrer Kontrolle und sie wissen jederzeit, welche Daten wo und wie gespeichert sind. All das kann Ihnen kein Cloud-Anbieter tatsächlich hundertprozentig garantieren, oder aber er lässt es sich so »vergolden«, dass man es auch gleich selbst machen kann.

Gruß
Doc Storage

Stellen Sie Ihre Frage
Doc. tec. Storage beantwortet alle Ihre technischen Fragen zu Storage, Backup & Co.

Stellen Sie Ihre Frage an: DocStorage@speicherguide.de
Kommentare (3)
22.05.2015 - mress

Tape ist nicht tod - da kann ich 100%ig zustimmen! Und Blue Ray mag für einige SMB Bereiche ausreichend sein aber wie schon der Vorredner geschrieben hat: Es gibt viele Dinge die zu beachten sind. Vor allem auch wenn es um die Mengen geht, die gesetzlichen Vorgaben - oder alleine schon operativ darum Tonnen von Papier über eine Scanningmaschine zu jagen!

Und ja: Auch wir als Cloudanbieter nutzen Tape - aber es lohnt sich erst ab Mengen die in Einheiten von PB gerechnet werden. Wenn Sie kleine Mengen haben und keine hohen gesetzlichen Anforderungen (wie z.B. die garantierte Löschung nach zertifiziertem Verfahren nach x Jahren, garantierte Speicherung in 3 Lokationen die max 10km auseinanderliegen etc.) dann würde ich einer Archivierung im eigenen Hause durchaus den Vorzug geben. Eine Allin1 Lösung gibt es durchaus: in dem man den ganzen Part - von Scanning bis Speicherung einem (in diesem Falle nach D.A.CH. Recht zertifiziertem) Anbieter in die Hand gibt. AraaS als Archive As A Service ist heute durchaus bezahlbar und effizient. Das ist ja gerade der Vorteil von der s.g. "Hybrid Cloud" - und man muß sich auch keine Gedanken mehr um Migration, zertifiziertes Löschen, garantierte Lagerung etc. mehr machen. Neue Technologien können einem egal sein - das ist dann Sache des Providers.

22.05.2015 - bn

Lieber Doc Storage,
schön, dass Sie die Leserfrage so ausführlich beantwortet haben.
Mit Ihrer Meinung, dass Cloud Storage und Archivierung mit Vorsicht zu genießen ist, stehen Sie ja auch nicht alleine - die teilen wir sehr.
Ihre Empfehlung für TAPE als das richtige Medium bei der internen Archivierung würden wir ja [...]durchaus als Ihre persönliche Meinung akzeptieren.
Aber leider verschweigen Ihre Argumente viele Nachteile der Bandtechnologie (begrenzte Haltbarkeit, hohe Migrations- und Wartungskosten bei einer langfristigen Verwendung) - das macht Ihren Rat wenig objektiv!
Wie einseitig Ihre Wahl aber tatsächlich ist, wird dadurch belegt, dass Sie den letzten Teil der "Leserfrage": Oder gibt’s noch andere, vernünftige Lösungen? gänzlich unter den Tisch fallen lassen.
Denn ja, es gibt noch eine dritte Speichertechnologie, die gerade für die Langzeitdatenhaltung viele Vorteile bietet. Die optischen Speicher, die nicht anders als in Tape-Librarys große Datenmengen langfristig speichern und sicher aufbewahren können. Im HIT/Facebook-Projekt (auch Speicherguide hat darüber berichtet) ist belegt, dass die beschreibbare Blu-ray Disc viele Vorteile bietet, um preisgünstig und sicher große Datenarchive aufzubauen (mit sehr geringen Wartungskosten und noch geringeren Migrationskosten aber einer unvergleichlichen Kompatibilität über aller Generationen optischer Medien hinweg). Damit nicht gleich vorschnell ein vom technologischen Wettbewerb benutztes Vorurteil benutzt wird, mit der die optische Technologie gerne diskreditieren wird, sei schon jetzt angemerkt: professionelle Blu-ray Medien zur Langzeitspeicherung haben wenig mit CD- und DVD-Medien im Consumermarkt gemeinsam. Das belegen Labortests und ganz real 20 Jahre alte beschreibbare CDs, die wir noch heute in Blu-ray Laufwerken lesen können!
Über eine ergänzende und ausgewogene Betrachtung der verschiedenen Speichertechnologien würden wir uns sehr freuen. Mit besten Grüßen, Dr. Jan Brustkern - GF INCOM GmbH

22.05.2015 - RSchuster

Meiner Meinung wird hier ein wichtiger Punkt vergessen.
Es ist ja schön wenn wir, egal mit welchem Medium, die Daten lange (Jahre?) archivieren aber wenn wir elektronisch archivieren sollte sich auch dringend Gedanken um andere Fragen gemacht werden.
Bei Bändern - Habe ich in einigen Jahren noch Laufwerke, die das Band lesen?
Beim Anschluß von BandLaufwerk/Platte - Habe ich einen Kontroller, der das Laufwerk ansprechen kann?
Bei der Datei - Habe ich dann noch eine Applikation, die die Daten korrekt darstellen?
Bei der Applikation - Gibt es noch ein Betriebssystem, wo ich die Applikation laufen lassen kann?

Ansonsten heißt es: migrieren, migrieren, migrieren....

In manchen Fällen reicht es natürlich auch aus, sich Lagerplatz für das Papier anzumieten ;-)


Mehr von Doc. tec. Storage 02.08.2019 Soft-/Hardware: Wie Daten richtig verschlüsseln?

Eine Software-Verschlüsselung soll weniger Probleme verursachen, als eine Hardware-Verschlüsselung. Stimmt das? Was passiert, wenn der gewählte Verschlüsselungsanbieter nicht mehr verfügbar ist, wie kommt man dann an seine Daten?


12.07.2019 Analysten-Prognosen sind verschwendete Lebenszeit

Diesmal nimmt sich Doc Storage die Trendvorhersagen von Marktforschern vor. Seiner Ansicht nach ist vieles nur ein Blick in die Glaskugel, anderes dagegen so offensichtlich, dass es keine weitere Betrachtung benötige. Er hält diese Art von Info für verschwendete Lebenszeit.


28.06.2019 DSGVO bleibt aus DV-Sicht ein unsägliches Thema

Kolumne: Unser Doc Storage ist kein Freund der DSGVO. Dies hat er in mehreren Kolumnen klar formuliert. In seinem zweiten Teil zu »Ein Jahr DSGVO« fasst er nochmal zusammen, warum die Thematik aus seiner DV-Sicht für Firmen unsäglich ist.


14.06.2019 Ein Jahr DSGVO: Aufwand unerträglich hoch

Kolumne: Zur Einführung der DSGVO hat Doc Storage mächtig Dampf abgelassen. Ein Jahr später lässt kaum ein Verband ein gutes Haar an der Datenschutz-Grundverordnung. Der Aufwand für Firmen und IT-Abteilungen sei unerträglich hoch.


07.06.2019 Welchen Flash für welche Anwendung?

Vor rund sechs Jahren schickten sich Flash-Speicher an, sich in Computern und Storage-Systemen zu etablieren. Damals galten die Lösungen aber noch als proprietär. Wo steht die Technik heute und welcher Flash eignet sich für welchen Einsatzzweck?


17.05.2019 NAS-Caching oder Tiering für VMs multiple Zugriffe?

In einer Lehrumgebung werden virtuellen Maschinen auf einem NAS mit 10GbE-Anbindung gespeichert. Nachdem eine Erweiterung mit NVMe-Flash ansteht, stellt sich die Frage, ob eine Caching- oder eine Tiering-Konfiguration die sinnvollere Wahl ist?

powered by
Boston Server & Storage Solutions Itiso GmbH
Fujitsu Technology Solutions GmbH Infortrend
N-TEC GmbH FAST LTA AG
Datacore Software Seagate Technology
Folgen Sie speicherguide.de auch auf unseren Social-Media-Kanälen
Folgen Sie und auf Facebook Folgen Sie und auf YouTube Folgen Sie und auf Twitter