23.03.2017 (Doc Storage)
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Cebit 2017: Das war's jetzt wirklich…

In der jetzigen Form hat die Cebit für den Doc keine Daseinsberechtigung mehr. Nichts Neues, dafür aber viel Geld verlangen und die Daten der Besucher abgreifen. Eine Veränderung ist dringend nötig.

Meinung Doc Storage:

Liebe Leser,

Eigentlich wollte ich ja nicht mehr hin zur CeBIT. Und eigentlich wollte ich mich nach dem letzten Jahr auch nicht mehr aufregen. Eine Frechheit, was die Messe für ein Tagesticket an der Kasse aufruft – 61 Euro!!! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Ich erspare es uns jetzt allen, das Ganze noch einmal in die gute alte Mark umzurechnen, allerdings kann ich mich an Zeiten erinnern, ich meine es war 1986 oder 1987, da kostete eine Eintrittskarte (so konnte man dies riesige Stück Papier damals wenigstens noch nennen) unter 20 Mark, und man konnte sie kaufen, ohne gleich die Farbe der Unterwäsche und die sexuellen Vorlieben preisgeben zu müssen. Ein Messeticket (damals für Mittwoch bis Mittwoch und nicht dieses verweichlichte Montag bis Freitag) war sogar billiger! Was diese Abzocke (von Geld und von Daten) damit zu tun hat, dass man nur noch »Business«-Besucher dort antreffen möchte, versucht die Messe seit Jahren erfolglos zu erklären.

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Ein gutes hat es ja: es gehen kaum noch Leute hin, zumindest im Vergleich zu den guten Jahren vor zehn oder fünfzehn Jahren. Man muss nicht mehr in aller Herrgottsfrühe aufstehen, sich durch den Stau auf der B65 oder dem Messeschnellweg mit Maßnahme A quälen, um einen Platz im Parkhaus zu bekommen. Nein, diese sind erstaunlicherweise auch noch gegen Mittag zu bekommen.

Und dann – tief durchatmen und in die sogenannte Storage-Halle 2 hinein. Wie gesagt, ich wollte eigentlich nicht mehr, und nach ein paar Schritten wusste ich auch schon wieder warum. Alle üblichen Verdächtigen standen mehr oder weniger gelangweilt in der Gegend herum, mit dem Zeugs, was sie schon im letzten Jahr angeboten hatten. Bei den großen blauen, deren Stand zu überqueren man praktisch beim Betreten der Halle gezwungen wird, scheint die einzige Innovation zu sein, dass das Marketing nun das allgegenwärtige »Smart« durch ein intelligenter klingendes »cognitiv« ersetzt hat. Dinge, die früher Stunden gedauert haben, dauern nun Sekunden. Was für ein Wunder, aber diese Geschwindigkeit der Innovation haben wir schon vor zwanzig oder dreißig Jahren ganz richtig geschätzt. Und dafür verteilt man immer wieder Nobelpreise an diese Jungs? Naja…

Lustig auch, dass jemand, dessen Marketing gerade hat verbreiten lassen, man würde mehr Speicher verkaufen als die drei nachfolgenden Hersteller zusammen, zwischen den Blauen aus Kalifornien und den Weißen aus China kaum zu finden ist. Aber das entspricht ungefähr der momentanen, von mir in den letzten Beiträgen bereits erwähnten Innovationshemmung der gesamten Branche. Wie im letzten Jahr, und noch erschreckender, weil man sich ja wenigstens nach zwei Jahren mal etwas neues, bahnbrechendes oder aufregendes erhofft hatte. Und – wieder nichts. Größere Festplatten, jaja, huhuuu. Weitere Integration von bereits bestehender Software in andere bereits bestehende Software, Mannmannmann, toll! Und der nächste, der mir mit irgendeiner Cloud-Integration, Automatisierung von Sicherungen oder noch offeneren Schnittstellen kommt, der wird sich tatsächlich eine abholen. Alternativ auch der, der mir noch mehr I/Os von seinen Festkörperspeichern – welcher Art auch immer – vorrechnet.

Das alles ist eine Zumutung, vor allem für diesen Preis! Geht man rum und fragt, was es denn tatsächlich mal neues gibt, halten einem die armen Systemingenieure oder Verkäufer Produkte, Packungen oder Prospekte unter die Nase, von denen man selbst in der Antarktis bereits vor einem halben Jahr gehört hat. Die können einem ja fast schon leid tun.

Ich betone es nicht noch einmal – das war's jetzt tatsächlich mit der einst überlaufenen Messe, auf der sich Hersteller Tag für Tag mit Weltneuheiten gegenseitig das Leben schwer machten. Die Verkürzung ohne Wochenende, und jetzt auch noch die Meldung, 2018 vom Frühjahr auf den 11. bis 15. Juni verlegen und dem ganzen durch Konzerte und anderes »Eventcharakter«“ verleihen zu wollen. Das muss man erst einmal schaffen, die Anzahl der Besucher zu vierteln, und sich dann immer noch hinzustellen und alles besser zu wissen. Wie wäre es denn einmal mit vernünftigen Preisen und einem Wochenende wie früher? Und nicht einem Zeitraum, in dem in mehreren Bundesländern Pfingstferien sind und die Leute besseres zu tun haben.

So, und in der kommenden Woche beschäftigen wir und wieder mit Problemen aus der richtigen Welt.

Lieben Gruß
Doc Storage


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Kommentare (5)
29.03.2017 - Doc Storage

„Lieber „JU“, der mal mein Kollege war…

Es ging mir und geht mir mitnichten darum, auf allem rumzuhauen und alles schlecht zu machen. Allerdings geht es MIR gehörig auf die Senkel, seit mehreren Jahren IMMER dasselbe von Cloud, Software-basiertem irgendwas und Was-anderes-as-a-Service lesen zu müssen und das dann noch als neu verkauft zu bekommen. Klar, wir haben alle einmal sehr gut damit verdient, aber man beachte die Vergangenheitsform. Allerdings kocht die gesamte Branche mit ihrer Technologie seit Jahren im eigenen Saft, und das wird mal ja wohl noch einmal schreiben dürfen. So etwas wie die von Dir angeführte Digitalkamera oder das schlaue Telefon mit dem Apfel hat es in unserem Umfeld seit dem Eintreten des integrierten gecacheten Disk-Arrays nicht mehr gegeben. Alle Systeme, laufen sie nun mit Magnetscheiben oder Festspeichern, arbeiten im Ende mit derselben Architektur. Immer noch. Nach über einem viertel Jahrhundert. Es ist nur so, daß die kleinen Systeme nun immer mehr diese Technik adaptieren, da dies immer preiswerter wird. Damit ist der als Hieb gedachte Vergleich mit dem Vater gar nicht so abwegig. ;-)

29.03.2017 - Doc Storage

Ich habe nie behauptet, daß früher alles besser und vor allem günstiger war. Vor allem nicht günstiger, deshalb haben wir ja so gut verdient. Aber ich merke, vor allem in den pseudofachlich geschriebenen Papieren der Analysten (die ja zum größten Teil von den Herstellern geschrieben werden), daß heute kaum noch kritisch hinterfragt und vor allem fachlich korrekt berechnet wird. Wenn der Hinweis darauf langweilig ist, bitteschön, aber das hier ist keine Boulevardzeitschrift mit Anspruch auf reißerische Inhalte. Und – da wir ja schon einmal zusammen gearbeitet haben – ich erwarte vor allem von ehemaligen Kollegen, daß diese genau wissen, daß keine Speicherumgebung der anderen gleicht. In den meisten Fällen ist hier ein „das kommt drauf an“ das genaueste, was man schreiben kann. Alles andere ist Scharlatanerie. Wenn Ihr das von mir wollt, bitte, dann sucht Euch einen anderen.

Für die Feiertage muß ich mich tatsächlich entschuldigen – ich habe hier einen Kalender aus 2017 und nicht aus 2018 zu Rate gezogen. Was dem allerdings einen Abbruch tut, daß BTX und Bildtelefonie Mitte der 80er Jahre tatsächlich etwas war, was es vorher nicht gegeben hatte. So etwas habe ich in diesem und auch schon im letzten Jahr in Hannover nicht mehr gefunden. Und da sei mir der Hinweis auf den unverschämten Eintrittspreis erlaubt.

Liebe Grüße
Doc Storage

28.03.2017 - JU

Hups... leider sind meine Kommentare in der falschen Reihenfolge. Das Textfeld ist nämlich zu klein, deshalb musste ich zwei Einträge machen. Allerdings ist der erste Teil jetzt unten gelandet... Also bitte erst ganz unten lesen und dann den zweiten weiter oben.

28.03.2017 - JU

Die einfache Bedienung per Fingerwisch und die Möglichkeit, nahezu für jeden Lebensbereich irgendeine App zu installieren, waren die eigentlichen Gründe für den Erfolg dieses neuen, gigantischen Marktes (der sich mittlerweile aber auch mit echten Neuerungen schwer tut!). Die Waschmaschine war eine Revolution, die Dampfmaschine auch.... Was erwartest Du also von der Speicherbranche? Du solltest Dir überlegen, ob Du eine revolutionäre Entwicklung suchst oder wirklich „nur“ eine Innovation.
Diese „Früher-war-alles-besser-und-günstiger“-Aussagen langweilen mich kolossalst. Mein Vater will mir das auch immer weismachen. Er ist 1939 geboren. Ja, ne, ist klar. Er hatte sicherlich eine tolle Kindheit. Bei ihm führe ich das auf den langsam einsetzenden Altersstarrsinn zurück. Aber so alt bist Du ja noch nicht! Also los! Lass Dir was Besseres einfallen und schreibe hier mal was echt Innovatives. Sonst war’s das wirklich....
Die CeBIT ist sicherlich seit Jahren in einer tiefen Sinnkrise. Aber lass die Verantwortlichen doch ihr Ding versuchen. Menschen, Märkte und Gewohnheiten ändern sich halt. Was früher „in“ war, lockt heute niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Gerade in der IT-Branche gilt das mehr als anderswo. Wobei man aber auch nach professioneller IT und nach „Konsumer-IT“ unterscheiden muss. 1987 sah die Welt halt noch ganz anders aus – als Teen bin ich da auch über die CeBIT gelaufen und fand die Bildtelefone und BTX-Geräte der Deutschen Bundespost richtig spannend. Heute rennen die Kids eher zur gamescom.
Und übrigens: Schon mal was von beweglichen Feiertagen gehört? Weil Pfingsten dieses Jahr recht spät ist, heißt es noch lange nicht, dass es 2018 auch so ist. Pfingsten ist da Mitte/Ende Mai. Also bitte auch etwas besser recherchieren....

28.03.2017 - JU

Freitagnachmittag und täglich grüßt das Murmeltier. Es gibt wieder einen Doc-Storage-Beitrag. Eigentlich wollte ich ihn nicht mehr lesen – war’s das jetzt wirklich? Aber alle zwei, drei Wochen überkommt es mich doch und ich lese die Artikel hier auf der Speicherguide-Homepage. Und es ist immer wieder dasselbe – entweder diese „Es-kommt-drauf-an“-Aussagen oder die pauschale Schelte für diese ach so Marketing getriebene und angeblich total uninnovative (ich weiß, das Wort gibt es nicht, aber mir fällt gerade kein Besseres ein) Speicherbranche. Fällt Dir eigentlich mal was Innovativeres ein als pauschal rumzumeckern? Ich kenne Dich – ich kenne Dich persönlich. Wir waren sogar schon Kollegen. Du bist auch in der Speicherbranche und hast für den einen oder anderen „Großen“ gearbeitet – und davon hast Du sicherlich nicht schlecht gelebt bzw. Du lebst immer noch gut davon. Warum machst Du Dir nicht mal die Mühe und suchst nach wirklich neuen, innovativen Ansätzen und Produkten? Die gibt es nämlich. Nicht bei den „Großen“, denn die tun sich natürlich schwer, ihre alte sogenannte installierte Basis zu verteidigen. Die meist weit über 25 Jahre alten Architekturen mit innovativen Ansätzen auszustatten, ist ja auch unmöglich. Eine Innovation kann nur von außen kommen bzw. es gehört Mut dazu, sie trotz vorhandener Produkte, mit denen man vorzüglich Geld verdient, voranzutreiben. Hatte nicht Kodak sogar eine Digitalkamera in der Schublade und ließ sie auch dort? Jeder weiß, was aus diesem Weltkonzern von einst geworden ist. Nur ein Beispiel, es gibt noch viele....
Die Frage ist halt auch, was man unter einer Innovation versteht. Die Digitalkamera war nämlich eine Revolution statt Innovation für den Fotomarkt. Das iPhone war es auch für den Handymarkt. Wobei es nicht um das Gerät an sich geht – das gab es in der Form so ähnlich auch vorher.

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