Bareos: OpenSource-Backup als Alternative zu proprietären Lösung

Bareos: Open-Source-Backup als Alternative zu proprietären LösungenBareos ist eine Open-Source-Backup-Software für Sicherung, Archivierung und Wiederherstellung von Daten in professionellen IT-Umgebungen. Die Plattform nutzt eine modulare Client-Server-Architektur und unterstützt physische Server, virtuelle Systeme sowie Disk-, Tape- und Cloud-Speicher. Sie richtet sich vor allem an Linux-orientierte Infrastrukturen.

Bareos steht für »Backup Archiving Recovery Open Sourced« und bezeichnet eine Open-Source-Backup-Plattform für Netzwerk- und Server-Infrastrukturen. Die Software dient dazu, Sicherungsprozesse zentral zu steuern, Daten zuverlässig zu sichern und im Fehlerfall wiederherzustellen. Administratoren können mit Bareos Backup-Jobs planen, überwachen und verwalten, um Datenbestände über unterschiedliche Systeme hinweg abzusichern.

Das Projekt entstand im Jahr 2010 als Abspaltung der bekannten Backup-Software Bacula. Hintergrund war der Wunsch eines Teils der Entwicklergemeinschaft, die Weiterentwicklung stärker offen und community-orientiert zu gestalten. Heute wird die Software maßgeblich von der Bareos GmbH & Co. KG mit Sitz in Köln sowie von einer internationalen Entwickler-Community gepflegt und weiterentwickelt. Der Quellcode steht unter der Open-Source-Lizenz AGPLv3 und kann frei genutzt, angepasst und erweitert werden.

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Modulare Architektur zur zentralen Backup-Steuerung

Bareos basiert auf einer klassischen Client-Server-Architektur mit klar getrennten Komponenten. Diese Struktur ermöglicht eine zentrale Steuerung der Backup-Prozesse und eine flexible Anpassung an unterschiedliche IT-Umgebungen.

Im Zentrum der Architektur steht der Bareos Director. Diese Komponente übernimmt die Steuerung der Backup-Jobs, definiert Zeitpläne und verwaltet Richtlinien für Sicherungen und Wiederherstellungen. Die Verwaltung der eigentlichen Backup-Speicher erfolgt über den sogenannten Storage-Daemon. Dieser kann unterschiedliche Speicherziele ansprechen, beispielsweise Disk-Systeme, Tape-Librarys oder andere Speichersysteme. Auf den zu sichernden Systemen selbst läuft ein File-Daemon, der als Backup-Agent fungiert und die Datenübertragung zum Backup-System steuert.

Alle Informationen über Sicherungen und gespeicherte Daten werden in einem zentralen Backup-Katalog abgelegt, der in der Regel auf einer relationalen Datenbank basiert. Diese Struktur erlaubt es, Sicherungen zu katalogisieren, Wiederherstellungen gezielt durchzuführen und Backup-Historien nachzuvollziehen.

Durch diese Architektur kann Bareos eine Vielzahl unterschiedlicher Systeme sichern. Dazu zählen Linux-, Windows- und Unix-Server ebenso wie virtuelle Maschinen, Datenbanken, Anwendungen sowie klassische physische Server oder Workstations. Als Zielsysteme für Backups unterstützt die Software unter anderem Disk-Storage, Tape-Librarys und verschiedene Cloud-Speicher.

Installation und Betrieb erfordern Administrations-Know-how

Die Konfiguration erfolgt typischerweise über Konfigurationsdateien, über eine Kommandozeilenkonsole oder über eine Web-Oberfläche. Administratoren können auf diese Weise Zeitpläne, Backup-Richtlinien und Wiederherstellungsprozesse definieren.

Im Unterschied zu manchen kommerziellen Backup-Produkten ist Bareos jedoch keine klassische »Out-of-the-box«-Appliance. Die Software versteht sich eher als Backup-Framework, das sich an die jeweilige Infrastruktur anpassen lässt. Diese offene Architektur bedeutet jedoch nicht, dass eigene Programmierung erforderlich ist. Sie ermöglicht vielmehr, Backup-Prozesse bei Bedarf über Skripte, Plugins oder Automatisierungswerkzeuge in bestehende IT-Workflows zu integrieren.

Einsatzbereiche reichen vom Serverraum bis zum Rechenzentrum

Bareos richtet sich in erster Linie an professionelle IT-Umgebungen mit entsprechender Administrationskompetenz. Typische Einsatzfelder finden sich in IT-Abteilungen mittelständischer Unternehmen, in Rechenzentren oder bei Managed-Service-Providern. Auch Organisationen, die gezielt auf Open-Source-Software setzen oder Linux-basierte Infrastruktur betreiben, zählen zur typischen Zielgruppe.

Insbesondere in automatisierten Linux-Umgebungen lässt sich Bareos gut in bestehende Werkzeuge und Prozesse integrieren. Dadurch eignet sich die Plattform sowohl für kleinere Serverlandschaften als auch für größere Infrastrukturumgebungen.

Open Source mit optionalem Subscription-Modell

Bareos selbst ist vollständig Open Source und lässt sich grundsätzlich ohne Lizenzkosten einsetzen. Für produktive Unternehmensumgebungen bietet der Hersteller jedoch kommerzielle Subscriptions an.

Diese Abonnements umfassen unter anderem getestete Software-Pakete, Zugriff auf offizielle Paket-Repositories, technischen Support sowie optional Beratungs- und Schulungsleistungen. Die Preisstruktur basiert auf sogenannten Subscription-Units, die sich nach Umfang der Installation richten.

Ein mögliches Einstiegsszenario beginnt laut Anbieter bei etwa zehn Subscription-Units mit rund 480 Euro pro Jahr. Hinzu kommt Support ab etwa 1.000 Euro jährlich. Für kleinere Installationen ergibt sich damit ein Einstiegspreis von ungefähr 1.500 Euro pro Jahr.

Gemeinsamer Ursprung mit Bacula

Bareos und Bacula haben denselben technischen Ursprung. Bacula zählt zu den ältesten Open-Source-Backup-Systemen und wurde Anfang der 2000er-Jahre entwickelt. Die Software automatisiert Backup-, Restore- und Verifikationsprozesse in heterogenen Netzwerkumgebungen.

Bareos entstand im Jahr 2010 als Fork dieses Projekts. Teile der Entwicklergemeinschaft wollten eine stärker offene Entwicklung verfolgen und neue Funktionen schneller integrieren. Beide Systeme teilen daher bis heute viele grundlegende architektonische Konzepte, etwa die modulare Struktur mit Director-, Storage- und Client-Komponenten.

Im Laufe der Zeit haben sich jedoch organisatorische und funktionale Unterschiede entwickelt. Bareos verfolgt konsequent einen vollständig offenen Entwicklungsansatz und integriert neue Funktionen direkt in die Open-Source-Version. Bacula hingegen kombiniert eine frei verfügbare Community-Version mit einer kommerziellen Enterprise-Edition, in der bestimmte Funktionen exklusiv verfügbar sind.

Bareos im Wettbewerb mit Bacula & kommerziellen Plattformen

Da beide Lösungen technisch eng miteinander verwandt sind, hängt die Wahl häufig weniger von der Architektur als von organisatorischen Anforderungen ab.

Bareos empfiehlt sich vor allem für Organisationen, die eine vollständig offene Software-Plattform bevorzugen oder ihre Backup-Infrastruktur stark automatisieren möchten. Auch Linux-orientierte Infrastrukturumgebungen und Managed-Service-Provider greifen häufig zu Bareos, da sich das System gut in automatisierte Betriebsprozesse integrieren lässt.

Bacula kann hingegen für Unternehmen interessant sein, die gezielt auf eine kommerzielle Enterprise-Plattform mit klar definierten Hersteller-Supportstrukturen setzen oder bereits bestehende Bacula-Installationen betreiben. In solchen Fällen kann die Bacula Enterprise Edition zusätzliche Funktionen bieten, die speziell für kommerzielle Umgebungen entwickelt wurden.

In vielen technischen Bereichen bleiben beide Systeme jedoch vergleichbar leistungsfähig, da sie aus derselben grundlegenden Architektur hervorgegangen sind.

Bareos bewegt sich im Markt für Backup- und Data-Protection-Software. Neben Bareos und Bacula existieren zahlreiche weitere Lösungen, darunter kommerzielle Plattformen wie Acronis, Commvault oder Veeam. Diese setzen stark auf grafische Benutzeroberflächen und vorkonfigurierte Workflows, um die Einrichtung und den Betrieb zu vereinfachen. Bareos positioniert sich dagegen stärker als flexible Infrastrukturplattform, die sich an individuelle Anforderungen anpassen lässt.

Fazit: Restore-Verifikation und digitale Souveränität als zentrale Argumente

Bareos legt Wert auf seinen Restore-First-Ansatz und kann Verify-Jobs ausführen. Dabei werden die gespeicherten Daten mit ihrer ursprünglichen digitalen Signatur verglichen. So sollen sich stille Datenkorruptionen (Bit Rot) frühzeitig erkennen lassen, bevor sie zum Problem werden. Zudem kann die Software Restore-Jobs automatisch ausführen. Dabei wird die komplette Restore-Kette geprüft – vom Lesen der Daten vom Backup-Medium bis zur Wiederherstellung auf dem Zielsystem. Laut Hersteller wird so aus »Wir nehmen an, dass alles passt« ein regelmäßiger Check. Sollte etwas nicht stimmen, sollen IT-Manager dies im normalen Betrieb bemerken und nicht erst im Ernstfall.

Im Kontext der zunehmend diskutierten digitalen Souveränität kann Bareos zusätzlich eine strategische Rolle spielen. Durch den offenen Quellcode und die plattformübergreifende Architektur behalten IT-Organisationen die Kontrolle über ihre Backup-Infrastruktur und ihre Daten. Sie sind nicht an proprietäre Plattformen oder bestimmte Betriebssysteme gebunden und können ihre Datensicherungsstrategie unabhängig gestalten. Gerade für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen, die technologische Abhängigkeiten reduzieren möchten, kann dieser Aspekt ein wichtiges Argument sein.

Interessant ist die Lösung für Linux-orientierte Infrastrukturumgebungen und Organisationen, die auf offene Software und unabhängige Backup-Strategien setzen. Der größte Vorteil liegt in der Kombination aus Flexibilität, Transparenz und vergleichsweise niedrigen Kosten. Dem steht eine gewisse Komplexität gegenüber, da Einrichtung und Betrieb technisches Know-how voraussetzen. Für technisch versierte IT-Abteilungen kann Bareos daher eine ernstzunehmende Alternative zu proprietären Backup-Systemen darstellen.

Kurzinfo: Bareos

Hersteller: Bareos GmbH & Co. KG
Zollstockgürtel 65, 50969 Köln
Tel. +49 221 630693-0
Web: https://www.bareos.com/

Technisch Details

  • Lizenzmodell: Open Source (AGPLv3), kommerzielle Subscriptions für Support und Wartung
  • Architektur: Client-Server-Architektur, Director zur Steuerung der Backup-Jobs, Storage-Daemon für Backup-Speicher, File-Daemon als Backup-Agent auf Clients, Backup-Katalog in relationaler Datenbank (z. B. PostgreSQL)
  • Unterstützte Plattformen: Linux, Windows, macOS, Unix / BSD
  • Unterstützte Speicherziele: Disk-Storage, Tape, Tape-Librarys, Cloud-Storage (inkl. S3-kompatible Systeme)