24.07.2014 (eh)
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Cloud verändert Anforderungen an den Systemadministrator

Am morgigen Freitag, dem 25. Juli 2014, ist internationaler Tag des Systemadministrators. Ein Feiertag für über 100 000 Systemadministratoren. Im Interview mit speicherguide.de erläutert Ralf Weber, Geschäftsführer beim IT-Beratungsunternehmen networks direkt, warum der Tag so wichtig ist, und wie sich die Anforderungen an den Systemadministrator mit der Cloud geändert haben.

  Herr Weber, den »System Administration Appreciation Day« gibt es seit dem Jahr 2000. Ist so ein Tag immer noch vonnöten?

Ralf Weber, Geschäftsführer, networks direktRalf Weber, Geschäftsführer, networks direktWeber: Ja. Denn an diesem Tag wird an die Menschen gedacht, die für den Erfolg eines Unternehmens in der heutigen Zeit lebenswichtig sind. Leider denkt man erst an sie, wenn irgendetwas in der IT nicht funktioniert. Dabei sind sie es, die in dieser schnelllebigen Zeit mit immer größeren Anforderungen konfrontiert werden. Sie sorgen für die Sicherheit im Unternehmen und dafür, dass die internen Arbeitsabläufe störungsfrei funktionieren oder im Störungsfall umgehend wiederhergestellt werden. Denn ganz ohne Störungen geht es in der IT nun mal nicht.

  Inwiefern haben sich die Herausforderungen für Systemadministratoren geändert?

Weber: Der Zeitfaktor und der Aufgabenbereich haben sich rapide gewandelt. Bisher waren Administratoren meist als Experten für einen Teilbereich im IT Betrieb zuständig, wie beispielsweise den Serveraufbau oder die Installation einer Firewall. Diese Aufgaben konnten sie in fünf bis sieben Tagen entwickeln und umsetzen. Heute ist dies so nicht mehr möglich. Cloud-Operations und das Management von virtualisierten Umgebungen erwartet Schnelligkeit. Firewall-Regeln sowie Server müssen manchmal innerhalb weniger Minuten in der Cloud installiert sein. Auch der Aufgabenbereich ist größer geworden. Der Administrator kann sich nicht mehr nur einer Sache widmen, sondern muss für viele Anforderungen schnelle Lösungen finden. Die Zuständigkeit wechselt von der Systemebene auf die gesamte Infrastruktur, ohne dabei an Tiefgang und Qualität zu verlieren.

  Wenn sich jemand für den Job eines Systemadministratoren interessiert – welches Profil müssen IT-Leute heute mitbringen?

Weber: Der Systemadministrator muss zwei Eigenschaften mitbringen: Er muss Spaß daran haben, die notwendigen standardisierten Prozesse abzuarbeiten; und er muss auch schnell reagieren, mit seiner Expertise Lösungen finden, wenn es Probleme gibt. Wir brauchen heute Persönlichkeiten, die ein breites Wissen aufweisen und auf alle auftretenden Krisen eine schnelle Antwort haben. Nicht Bastler sind gefragt, sondern Köpfe, die flexibel und innovativ an Aufgaben herangehen.

  Was bedeutet dies für Unternehmen?

Weber: Innerhalb von Unternehmen bedeutet dies, dass sich das Berufsbild des »internen ITlers« vom »Entwickler und Operator« zum »Architekten und Steuermann« verschiebt. Die Agilität nimmt durch die bereitgestellten Cloud-Services in Unternehmen deutlich zu: Neue Services kommen in kürzeren Abständen dazu; bestehende Services werden kurzfristig verändert, nicht mehr benötigt oder durch andere Anbieter bereitgestellt.

  Heißt, der Administrator von heute muss immer flexibler und flexibler werden…

Weber: Richtig, aber trotz der Agilität muss der stabile Betrieb sichergestellt sein. Dies erfordert massiv andere Fähigkeiten und setzt eine hohe Wandlungskompetenz voraus. Hierzu gehören interdisziplinäres IT-Fachwissen über Technologien und Prozesse, Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein in der Bearbeitung von Standard-Tätigkeiten und in der Pflege von Dokumentationen sowie Kreativität in der Optimierung von Infrastrukturen. Gleichzeitig muss der ITler trotz geforderter Reaktionsschnelligkeit in Fehlersituationen einen klaren Kopf bewahren und strukturiert vorgehen können. Damit entwickelt sich der ITler zunehmend zum Experten, der schnell und kompetent komplexe Anforderungen meistert.

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