Offline: Ukraine attackiert russische Cloud-Rechenzentren

Offline: Ukraine attackiert russische Cloud-RechenzentrenUkrainische Drohnen haben mehrere Rechenzentren des russischen Technologiekonzerns Yandex getroffen. Cloud-Dienste fielen aus, wichtige KI-Infrastruktur ist betroffen. Die Angriffe zeigen, wie verwundbar zentrale IT-Plattformen sind. Und sie werfen eine Frage auf, die auch europäische Unternehmen betrifft: Was passiert, wenn ein wichtiger Cloud-Anbieter plötzlich ausfällt?

Ukrainische Drohnen haben zwischen dem 8. und 11. Oktober mehrere Rechenzentren des russischen Technologiekonzerns Yandex angegriffen. Betroffen sind Standorte in Sasowo, Kaluga und Wladimir. Nach Angaben von Reuters mussten Rechenzentren ihren Betrieb einstellen, weitere Infrastruktur wurde beschädigt. Auch verschiedene Internet- und Cloud-Dienste waren nicht mehr erreichbar.

Yandex gilt als eine Mischung aus russischem AWS und Google. Tatsächlich reicht die Bedeutung des Konzerns weit darüber hinaus. Neben Suchmaschine und Cloud-Infrastruktur betreibt Yandex unter anderem KI-Dienste, Zahlungsplattformen und zahlreiche digitale Anwendungen. Im Rechenzentrum Sasowo befinden sich zudem zwei der drei Supercomputer, die der Konzern für seine KI-Entwicklung nutzt. Ob diese beschädigt wurden, ist bislang unklar.

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Wenn aus Effizienz ein Klumpenrisiko wird

Die Angriffe zeigen, welche Folgen die Konzentration digitaler Dienste auf wenige Infrastrukturstandorte haben kann. Fallen zentrale Rechenzentren aus, sind nicht nur einzelne Anwendungen betroffen. Die Störungen können sich auf Unternehmen, Kommunikationsdienste und ganze digitale Geschäftsprozesse ausweiten. Genau darin liegt das sogenannte Klumpenrisiko: Viele Dienste und Unternehmen hängen von derselben Infrastruktur ab. Fällt diese aus, trifft es alle gleichzeitig.

Dabei ist das Problem keineswegs auf Russland beschränkt. Auch in Europa verlagern Unternehmen zunehmend geschäftskritische Anwendungen zu wenigen großen Cloud-Anbietern. AWS, Microsoft Azure und Google Cloud verfügen zwar über geografisch verteilte Infrastrukturen. Dennoch entstehen Abhängigkeiten von gemeinsamen Plattformdiensten, Identitätssystemen, Schnittstellen und Verwaltungsfunktionen.

Georedundanz allein löst dieses Problem nicht. Wer mehrere Regionen desselben Anbieters nutzt, bleibt von dessen technischen und organisatorischen Strukturen abhängig. Ein überregionaler Ausfall, ein Cyberangriff oder eine politische Entscheidung kann deshalb auch geografisch getrennte Systeme betreffen.

Wie weitreichend solche Ausfälle sein können, zeigte sich im März 2026 auch bei Amazon Web Services (AWS). Nach Drohnenangriffen auf Rechenzentren in Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten bestätigte AWS im September, dass Daten und Ressourcen, die ausschließlich in bestimmten betroffenen Regionen bzw. Availability-Zones gespeichert waren, nicht wiederhergestellt werden konnten. In Bahrain überstiegen die Schäden nach Angaben des Anbieters sogar die Belastungsgrenzen der regionalen Redundanzmechanismen. Kunden ohne zusätzliche Sicherung außerhalb der betroffenen Infrastruktur drohte damit ein dauerhafter Datenverlust.

Digitale Resilienz bedeutet mehr als ein Backup in einer anderen Region. Unternehmen benötigen unabhängige Wiederanlaufmöglichkeiten, getestete Notfallverfahren und realistische Exit-Strategien. Dazu gehören auch die Verfügbarkeit von Daten, Anwendungen und den erforderlichen Zugangsdaten außerhalb der primären Cloud.

Und was ist mit den russischen Propaganda-Bots?

Nach den Angriffen berichtete das US-Technikmagazin Tom's Hardware über einen massiven Einbruch russischer Bot-Aktivitäten. Demnach sank der automatisierte Datenverkehr aus dem Yandex-Netz laut Cloudflare auf nur noch 0,4 Prozent des zuvor gemessenen Höchstwerts. In sozialen Netzwerken lesen wir Postings, dass kritische Beiträge über die AfD plötzlich deutlich weniger automatisierte Gegenreaktionen erhalten.

Ein Zusammenhang ist bislang nicht belegt. Die Cloudflare-Daten erfassen vor allem automatisierte Zugriffe wie die von Suchmaschinen-Webcrawlern, nicht gezielt politische Propaganda-Bots. Darauf verweist auch das US-Magazin The Verge. Laut dem Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS) lässt sich bislang kein entsprechender Rückgang russischer Desinformationskampagnen feststellen.

Die Beobachtungen bleiben damit natürlich Spekulation. Aus der Luft gegriffen halten wir sie in der speicherguide.de-Redaktion allerdings nicht. Die eigentliche Erkenntnis ist ohnehin eine andere: Digitale Infrastruktur ist längst ein strategisches Angriffsziel. Und wer seine IT zu stark von einzelnen Plattformen abhängig macht, schafft Risiken, die sich mit einem klassischen Backup allein nicht beherrschen lassen.