16.12.2015 (eh)
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Prognose: RSA-Meinung zur Cybersicherheit im Jahr 2016

  • Inhalt dieses Artikels
  • Prognose: RSA-Meinung zur Cybersicherheit im Jahr 2016
  • Es gab einen Sicherheitsvorfall? Analysieren, analysieren!
  • Für diese Trends sollten sich Organisationen und unsere Branche generell im Jahr 2016 wappnen
  • Was sind die Ziele von Hacktivisten?
  • Ins Hacker-Fadenkreuz gerückt: industrielle Steuerungssysteme
  • Sicherheitsbranche bekam zu viel Venture-Kapital

Das praktisch abgelaufene Jahr 2015 erlebte Cyberangriffe wie noch nie. 2015 war auch das Jahr, in dem nach Ansicht von Amit Yoran, President von RSA, Sicherheitsanbieter vorgaben, dass sie Advanced-Persistent-Threats vorbeugen können – und dazu leider nicht in der Lage waren. Maue Aussichten also für 2016 aus Sicht der IT-Security-Branche.

*** Gastkommentar von Amit Yoran, President von RSA, The Security Division of EMC ***

Amit Yoran, President, RSA, The Security Division of EMCAmit Yoran, President, RSA, The Security Division of EMC2015 haben wir in der IT-Sicherheitsbranche eine strategische Wende gesehen: weg vom fast schon manischen Fokus auf Prävention, hin zu einer besseren Balance von Monitoring, Angriffserkennung und Reaktion. Es ist zum Klischee geworden zu sagen, dass Sicherheitsvorfälle unvermeidbar und ein schnelles Erkennen und das genaue Bestimmen der Angriffe unerlässlich sind.

In diesem Jahr entwickelten sich die Cybergefahren schneller, als die meisten Organisationen sie entdecken und Gegenmaßnahmen ergreifen konnten. Was noch vor kurzem als Advanced-Threat eingeschätzt wurde, ist heute bereits ein Alltagsphänomen – denn ausgeklügelte Schadsoftware und Exploits stehen zum Preis eines Kinotickets zur Verfügung.

Es gab einen Sicherheitsvorfall? Analysieren, analysieren!

So besorgniserregend diese Beobachtungen auch scheinen, die einflussreichste Entwicklung findet beinahe unbemerkt statt und ist noch gänzlich unverstanden: Die gefährlichste Bedrohung geht von komplexen Angriffskampagnen aus, die mit verschiedenen Exploit-Methoden pausenlose Attacken auf diverse Einfallstore ausführen und Backdoors installieren. Daher ist die unvollständige Analyse von Sicherheitsvorfällen zu einer der folgenschwersten Fehlerquellen von IT-Security-Teams geworden.

2015 war auch das Jahr, in dem Sicherheitsanbieter vorgaben, dass sie Advanced-Persistent-Threats (APT) vorbeugen können – und dazu leider nicht in der Lage waren. Unternehmen haben erkannt, dass sie ihre digitalen Umgebungen auf eine ganz neue Art überwachen und schützen müssen – und doch stützen sie ihre Security-Programme auf die gleichen Technologien und Ansätze wie bisher. Sie haben ihre Maßnahmen nicht geändert, hofften aber wie durch ein Wunder auf ein anderes Ergebnis.

Für diese Trends sollten sich Organisationen und unsere Branche generell im Jahr 2016 wappnen

Strategische Datenmanipulation: Unternehmen wird klar werden, dass sich Angreifer nicht nur Zugang zu ihren Daten verschaffen, sondern dass sie diese auch manipulieren. Es kann schwerwiegende Folgen haben, wenn Unternehmen maßgebliche wirtschaftliche Entscheidungen auf Grundlage falscher Daten treffen. Verfälschte Daten könnten beispielsweise zu verheerenden Folgen bei der Einrichtung von betrieblichen Steuerungssystemen oder den Abläufen von Produktionsprozessen führen.

Vermehrte Attacken auf Anwendungsdienstleister: Immer mehr Organisationen vertrauen auf As-a-Service-Modelle und verlagern selbst sensible Daten und Anwendungen in die Cloud. Diese geballte Sammlung wertvoller Daten vieler verschiedener Unternehmen stellt für Cyberkriminelle und Cyberspione ein extrem lukratives Ziel dar. Das Risiko, dem dritte Parteien ausgesetzt sind, verdient deutlich mehr Berücksichtigung als bisher.

Was sind die Ziele von Hacktivisten?

Hacktivismus mit undurchsichtigen Zielen: Da die Werkzeuge für Cyberattacken immer mehr Verbreitung finden, sinken die Kosten für einen Hackerangriff dramatisch. Die Folge: Immer mehr Angriffe verfolgen in erster Linie nicht mehr finanzielle Interessen.

Neben dem technisch versierten Kollektiv an Hacktivisten wie Anonymous gibt es mittlerweile zahlreiche Akteure, die weniger professionell agieren und sich als eine Art digitale Bürgerwehr sehen. Die Security-Manager sollten sich deshalb nicht nur mit den Sicherheitsbedrohungen beschäftigen, sondern sich auch fragen, warum, wo und wie sie angegriffen werden.

Ins Hacker-Fadenkreuz gerückt: industrielle Steuerungssysteme

Industrielle Steuerungssysteme im Stresstest: In den vergangenen drei Jahren ist die Zahl der Angriffe auf die Betriebssysteme von Chemie-, Elektrizitäts- und Wasserwerken sowie auf das Transportwesen um das 17-Fache gestiegen. Die Verbreitung von vernetzten und automatisierten Sensoren im »Internet der Dinge« (Internet of Things; IoT) verschärft diese Problemlage nochmals drastisch.

Da immer mehr Angreifer Cybertechnologien nutzen, die industriellen Steuerungssysteme generell nur unzureichend geschützt sind und ein erfolgreicher Angriff auf ein Kraftwerk oder die Wasserversorgung große Auswirkungen hat, ist ein Angriff auf ein mit der Grundversorgung betrautes Unternehmen im Jahr 2016 sehr wahrscheinlich.

Sicherheitsbranche bekam zu viel Venture-Kapital

Gesundschrumpfen der Sicherheitsbranche: Unsere Branche wurde in der jüngeren Vergangenheit von Venture-Kapital überschüttet. In der Folge gab es viele Investitionen in Strategien und Technologien, die man bestenfalls als Placebo bezeichnen kann.

Je fortgeschrittener die Sicherheitsprogramme der Organisationen werden, desto klarer wird den Verantwortlichen, dass die Behauptungen über die mögliche Abwehr von Advanced-Threats reine Fantasie sind. Diese Erkenntnis wiederum beeinflusst deren zukünftige Security-Investitionsentscheidungen, sodass wir ein Gesundschrumpfen in der Sicherheitsbranche erwarten.

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