Ionos: Mittelstand sieht KI positiv, misstraut aber Anbietern
Der deutsche Mittelstand entdeckt KI für sich – doch das Vertrauen bleibt brüchig. Eine aktuelle Ionos-Studie zeigt eine wachsende Offenheit gegenüber KI-Technologien, gleichzeitig aber tief sitzende Skepsis gegenüber Anbietern aus den USA und China. Ohne Datensouveränität dürfte der Durchbruch ausbleiben.
Der deutsche Mittelstand zeigt sich bei Künstlicher Intelligenz (KI) deutlich aufgeschlossener als noch vor wenigen Jahren. Laut einer aktuellen Studie von IONOS in Zusammenarbeit mit YouGov bewerten rund 65 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) die Entwicklung rund um KI positiv. Die Ergebnisse basieren auf einer Befragung von etwa 4.000 Entscheidern in fünf europäischen Ländern.
Optimismus wächst, Unsicherheit bleibt
Die Zahlen deuten auf einen Stimmungswandel hin. Während die Digitalisierung im Mittelstand lange als zögerlich galt, scheint sich die Haltung gegenüber KI-Technologien zu verändern. 42 Prozent der Befragten beschreiben die Entwicklung im eigenen Unternehmen als optimistisch, weitere 23 Prozent als neugierig. Nur ein kleiner Teil fühlt sich überfordert.
Dieser vorsichtige Optimismus ist jedoch an klare Bedingungen geknüpft. Im Mittelpunkt steht die Kontrolle über Unternehmensdaten. Für viele Betriebe bleibt dies eine zentrale Voraussetzung für den Einsatz von KI-Lösungen.
Vertrauen als entscheidender Faktor bei der Anbieterwahl
Parallel zur wachsenden Offenheit zeigt sich ein ausgeprägtes Misstrauen gegenüber außereuropäischen Anbietern. Mehr als die Hälfte der deutschen KMU äußert Bedenken, dass Daten in Drittstaaten wie den USA oder China abfließen könnten. Ebenso viele Unternehmen sorgen sich um die Qualität und Nachvollziehbarkeit von KI-Ergebnissen.
Diese Skepsis prägt die Anforderungen an KI-Lösungen deutlich. Verlässliche Resultate stehen für 55 Prozent der Befragten an erster Stelle. 43 Prozent nennen die Einhaltung regulatorischer Vorgaben als entscheidend. Für 36 Prozent ist ein Anbieter aus Deutschland oder Europa eine grundlegende Voraussetzung für den Unternehmenseinsatz.
»Der deutsche Mittelstand hat verstanden, worum es geht«, meint Ionos-CEO Achim Weiß. »KI ja, aber nur, wenn Daten und Kontrolle in den eigenen Händen bleiben. Souveräne KI ist die Grundvoraussetzung, um technologisch unabhängig zu bleiben. Richtig eingesetzt wird sie zum entscheidenden Hebel gegen den Fachkräftemangel. Sie steigert Effizienz und Produktivität – und sichert genau die Innovationen, die unser Standort jetzt braucht.«
Kaufkriterien für KI: Was Unternehmen wichtig ist(Bild: Ionos/Yougov )
Sicherheitsbedenken prägen den europäischen Markt
Die Studie zeigt zudem, dass Sicherheitsbedenken kein rein deutsches Phänomen sind. In allen untersuchten Ländern äußert etwa die Hälfte der Unternehmen Sorgen hinsichtlich möglicher Datenverluste oder unbefugter Zugriffe. Besonders ausgeprägt ist das Misstrauen gegenüber außereuropäischen KI-Anbietern in Deutschland und Frankreich.
Gleichzeitig überwiegt europaweit eine positive Grundhaltung gegenüber KI. In Spanien und Frankreich liegt der Anteil der Unternehmen mit positiver Einschätzung sogar über dem deutschen Niveau. Trotz unterschiedlicher Ausprägungen eint die befragten KMU ein zentrales Kriterium: die Verlässlichkeit der Ergebnisse. In allen Ländern wird sie als wichtigster Faktor bei der Auswahl von KI-Lösungen genannt.
KI in Europa: Zwischen Optimismus und Datenangst (Bild: Ionos/Yougov)
Vertrauen entscheidet über den KI-Einsatz
Die Ergebnisse verdeutlichen ein Spannungsfeld: Unternehmen erkennen die Potenziale von KI, stellen jedoch hohe Anforderungen an Sicherheit, Transparenz und rechtliche Konformität. Der Einsatz entsprechender Technologien hängt damit weniger von der grundsätzlichen Akzeptanz ab, sondern vielmehr vom Vertrauen in Anbieter und deren Lösungen.
Vor diesem Hintergrund gewinnt das Thema Datensouveränität weiter an Bedeutung. Anbieter, die nachvollziehbare Ergebnisse liefern und gleichzeitig die Kontrolle über Daten gewährleisten, dürften im Wettbewerb um den Mittelstand eine entscheidende Rolle spielen.