14.12.2013 (eh)
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Attingo-Hitliste: Kuriose Datenverlust-Vorfälle 2013

Von der bereits geöffneten Festplatte bis zum falsch konfigurierten RAID-System, vom fast verbrannten Laptop bis zum Laptop im Beton reichen die Ursachen für die skurrilsten Datenverlustfälle 2013. Hier die Top-10-Liste aus den Datenrettungslabors von Attingo. In einem Fall mit Disketten mussten sogar die Profis kapitulieren.

In solchen Fällen springen Datenretter wie Attingo ein. Das Unternehmen mit seinen Laboren in Hamburg, Wien und Amsterdam kann in mehr als 90 Prozent der Fälle auch unwiederbringlich verloren geglaubte Datensätze rekonstruieren. Der Rückblick 2013 beleuchtet Highlights aus der Datenrettung – abenteuerlich, lehrreich, kurios. Und durchaus auch geeignet für »gute Vorsätze 2014«.

Kokosraspel zeigten: Kunde hatte Festplatte selbst geöffnet (Bild: Attingo)
Kokosraspel zeigten: Kunde hatte Festplatte selbst geöffnet (Bild: Attingo)
Kulinarische Köstlichkeiten in der Festplatte: Per Post erreichte Attingo ohne Vorankündigung eine Festplatte, zum Glück mit einer Telefonnummer auf einem Stück Zeitungspapier. Die Datenretter bemerkten sofort das gebrochene Siegel auf der Festplatte und kontaktierten den Kunden, was denn mit dem Datenträger passiert sei. »Die Festplatte ist runtergefallen, und ich habe dann auf meinem ganz sauberen Schreibtisch nur kurz hineingeschaut, ob der Arm hängen geblieben ist«, meinte der Kunde. Die Diagnose im Reinraum ergab jedoch, dass eigenartige, weiße Flöckchen im Inneren der Platte verteilt waren: Kokosraspeln.

Hardcore Gamer zockt auch in der Badewanne: Im Februar 2013 erreichte die Datenretter ein nach Meinung von Attingo »schier unglaublicher Fall«: Ein 18 jähriger Jugendlicher wollte auch in der Badewanne nicht auf sein Spielvergnügen verzichten. So legte er sich einfach mit dem Laptop in die Badewanne, und lief mit seinem virtuellen Ich durch die Spiel-Landschaften. Als es unerwartet an der Tür läutete passierte der Gau: Der Laptop fiel in die Badewanne. Der Spielstand war zwar online gespeichert, jedoch waren auch Arbeiten für das Abitur auf der Festplatte gespeichert.

Feuer ließ Laptop mit Maus und Stiften verschmelzen (Bild: Attingo)
Feuer ließ Laptop mit Maus und Stiften verschmelzen (Bild: Attingo)
Der Brand: Eine Ärztin hat Praxis und Wohnung praktischerweise im selben Haus. Im Januar des Jahres hatte sie aufgrund der Kälte einen Heizlüfter neben ihrem Schreibtisch aufgestellt, welcher mit Laptop, Datensicherungsfestplatte sowie viel Papier bevölkert war. Zu Mittag ging die Frau Doktor in ihre Wohnung zum Essen. Als sie wieder zurück in die Praxis kam, stand diese in Flammen. Ein gefährlicher Versuch, den Laptop noch zu retten, wurde zum Glück rechtzeitig abgebrochen, und somit erlitt die Ärztin nur eine leichte Rauchgasvergiftung. Das Bild des verbrannten Laptops war fatal: Sowohl die Computermaus, als auch einige Kugelschreiber waren mit dem Gehäuse des Laptops verschmolzen. Die Datenrettung war trotzdem zum größten Teil erfolgreich.

Datenrettungstourist, oder die Abenteuer einer defekten Festplatte: Attingo erhält häufig Datenträger, die von einem Mitbewerber bearbeitet wurden. Aber ein Datenträger, der bereits durch die Hände von vier Anbietern gegangen war, sei ein Novum. Die vom Kunden übermittelten Schreiben der Datenretter übertrafen alles bisher Gesehene: Die Begründungen, warum eine Rekonstruktion nicht möglich sei, reichten von »Motor defekt« über »Kappute Kopfe der Festplate« (wirklich so!) bis hin zu »Defekt. Datenrettung nicht möglich«. Attingo-Techniker stellten jedoch fest, dass in Wirklichkeit ein Fehler in der Festplatten-Firmware (Software der Festplatte) vorlag.

Tot durch Überfahren: Oft werden Datenträger mit einer Fehlerbeschreibung eingesandt, die nichts mit den Tatsachen zu tun hat, vermutlich aus Angst vor den eigenen Vorgesetzten. In einem Fall lautete die Fehlerbeschreibung: »Die externe Festplatte funktionierte nach dem Anstecken an USB plötzlich nicht mehr.« Die äußere Optik ließ jedoch etwas anderes vermuten: Massive Schäden am externen Gehäuse und der Festplatte selbst. Nach erneutem Nachfragen beim Kunden gestand dieser, dass der Datenträger versehentlich von einem Baufahrzeug überfahren wurde. Die gute Nachricht: Auch in diesem Fall konnte Attingo die benötigten Daten noch rekonstruieren.

Datenrettung, oder doch Datenlöschung? Eine Bank sendete Attingo drei Festplatten im High-Priority-Verfahren (die Bearbeitung erfolgt dann rund um die Uhr) zur Datenrettung ein. Auf Rückfrage, was denn vorgefallen sei und was für Daten gesucht werden, meinte der Kunde nur, das wisse er nicht. Die Diagnose der Festplatten ergab, dass die Datenträger keine Daten enthielten, sondern nur mit Null-Zeichen gefüllt waren. Deshalb vermuteten die Datenretter, dass es sich in Wirklichkeit um einen Test des internen Datenvernichtungsverfahrens der Bank handelte. So entschieden sich die Techniker, auch die defekten Bereiche, die von der Festplatte bereits ausgeblendet und durch Reservesektoren ersetzt waren, zu analysieren. Und siehe da, es wurden teils sensible Fragmente von Excel-Dokumenten gefunden. Der Kunde war wenig erfreut. Ein anschließendes Consulting durch Attingo öffnete der IT der Bank die Augen, was bei Datenlöschung zu beachten ist.

Daten nicht mehr rettbar: abgetragene Magnetschicht bei Disketten (Bild: Attingo)
Daten nicht mehr rettbar: abgetragene Magnetschicht bei Disketten (Bild: Attingo)
Die Vernichtung von Zertifikaten: Die Attingo-Kundenbetreuung erhielt einen Anruf, dass mehrere Disketten, die etwa fünf Jahre im Tresor gelagert waren, nicht mehr lesbar sind. Sehr wichtige »Master-Zertifikate« sind auf den Floppies gespeichert, welche nun unbedingt benötigt werden. Wie immer machten die Datenretter auch in diesem Fall den Kunden darauf aufmerksam, die Datenträger nicht mehr unter Strom zu setzen bzw. die defekten Disketten weiter zu verwenden. Einige Stunden später meldete sich der Kunde erneut, er möchte jetzt die Datenträger zu uns bringen, es sei immer noch kein Zugriff möglich. Erneut informierten wir über die Gefahr, dass der Schaden bei weiteren Versuchen größer werden könnte. Der Kunde: »Ja, er hat sich schon gewundert. Als er die Disketten aus dem Tresor genommen hat, waren die Magnetscheiben noch schwarz, jetzt sind sie durchsichtig.« Die Magnetschichten aller Disketten waren mittlerweile abgetragen. Eine Datenrettung war somit leider nicht mehr möglich.

Multipler Festplattenausfall durch Bauarbeiten: Ein RAID-System ist etwas Feines: Die Redundanz schützt bei entsprechender Konfiguration vor dem Ausfall eines oder mehrerer Datenträger, es ist schnell und bietet große Kapazität. »Wir wissen, dass RAID nicht sicher ist«, schreibt Attingo seit vielen Jahren. Eine Marketingagentur, welche in einer alten Fabrik eingemietet ist, hatte die Server im Erdgeschoß in einem kleinen Raum aufgestellt. Bauarbeiten auf der Straße direkt davor zerrten bereits an den Nerven der Mitarbeiter. Als jedoch plötzlich auch das Datenlaufwerk nicht mehr ansprechbar war, verzweifelten alle. Attingo wurde zu Hilfe gerufen und diagnostizierte, dass alle acht Festplatten im RAID-Verbund defekt waren. Durch eine plötzliche massive Erschütterung bei den Bauarbeiten sind die Schreib-Lese-Köpfe aller Festplatten gleichzeitig auf den Magnetscheiben aufgeschlagen und in Folge abgerissen.

In Frischbeton gefallener Laptop (Bild: Attingo)
In Frischbeton gefallener Laptop (Bild: Attingo)
Der Laptop mit »Betonpatscherl«: Eine Familie erweiterte im Sommer ihr Einfamilienhaus. Dazu wurde eine Bodenplatte betoniert. Neugierig beobachteten vom darüber liegenden Balkon die Familienmitglieder das Geschehen. Die kleine Tochter des Hauses hatte den Laptop auf der Einfriedungsmauer abgestellt. Gerade als der Beton auf die Bewehrung gepumpt wurde, fiel dem Mädchen der Laptop in die zähflüssige Masse. Das Gerät konnte noch herausgefischt werden, jedoch mussten Attingo-Techniker einerseits vorsichtig, andererseits mit Gewalt den mittlerweile gehärteten Beton entfernen, um an die Festplatte für die Datenrettung heranzukommen.

Aus Fehlern lernt man: Das dachte sich auch einer der Attingo-Kunden, dessen Firmenserver bereits vor drei Jahren auf einem OP-Tisch der Datenretter lag, da die einzige verbaute Festplatte verstarb. Aus Fehlern lernt man – deshalb wurde ein neuer Server angeschafft. Und die Frage ist nicht, ob man paranoid ist, sondern ob man paranoid genug ist: Der IT-Betreuer wurde beauftragt, fünf Festplatten in einer Spiegelung (RAID-1) zu installieren. Als die Daten diesen Herbst plötzlich nicht mehr abrufbar waren, stellte sich heraus, dass der Datenträgerverbund fehlerhaft konfiguriert worden war. Es war statt einem RAID-1 ein RAID-0 eingerichtet, bei dem die Daten bereits nach dem Ausfall einer einzigen Festplatte nicht mehr verfügbar sind. Und wieder landete ein Server des Kunden im Attingo-Labor.

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