10.05.2019 (Doc Storage)
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Wird Flash nun auch zum Backup-Medium?

Leserfrage: Wenn es um »heiße Daten« und hohe Workloads geht, sind SSDs und Flash-Systeme erste Wahl. Nun bringen einige Hersteller Flash auch fürs Backup ins Spiel. Damit soll sich das Sicherungsfenster reduzieren und bei Bedarf ein schnelles Recovery bewerkstelligen lassen. Man hält nur die aktuellen Sicherungen auf den schnellen Flash-Systemen vor und verschiebt die Sicherungen, nach beispielsweise einer Woche auf ein günstigeres Medium. Macht das aus Ihrer Sicht Sinn (auch aus Kostengründen)?

Antwort Doc Storage:

Und wieder die immer gleiche Antwort: das kommt drauf an. Natürlich lässt sich das Backup-Fenster durch den Einsatz von SSDs und die Nutzung der wesentlich höheren Schreibleistungen verkleinern. Allerdings sollte man sich das aktuelle (wahrscheinlich auf herkömmlichen HDDs beruhende) Verfahren ansehen. Die vermutlich nachts zwischen zwei Arbeitstagen angefertigte Sicherung sollte schon »gefährlich« an den Arbeitsbeginn heranreichen, um den Einsatz von Festspeichermedien und die dadurch entstehenden Mehrkosten zu rechtfertigen. Immerhin liegen die Kosten für 2-TByte-SSDs um die 200 Euro, für 4 TByte gar bei 500 bis 550 Euro, darunter sind sie bisher kaum zu bekommen. Für denselben Preis erhält man die dreifache Festplatten-Kapazität.

Dafür lässt sich das Backup-Fenster je nach eingesetzter Software dritteln oder noch weiter verkleinern. Man sollte also in die Rechnung einbeziehen, was mit der gewonnenen Zeit angefangen und so eventuell der anfallende Mehrpreis in mittelfristiger oder kurzer Zeit wieder herausgewirtschaftet werden kann. Betrachtet man das Ganze von der Recovery-Seite, fallen dieselben Algorithmen an. Wie teuer ist es, wenn der Betrieb während einer Wiederherstellung nicht arbeiten kann bzw. bestimmte Umsätze in dieser Zeit nicht erwirtschaftet werden können. Auch hier dürften sich die Mehrkosten schnell amortisieren.

Leider lässt sich der Unterschied in der Leistungsfähigkeit zwischen Platten und SSDs nur schätzen oder annähernd errechnen. Letztlich kommt man nicht umhin, die tatsächliche Differenz mit einem entsprechend ausgerüsteten Speichersystem und der einschlägig verwendeten Software über eine bestimmte Zeit zu testen und so handfeste Daten für diese Rechnungen zu erhalten.

Als einziges Argument führen die Befürworter eines möglichst preiswerten Disk-Backups an, dass ihnen bzw. dem Unternehmen ein Ausfall mit der Notwendigkeit eines Voll-Recoverys noch nie passiert ist. Das diskutiere ich nicht, denn wenn Technik mit Menschen zusammenarbeitet, kann ein solcher Fall immer auftreten.

Backup/Recovery: SSD und HDD beste Kombination

Schaut man sich die meisten produktiven Umgebungen an, ist die von Ihnen beschriebene Architektur, also das Erzeugen und Halten der jeweils aktuellen Backups auf SSDs und das dann folgende Verschieben auf Festplatten, die technisch momentan beste und leistungsfähigste Option.

Man muss allerdings bedenken, dass hierbei in den meisten Fällen eine Voll- und sechs inkrementelle Sicherungen auf den Festspeichern gehalten werden müssen. Es sei denn, der Leistungsunterschied zwischen Festplatten und SSDs stellt sich als so gravierend heraus, dass sich eine Vollsicherung immer, also jeden Tag, erzeugen lässt. Hinzukommt, dass das verwendete Speichersystem oder das Netzwerk über eine bestimmte Zeit mit dem zwischen SSDs und Festplatten zu verschiebenden Daten belastet wird.

Wie sehen Sie es, ist Flash bei Ihnen bereits eine Backup-Alternative? Ich freue mich auf eine rege Diskussion…

Gruß
Doc Storage

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Kommentare (1)
13.05.2019 - hugo.bergmann

Lieber Doc Storage,
gut dass Sie ein kompi von SSD und HDD empfehlen. Sonst wäre ich enttäuscht, denn in der Betrachtung fehlt für Backup die 3-2-1 Regel, also nicht komplett aber halt die Backup Kopie(n) die ausgelagert werden sollen.
Für Auslagerung mit längerer Aufbewahrungszeit eignen sich SSDs nun mal nicht. Bei einem regelmäßigen Backup über die gesamte Kapazität der SSD wird sehr schnell die TBW Spec (Total Bytes Written) überschritten. Die Speicherzellen einer SSD unterliegen einem gewissen Verschleiß und es kommt dann häufiger zu Bit-Fehlern was bei einem normalen Betrieb einer SSD in einem Laptop oder Flash-Array nicht weiter auffällt. Beim Backup dann halt schon, was aber noch viel schlimmer ist, ist die Data-Retention (Aufbewahrungszeit) ohne Strom. Diese sinkt rapide und wenn man seine SSDs dann nicht gerade in einem Gefrierfach lagert, oder die SSD täglich für ein paar Stunden an Strom lässt, kann es sehr schnell zu fatalen Bit-Fehlern in den Backup-Files kommen!...Data-Retention ohne Strom bei SSDs ist ein schwieriges Kapitel und es kann alles sein von wenigen Tagen bis hin zu nur einigen Wochen und Monaten, je nach Qualität der SSD und welchen Flash Speicher man verwendet, wie häufig dieser beschrieben wurde und bei welcher Temperatur die SSD gelagert wird…je kühler umso besser!
Was den Preis betrifft kommt für Backup vermutlich, wenn überhaupt, nur V-NAND in Frage und hier muss man technologisch bedingt sowieso mit der geringsten Data-Retention ohne Strom ausgehen
(1-3 Monate). Eine normale HDD oder Bandlaufwerk mit magnetischem Aufzeichnungsverfahren haben diese Probleme nicht!