16.05.2014 (kfr)
3.5 von 5, (6 Bewertungen)

TIM: »Backup und Archiv bleiben getrennt«

Gerade das Thema Backup & Recovery kennt keinen Stillstand. Ständig steigende Anforderungen halten das Backup/Recovery-Segment in Bewegung. Bei den Herstellern gewinnt das Cloud-Backup gewinnt an Bedeutung, Kunden sehen den Ansatz eher kritisch.

Wir sprachen mit Steffen Knittweis, Consultant und Dominik Wiedel, Produktmanager vom Wiesbadener Storage-Distributor TIM, über die aktuelle Entwicklung in den Bereichen Backup & Recovery, Cloud und Archivierung.

  Was sind in den Unternehmen derzeit die vorrangigsten Backup/Recovery-Anforderungen? Welches sind aus Ihrer Sicht die Problemherde in den RZs? Woran wird aktuell gearbeitet?

Steffen Knittweis, TIMSteffen Knittweis, TIMKnittweis: Neben dem Mix aus virtualisierten und physischen Servern ist für die meisten Rechenzentren einen gewachsene, heterogene IT-Infrastruktur mit unterschiedlichen Betriebssystemen und Applikationen mehrere Hersteller typisch. Oft kommt hierzu noch die Sicherung kleinerer Außenstellen über eine Replikation der Daten. Dies führt in vielen Fällen zu Problemen, da die oftmals geringe Bandbreite ein Flaschenhals darstellt. Derzeit wird mit technologischen wie organisatorischen Möglichkeiten daran gearbeitet, die zu replizierende/sichernde Datenmenge möglichst gering zu halten.

  Kontinuierliche Snapshots werden als mögliches Backup-Konzept für IT-Umgebungen diskutiert? Wie sehen Sie diesen Ansatz?

Dominik Wiedel, TIMDominik Wiedel, TIMWiedel: Der Ansatz mit kontinuierlichen Snapshots zu arbeiten ist eine Möglichkeit der Sicherung geschäftskritischer Daten. Hierdurch werden die zu speichernden Snapshot-Dateien möglichst klein gehalten, was die Integration in die Backup-Umgebung einfacher macht. Allerdings ist ein Nachteil, dass bei dieser Methode kein Medienbruch vorliegt. Das bedeutet, dass die Daten auf demselben Medium liegen.

  Wie sieht für Sie ein sinnvolles Backup-Konzept aus? Worauf sollten Unternehmen bei der Datensicherung achten?

Knittweis: Ein gutes Konzept ist natürlich immer von den jeweiligen individuellen Rahmenbedingungen und Anforderungen des Unternehmens abhängig. Grundsätzlich ist zu evaluieren welche Verfügbarkeit man für die unternehmensrelvanten Informationen benötigt. Hierauf basierend werden geeignete Methoden und Technologien ausgewählt, die eine Einhaltung des erforderlichen Service-Levels ermöglichen.

  Ebenfalls kontrovers diskutiert werden Online-Backup bzw. Backup in die Cloud. Kritisch gesehen, werden die geringe Datenübertragung, und dass unternehmenskritische Daten nicht einfach irgendwo in der Wolke gespeichert werden sollen/dürfen. Wie sehen Sie hier die Marktakzeptanz?

Wiedel: Die Übertragungsrate und vor allem die Unsicherheit, wo die Daten wirklich gespeichert sind, ist ein wesentlicher Nachteil dieser Lösung. Problematisch ist für Unternehmen auch, was mit den Daten beispielsweise nach Kündigung des Cloud-Service passiert. Ein Vorteil ist, dass man keine Kosten für die Anschaffung und das Management eigener Infrastruktur berücksichtigen muss.

Anfragen für die Daten-Speicherung in eine Public-Cloud sind bisher gering. Gerade in der DACH-Region ist spürbar, dass die Daten nur ungerne in fremde Hände gegeben werden. Eine andere Sichtweise herrscht im Bezug auf eine Private-Cloud. Dieses Geschäft wird sich in den nächsten Jahren weiter entwickeln. Ebenfalls werden sich verstärkt auch lokale Backup-Service-Provider, aus dem Kreis der Systemhäuser, durch den Standort und Vertrauensvorteil, etablieren.

  Früher galt die Devise ein Backup ist kein geeigneter Archivierungsansatz. Mittlerweile scheinen die Grenzen immer mehr zu verschwimmen. Wie sehen Sie hier die künftige Entwicklung?

Knittweis: Die Langzeit Aufbewahrung des Backups ist keine Archivierung. Hierbei gilt die recht einfache Regel: »Backup for Recovery – Archiv for Discovery!«

Wiedel: Es gibt allerdings Ansätze in denen diese beiden Technologien näher zusammen geführt werden. Hierbei steht vor allem das Management und die Reduzierung von Speicherplatz im Vordergrund!

Gerade im Bezug auf rechtliche Vorgaben wird die Archivierung geschäftsrelevanter Informationen in den nächsten Jahren weiter zunehmen.