23.10.2017 (kfr)
4.2 von 5, (6 Bewertungen)

Cloud-Backup: Vor- und Nachteile halten sich die Waage

Backup-Daten in die Cloud auszulagern hat für Unternehmen einige Vorteile. Das Investment in Hardware ist geringer. Zudem lagert man den Aufwand weitgehend aus. Allerdings begeben sich Firmen dadurch auch in eine nicht zu unterschätzende Abhängigkeit. Hinzukommen diverse Sicherheitsbedenken. Wir listen gute Gründe auf, die für und gegen Cloud-Backup sprechen.

Cloud-Backup: Vor- und Nachteile halten sich die Waage (Bild: Karl Fröhlich).Cloud-Backup: Vor- und Nachteile halten sich die Waage.Beim Cloud-Backup handelt es sich um eine Datensicherungsmethode. Die zu sichernden Daten werden, über das Internet oder Netzwerk, zu einem externen Speicherplatz übertragen. Dieser befindet sich normalerweise bei einem externen Dienstleister. Tritt lokal ein Datenverlust auf, gibt es noch eine ausgelagerte Kopie. Abgerechnet wird je nach Anbieter über die bereitgestellte oder genutzte Speicherkapazität, dem Transfervolumen bzw. der nutzbaren Bandbreite sowie diverser optionaler Zusatzfunktionen.

Aus dieser Sicht könnte man allerdings auch sagen, Cloud-Backup ist weniger eine Methode, als einfach »nur ein weiterer Datenspeicher«. Je nachdem, aus welchem Blickwinkel man das Thema angeht, ist beides zutreffend. Wie bei jeder Methode und jedem Storage-Medium spricht einiges dafür und einiges dagegen.

Vorteile: Diese 7 Gründe sprechen für Cloud-Backup

7 Gründe, die für Cloud-Backup sprechen (Bild: speicherguide.de)7 Gründe, die für Cloud-Backup sprechen (Bild: speicherguide.de)1. Räumliche Trennung: Backup ist außerhalb der Firma

Der entscheidende Vorteil von Cloud-Backup: Das Backup ist außer Haus. Die Cloud liefert hier den Medienbruch auf einen vom Rechenzentrum bzw. Unternehmenssitz isolierten Datenspeicher. Die 3-2-1-Regel besagt, wichtige Daten auf Minimum drei Kopien vorzuhalten. Davon zwei auf verschiedenen Datenträgern und ein Backup außerhalb des Gebäudes oder zumindest einem anderen Brandabschnitt. Sollte dem Firmengebäude etwas passieren, sei es ein Brand, Hochwasser, Sturmschäden, aber auch Diebstahl, Viren und Hackerangriffe, ist sichergestellt, dass alle wichtigen Daten nicht verloren sind. Hatte man den Medienbruch bisher mit Tape realisiert, ist die Cloud hier in der Tat eine Alternative.

2. Keine eigene Hardware

Der für das Cloud-Backup benötigte Speicherplatz ist ausgelagert, eigene Hardware wird nicht benötigt. Neben den Anschaffungskosten spart man auch die Kosten für den Unterhalt, Service, Strom und Kühlung. Zumindest theoretisch, weil der Provider diese Kosten natürlich auf die Gebühren umlegt. Aber man muss erstmal nicht selbst dafür aufkommen. Zudem spart man an der Stellfläche, muss sich nicht um die Nachbeschaffung von Tapes und deren Auslagerung kümmern.

3. Skalierbare Speicherkapazität

Cloud-Backup ist vom Ansatz her auf Flexibilität ausgelegt und kann mit dem Unternehmen wachsen. Die Skalierbarkeit ist ein klarer Pluspunkt. Vorlaufkosten in neue Hardware entfallen für Unternehmen komplett (siehe auch Punkt 2). In der Praxis mietet man ein bestimmtes Speichervolumen, dass, je nach Bedarf, weiter ausgebaut oder auch reduziert werden kann. Die Alternative ist ein Pay-as-you-go-Modell. Hier werden nur die benutzten Ressourcen abgerechnet.

4. Ständige Verfügbarkeit

Auf die gespeicherten Daten können autorisierte Mitarbeiter von jedem Standort und mit jedem Gerät zugreifen. Eine Internetverbindung vorausgesetzt, stehen benötigte Daten 24 Stunden im Zugriff. Ausgelagerte Datenträger müssen im Zweifel erst beschafft werden. Meist ist dafür noch die Unterstützung eines Dritten nötig.

5. Keine Betreuung und Administration

Neben den Investitionskosten in die Hardware, sparen sich Unternehmen die Kosten und vor allem die Zeit für deren Unterhalt, Betreuung und Administration. Für die IT-Mannschaft kann dies eine deutliche Entlastung sein.

6. Hohe Sicherheitsstandards

Dass die Daten bei einem professionellen Dienstleister gut aufgehoben sind, ist in gewisser Weise eine Glaubensfrage. Aber grundsätzlich darf man schon davon ausgehen, dass die Provider ein hohes Maß an Sicherheitsstandards implementiert haben. Beispielsweise ist eine ISO 27001-Zertifizierung Pflicht.

7. Einfacher Einkauf

Vorausgesetzt, man hat sein Angebot gefunden, ist der Einkauf sowie spätere Änderungen und Erweiterungen denkbar einfach. Die Buchung wird online durchgeführt und ist größtenteils auch rund um die Uhr möglich.

Nachteile: 6 Gründe die gegen Cloud-Backup sprechen

6 Gründe die gegen Cloud-Backup sprechen (Bild: speicherguide.de)6 Gründe die gegen Cloud-Backup sprechen (Bild: speicherguide.de)1. Bandbreite und Abhängigkeit von der Internetverbindung

Die Internetverbindung ist eine Grundvoraussetzung für das Cloud-Backup. Nun ist ein normaler Geschäftsbetrieb ohne Internetanbindung heutzutage zwar nicht mehr vorstellbar, aber hat der Internet-Provider ein Problem, steht das Cloud-Backup.

Hinzukommt die nutzbare Bandbreite. Sie ist eigentlich der größte Problemherd, der gegen ein Cloud-Backup spricht. Während in den Ballungszentren die Breitbandabdeckung relativ gut gegeben ist, sieht das außerhalb und auf dem Land zum Teil noch sehr mager aus. Und selbst wenn, ist das Angebot noch sehr unterschiedlich. Für den Download bieten die üblichen ADSL-, VDSL- und Kabelanschlüsse zwischen 16 und 100 Mbit/s. Für das Cloud-Backup ist aber zunächst der Upload wichtig und dieser fällt mit 1 bis 10 Mbit/s dagegen eher dürftig aus.

Wir benötigen beispielsweise für die Übertragung (mit 6,2 Mbit/s) eines GByte (verschiedene Dateien) etwas über 30 Minuten. Nun konnten wir die gesamte zur Verfügung stehende Bandbreite nutzen. In der Praxis dürfte die Dauer eher in Richtung 45 bis 50 Minuten gehen. Bei fünf GByte dauert das Backup zwischen zirka 2,5 bis fast fünf Stunden.

2. Erstbefüllung und Komplettwiederherstellung

Die Bandbreite steht vor allem der Erstbefüllung im Wege, wenn ein Komplett-Backup in die Cloud ausgelagert werden soll. Hier ist der sinnvollste Weg, die Daten mit einem externen Medium zum Hosting-Anbieter zu bringen und diese vor Ort einspielen zu lassen.

Ähnlich verhält es sich, wenn ein Full-Recovery nötig ist. Eine Komplettwiederherstellung ist via Internet momentan auch eher noch unmöglich.

3. Kostenkontrolle

Die Anbieter sprechen zwar vom »sparen« und günstigen Kosten. Hohe Investitionssummen in eigenes Equipment werden durch (zunächst) überschaubare Abogebühren ersetzt. Richtig unter Kontrolle hat man die Kosten allerdings nicht. Keiner weiß, wie sich die Gebühren des Dienstleisters und die der Internet-Provider entwickeln. Im Moment gilt die These, sind die Daten einmal in der Cloud, bekommt man sie eigentlich nicht wieder heraus. Auch der Umzug zu einem anderen Provider ist aus Kostensicht ungeklärt.

4. Sicherheitsbedenken I: Datenschutzrichtlinien

Hierzulande nehmen es Unternehmen mit der Einhaltung von Datenschutzbestimmungen sehr genau. Dazu gehört, dass bestimmte Daten den deutschen Rechtsraum nicht verlassen dürfen. Das heißt, die Server und Speicher des Cloud-Anbieters müssen zwingend in Deutschland stehen.

5. Sicherheitsbedenken II: Unbefugter Zugriff

Sicherheitsbedenken herrschen auch, wenn es um den unbefugten Zugriff geht. Die Daten sind außer Haus und außerhalb des eigenen Kontrollbereichs. Verkaufsunterlagen versprechen viel, in der Praxis entpuppen sich Verschlüsselungs- oder Authentifizierungsmethoden des Öfteren als mangelhaft. Auch besteht das ungute Gefühl, ob sich nicht ausländische Regierungen oder Geheimdienste Zugriff verschaffen können. Von Hackern ganz zu schweigen.

6. Sicherheitsbedenken III: Keine Kontrolle über Dienstleister

Generell weiß der Kunde nicht, inwieweit er sich wirklich auf den Dienstleister verlassen kann. Er muss darauf vertrauen, dass der Provider auf seine Hard- und Software achtet und dem Einsatzzweck gerecht und dementsprechend hochwertige Produkte verwendet.

Cloud-Backup: Darauf gilt es zu achten

Storage-Magazin 03/17: Cloud-BackupIm Download: Storage-Magazin 03/17: Cloud-Backup Zuerst gilt es Hausaufgaben in den eigenen Reihen zu erledigen. Das heißt, vorab sollten Systemverantwortliche Daten und Applikationen klassifizieren:

  • Welche sind geschäftskritisch?
  • Welche unterliegen strengen Compliance-Vorgaben und dürfen nicht außer Haus gelangen?
  • Und welche Daten müssen unbedingt in DRaaS einbezogen werden?
  • Recovery-Point-Objectives (RPO) und Recovery-Time-Objectives (RTO) beachten: Welcher Datensatz muss zuerst wiederhergestellt werden, und wie lange nimmt das Restore in Anspruch?

Danach gilt es, sich Gedanken über das Datenvolumen und die Bandbreite zu machen, die den Flaschenhals beim Cloud-Backup bilden. Zu prüfen ist, ob sich mit Deduplizierung die eventuell mehrfach vorhandenen, redundanten Daten reduzieren lassen.

Datensicherheit und Datenschutz sind die zentralen Kriterien bei der Wahl des richtigen Cloud-Angebots.

  • Werden die Daten verschlüsselt übertragen?
  • Werden die Daten verschlüsselt auf dem Server abgelegt?
  • Wer verwaltet die entsprechenden Schlüssel?
  • Wie authentifizieren sich Benutzer?
  • In welchem Land werden die Daten gespeichert?
  • Wie ist im Falle einer Insolvenz die Datenrückgabe geregelt?

Cloud eine Alternative zu Tape, aber…

Wegen der Bandbreitenproblematik eignet sich Cloud-Backup vor allem für Daten, die sich wenig ändern und mit möglichst geringem Transfervolumen. Dafür ist Cloud-Backup eine gute Methode, um Sicherheitskopien auszulagern. Speziell kleinere Firmen müssen sich nicht mit Tape, Bandrobotern und deren Eigenheiten herumschlagen.

Zu bedenken ist aber, in den letzten Jahren haben sich immer wieder Dienstleister aus dem Markt verabschiedet. Zuletzt hat es den Reutlinger IT-Dienstleister transtec erwischt, der im Juli ein Insolvenzverfahren eröffnen musste.

Auf der einen Seite geben Firmen die Verantwortung bewusst ab, um den eigenen Aufwand zu reduzieren. Gleichzeitig sollte sich die Geschäftsleitung der Abhängigkeit bewusst sein, in die sie sich begeben.

speicherguide.de-Podcast: Die Vor- & Nachteile von Cloud-Backup



Kommentare (1)
25.10.2017 - LHL

Alles richtige Punkte. Letztlich muss man sich dann noch ergänzend fragen, wenn es Daten oder Verfahren im Unternehmen gibt, die sich nicht für Cloud-Backup eignen und dazu führen, dass man eine eigene Backup-Infrastruktur unterhalten muss, ob es dann immer noch wirtschaftlich und sicherheitstechnisch vertretbar ist - zweigleisig (Cloud und eigene Infrastruktur) zu fahren. Man braucht dann "ohnehin" eine entsprechende Infrastruktur und Know How. Es erhöht sich dadurch eventuell die Komplexität (was man beim Restore überhaupt nicht gebrauchen kann) und selbst bei Backup-Lösungen, die in der Lage sind, Backup in die Cloud und on premise gleichermaßen zu verwalten muss man ziemlich aufpassen bzw. sicher stellen, dass dann nicht versehentlich Daten in die Cloud geschoben werden, die dort eigentlich nicht hin sollten.