16.11.2020 (kfr)
4.1 von 5, (16 Bewertungen)

Backup-Strategie: Backup-to-Disk-to-Tape erlebt eine Renaissance

Unternehmen müssen ihre Backup-Strategien anpassen: Neben dem Datenwachstum und dem Umgang mit den Daten, stellen Ransomware-Attacken IT-Abteilungen vor neue Herausforderungen. Zudem ändert sich auch durch Corona einiges. Albrecht Hestermann sieht eine klare Renaissance von Backup-to-Disk-to-Tape. Wir sprachen mit dem Vertriebsleiter des in Dortmund ansässige IT-Hersteller Actidata, über die Backup-Anforderungen von KMUs und wieso an Tape kein Weg vorbeiführt.

  Der Umgang mit Daten ändert sich, was bedeutet dies für das Backup, speziell bei KMUs?

Albrecht Hestermann, ActidataAlbrecht Hestermann, ActidataHestermann: Wir erfahren häufig, dass das Backup in die Cloud bereits ausprobiert wurde, jedoch oft besonders hinsichtlich Performance nicht den Vorstellungen entsprach.

Wir verzeichnen eine deutlich steigende Anfrage nach kostengünstigen Backups auf auswechselbare Medien. Immer häufiger wird nach Kapazitäten von größer 5 TByte gefragt und da ist Tape die einzige Lösung, die sowohl seitens Kapazität, als auch Performance in Fragen kommt.

  In wie weit verändert Corona den Markt und die Anforderungen an Backup und Recovery?

Hestermann: Da verändert sich gerade einiges. Die Maßnahmen der Regierung auf die Corona-Pandemie haben einen signifikanten Einfluss auch auf das Thema Backup. Insbesondere bei der Installation der Home-Arbeitsplätze hat sich ein Sicherheitsrisiko aufgetan, welches bis dato bei vielen KMUs unterschätzt wurde.

VPN-Verbindungen zu Heimrechnern öffnen Tür und Tor für das Einbringen von Schad-Software (Malware). Die schirre Anzahl an offenen Systemen hat das Bewusstsein für das Backup weiter geschärft. Nahezu bei allen Anwendern werden mittlerweile mehrere Backups pro Tag gefahren – also nicht nur Snapshots, sondern mehrmals täglich ein inkrementelles Backup.

Zusätzlich wird auch das Backup auf auswechselbare Medien deutlich verstärkt – dies sehen wir unter anderem auch an den Verkaufszahlen unser LTO-Tape Autoloader und Tape-Librarys. Stand heute gibt es keine Alternative zu Magnetbändern: Tapes bieten hier mit 300 MByte/s eine höhere Geschwindigkeit, als vergleichbare Wechselmedien. RDX und USB-Festplatten schaffen realistisch nicht mehr als 120 MByte/s.

  Euer neuestes Backup-System integriert Disk-to-Disk-to-Tape in einem Gerät. Was ist sind die Vorteile dieser Kombination? Was muss ein gutes Backup-System können, speziell für die Zielgruppe Mittelstand?

Hestermann: Das besondere ist, dass wir keine Appliance anbieten. Nicht nur, dass zurzeit kein vergleichbares Gerät in dieser Klasse zur Verfügung steht, welches NAS, inklusive RAID-Schutz, und Tape kombiniert, sondern wir gehen einen Schritt weiter und bieten eine Plattform an. Also der Kunde entscheidet selbst, welche Backup-Software zum Einsatz kommen soll.

Nur die Kompatibilität zu Windows Server 2019 sowie die Unterstützung von LTO-Streamern muss gegeben sein. Auch der Fachhandel profitiert, denn dieser kann seine Beratungs- und Service-Leistung durch eine angepasste Backup-Software einbringen.

  Wieso eine Plattform anstelle einer Appliance?

Hestermann: Für die Kunden ist es wichtig, ihre eigenen und vor allem bestehenden Lösungen einsetzen zu können. Veeam ist klar der Marktführer, wir treffen aber auch auf Arcserve und BackupExec. IT-Manager suchen eine Backup-Hardware, die sich in ihre Strukturen integriert, ohne diese verändern zu müssen.

Actidata Ti-NAS QT: 5-Bay-NAS mit integriertem LTO-TapeActidata Ti-NAS QT: 5-Bay-NAS mit integriertem LTO-Tape  Für welche Zielgruppe ist das Ti-NAS QT konzipiert und wie könnte eine mögliche Datensicherungsstrategie aussehen?

Hestermann: B2D2T (Backup-to-Disk-to-Tape) – altbewährt und immer neu erfunden. Für ein schnelles Restore ist das Backup auf Festplatte wichtig – genauso, wie das »Einsammeln« der Daten. Das sind die Leistungsmerkmale des Disk-Backup. Die Sicherung der Daten auf das LTO-Tape ist dann der zweite Schritt. Ohne das Firmen-LAN zu belasten lassen sich hier eben die letzten Datensicherungen auf ein auswechselbares Medium übertragen – gegebenenfalls auch tagsüber. Sinnvoll ist dann noch die Installation in einem zweiten Brandabschnitt oder mindestens in einem Raum, der sich entfernt von den Produktivsystemen befindet.

  Tape wird nach wie vor kontrovers diskutiert. Wieso Tape und nicht zum Beispiel die Cloud für ausgelagerte Sicherungen?

Hestermann: Cloud wird auch kontrovers diskutiert – siehe Schlagworte: Performance, Zugriffschutz, Rechtliches. Wir haben Kunden, die mittlerweile ihre Daten aus der Cloud heraus auf ein Tape sichern. Hier kann eindeutig festgestellt werden, dass jeder Admin seinen ganz persönlichen Weg geht, der sich aus den Besonderheiten des Unternehmens ergeben hat. Unsere Aufgabe ist es, den Anwender zu begleiten und eine möglichst flexible Plattform bzw. Lösung anzubieten, die seinen Vorstellungen entsprechen.

  Das Ti-NAS QT ist mit zwei 10GbE-Anschlüssen ausgestattet. Wie verbreitet ist die neue Netzwerkschnittstelle bisher? Welche Entwicklung erwartet Ihr hier und mit welcher Leistungsverbesserung dürfen IT-Manager rechnen?

Hestermann: Ja, 10GbE gehört in kleinen und mittleren Unternehmen mittlerweile zum Standard. Oft noch als RJ45-Kupferkabel, aber verstärkt auch optisch. Heute haben wir in unserem Umfeld für Backup quasi noch keine Anfragen zu einer höheren Performance, sehen aber die Investitionen zu optischen Verkabelungen. Für zukünftige Updates ist vorgesorgt.

  Mit welcher Entwicklung rechnet Ihr im Bereich Backup?

Hestermann: Für uns ist der Trend klar: Die altbekannte Struktur Backup-to-Disk-Tape erlebt eine Renaissance. IT-Abteilungen wollen ihre Daten auf einem auswechselbaren Medium sichern, getrennt vom Rest. Stichwort Air-Gap.

Abschließend danken wir natürlich Unternehmen wie Zoom und Google Meet – kaum zu glauben, aber was scheinbar an Videos aufgenommen wird, will man nicht wirklich glauben.

.