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HDD-Kapazitäten 2026 bleiben knapp: Keine Entwarnung im Channel

HDD-Kapazitäten 2026 bleiben knapp: Keine Entwarnung im ChannelDie Lage bei Nearline-HDDs bleibt angespannt. Neue Berichte der vergangenen Tage bestätigen die Aussagen von Western Digital und Seagate: Produktionskapazitäten für 2026 sind weitgehend vergeben, Hyperscaler sichern Volumen über langfristige Verträge. Für Mittelstand und Fachhandel bleiben Preise und Liefertermine schwer planbar.

Die Lage bei hochkapazitiven Festplatten für Rechenzentrums- und Cloud-Umgebungen bleibt angespannt. In den vergangenen Tagen sind vor allem zusätzliche Markteinordnungen hinzugekommen, aber keine belastbaren Hinweise auf eine Entspannung der Kapazitätslage für 2026.

Kernpunkt bleibt, dass nicht einfach »alle Festplatten weg« sind. Vielmehr sind Produktionskapazitäten und EByte-Volumen bereits frühzeitig über Bestellungen und längerfristige Vereinbarungen an große Kunden gebunden. Für den freien Markt bedeutet das weniger Spielraum bei kurzfristigen Bedarfen, Projekt-Nachbestellungen und spontanen Ausbauvorhaben.

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Was die Hersteller bestätigt haben

  • Western Digital hatte bereits erklärt, man sei für das Kalenderjahr 2026 »pretty much sold out«. Gleichzeitig verwies das Management auf feste Bestellungen der größten Kunden sowie auf längerfristige Vereinbarungen über 2027 und teils 2028 hinaus. Das spricht für eine frühzeitige und planvolle Kapazitätsbindung durch große Abnehmer.
  • Seagate hatte ebenfalls bestätigt, dass die Nearline-Kapazität für 2026 vollständig zugeteilt ist. Das Unternehmen stellte zudem in Aussicht, Bestellungen für das erste Halbjahr 2027 erst in den kommenden Monaten anzunehmen. Gleichzeitig bleibt die Strategie auf »Supply-Disziplin« ausgerichtet, also Wachstum eher über mehr Kapazität pro Laufwerk als über deutlich höhere Stückzahlen.
  • Bei Toshiba ist die Marktlage derzeit deutlich schwerer einzuschätzen als bei WD und Seagate. Öffentliche Aussagen zur Kapazitätsvergabe für 2026 liegen bislang nicht vor. Vieles spricht jedoch dafür, dass Toshiba von derselben Nachfrage nach Nearline-HDDs für Cloud- und KI-Umgebungen profitiert und entsprechend in denselben Marktmechanismen steckt.

Für kleinere und mittlere Abnehmer sind das insgesamt keine guten Nachrichten. Auch wenn immer wieder einzelne Kontingente in den Markt gelangen können, bleibt die Beschaffung insgesamt schwieriger und weniger planbar.

Folgen für Mittelstand und Fachhandel

Laut den Kollegen von The Register rechnen Analysten mit spürbaren Folgen für den Mid-Market und für Standard-Enterprise-Storage, weil frei verfügbare HDD-Kapazitäten außerhalb langfristiger Großkundenverträge knapp bleiben.

Diese Einordnung passt gut zur aktuellen Wahrnehmung im Channel. Die Knappheit trifft nicht nur sehr große Storage-Projekte, sondern auch klassische Infrastruktur-Vorhaben, bei denen verlässliche Preise und zugesagte Liefertermine für Kalkulation und Angebotsphase entscheidend sind.

Für den deutschen Mittelstand, Fachhandel und Systemhäuser bedeutet die Lage aktuell vor allem höhere Unsicherheit in der Beschaffung. Betroffen sind insbesondere Projekte mit größeren Nearline-HDD-Bedarfen, etwa für Backup-Zielsysteme, Archivierung, Scale-out-NAS oder kapazitätsorientierte On-Premises-Speicher.

In der Praxis heißt das, dass Angebote häufiger mit Preisvorbehalt kalkuliert werden müssen und Liefertermine schwerer belastbar sind. Das erhöht das Risiko in laufenden Projekten und kann Entscheidungen auf Kundenseite verzögern, wenn Budgets und Rollout-Pläne enger getaktet sind.

Auch bei Ersatz- und Erweiterungsbeschaffungen steigt der Druck. Wer heute auf eine spätere Nachbestellung setzt, geht unter Umständen ein höheres Preis- und Verfügbarkeitsrisiko ein als noch vor wenigen Quartalen.

Die aktuelle Entwicklung ist vor allem ein Ergebnis der starken Nachfrage großer Cloud- und KI-Infrastrukturen nach kosteneffizienter Kapazität. Nearline-HDDs bleiben für EByte-Skalierung wirtschaftlich attraktiv. Genau das macht sie im Moment für Großabnehmer besonders wichtig und für den übrigen Markt zeitweise schwerer verfügbar.

Eine kurzfristige Entwarnung ist derzeit nicht erkennbar. Gleichzeitig bedeutet das nicht automatisch, dass der Channel dauerhaft leer ausgeht. Entscheidend wird sein, wie sich Nachfrage, Ausbaupläne und Prioritäten großer Abnehmer im Jahresverlauf entwickeln.

Anmerkung der Redaktion

Karl Fröhlich, speicherguide.deKarl Fröhlich, speicherguide.deUns erinnert die Knappheit an frühere Zeiten, als es im Komponentenmarkt noch regelmäßig zum sogenannten »Schweinezyklus« gekommen ist.

Die großen OEMs haben sich mit Ware eingedeckt. Wir halten es für sehr wahrscheinlich, dass diese Laufwerke irgendwann im Handel landen. Letztendlich ist es auch eine Wette. Sollte sie nicht aufgehen und die Märkte sich nicht wie erhofft entwickeln, könnten wir sogar große Mengen an Festplatten im Markt sehen, die relativ kurzfristig und auch günstig in den Channel verschoben werden. Was Genaues weiß man natürlich nicht.