07.11.2014 (Doc Storage)
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Wie lange kann man HDDs ungenutzt lagern?

Leserfrage: Wir haben in unserer IT von allen möglichen Geräten diverse Testmuster vorrätig. Darunter befinden sich auch einige Festplatten, die zum Teil ein bis zwei Jahre oder auch länger ungenutzt sind. Früher galt die These, SATA-HDDs sollten nach einer Betriebszeit von drei bis spätestens fünf Jahren ausgetauscht werden. Archiv-Platten sollten mindestens einmal im Jahr unter Strom gesetzt werden.

Wie ist da der Stand heute? Kann man Laufwerken, die jahrelang (stromlos) rumstehen noch guten Gewissens Daten anvertrauen? Welche Schwierigkeiten können auftreten? Nach welcher Betriebszeit raten Sie zu einem Wechsel?

Antwort Doc Storage:

Grundsätzlich gilt, dass heutige SATA-Platten zwischen 500.000 und 700.000 Betriebsstunden »durchhalten«. Das heißt, theoretisch mehr als 57 Jahre. Ihre Zuverlässigkeit hat sich damit den bisher als haltbarste Medien geltenden FC-Platten angenähert. Bei allen Platten gilt allerdings, dass nach der ersten Inbetriebnahme und einer gewissen Laufzeit eine Lagerung, vor allem mit dort noch gespeicherten Daten, nur unter Auflagen zu empfehlen ist.

Die Aufbewahrung sollte bei 15 bis 20 Grad und ohne größere Temperaturschwankungen sowie unter Ausschluss von Vibrationen, Druck (z.B. durch Stapeln) und Magnetfeldern geschehen. Fast schon selbstverständlich ist eine niedrige Luftfeuchtigkeit, allerdings kann zu trockene Umgebungsluft ebenfalls die Lebensdauer verkürzen, vor allem durch spröde Dichtungen. Darüber hinaus sollten die Medien, wie Sie bereits erwähnen, mindestens einmal im Jahr für einige Stunden in Betrieb genommen werden. Da die Schmierstoffe der Scheibenachsen und -lager teilweise nach längerer Zeit aushärten, vor allem bei kühler Lagerung, sollte beim Anschalten der Laufwerke auf die einwandfreie Rotation geachtet werden. Laufen die Scheiben nicht sofort an, kann meistens mit leichten Tupfern mit den Fingerspitzen auf die Mitte der Platte nachgeholfen werden.

Eine Verwendung von Festplatten über Jahre, ja teilweise über Jahrzehnte ist durchaus möglich. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die Medien, wenn auch heute noch ausreichend groß, bereits in zwei oder vier Jahren lächerlich klein wirken werden und man sowieso dazu gezwungen sein wird, die Daten auf größere Medien umzukopieren. Wer wird heute noch eine 50-GByte-Platte verwenden, wo doch ein 2-TByte-Laufwerk unter 100 Euro kostet?

Gruß
Doc Storage

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Kommentare (5)
07.11.2014 - rwk

Lieber Doc Storage,

Sie schreiben "Grundsätzlich gilt, dass heutige SATA-Platten zwischen 500.000 und 700.000 Betriebsstunden »durchhalten«. Das heißt, theoretisch mehr als 57 Jahre." Da verwechseln Sie MTTF (mean time to failure) und Lebensdauer. (Das passiert - nebenbei gesagt - oft und vielen). Festplatten sind für eine Lebensdauer von 5 bis 10 Jahren ausgelegt. Nicht für Jahrzehnte. Eine MTTF von 500k Stunden (57 Jahre) besagt NICHT, dass es im Durchschnitt 57 Jahre dauert bis eine Platte ausfällt. Sondern 500k Stunden ist ein statistischer Wert. Er besagt dass bei 500.000 Platten im Einsatz im Durchschnitt EINE pro Stunde ausfällt. Oder bei einem realistischeren Wert von 500 Platten im Einsatz eine pro Tausend Stunden. Bei 8760 Stunden pro Jahr sind das knapp 9 Platten pro Jahr. Dafür sollte z.B. ein Rechenzentrum Ersatzbedarf im Lager liegen haben (mindestens). Und wenn mehr als 9 Platten (im Normalbetrieb, während der Gewährleistungszeit, nicht am Ende der Lebensdauer) pro Jahr ausfallen, dann hält der Plattenhersteller die zugesagte Spezifikation nicht ein.

Übrigens: (Kommentar zum Kommentar des geschätzen Kollegen von HGST): "MTBF" heisst "Mean Time BETWEEN Failures", und gilt streng genommen nur für Geräte, die repariert werden können. Da es nicht vorgesehen ist, dass man Festplatten reparieren kann, müsste es eigentlich immer "MTTF" (Mean Time TO Failure) heissen.

Mit freundlichen Grüßen
Rainer Kaese, Toshiba

07.11.2014 - Uwe Kemmer

Doc Storage: Da die Schmierstoffe der Scheibenachsen und -lager teilweise nach längerer Zeit aushärten, vor allem bei kühler Lagerung, sollte beim Anschalten der Laufwerke auf die einwandfreie Rotation geachtet werden. Laufen die Scheiben nicht sofort an, kann meistens mit leichten Tupfern mit den Fingerspitzen auf die Mitte der Platte nachgeholfen werden.

HGST: Wenn die Festplatten nicht anlaufen, so liegt ein Defekt vor. Diese Festplatten werden sehr wahrscheinlich nicht mehr die volle Lebenszeit erreichen. Ein Öffnen der Festplatte und manuelles "Anschubsen" ist auf jeden Fall zu vermeiden. Hier werden Partikel in die Festplatte eindringen, Medien beschädigt und es ist mit Datenverlust und einem sehr schnellen Defekt zu rechnen.

Doc Storage: Eine Verwendung von Festplatten über Jahre, ja teilweise über Jahrzehnte ist durchaus möglich.

HGST: Nach der oben beschriebenen Lebenszeit von 5 Jahren steigt das Ausfallrisiko einer Festplatte an, ein Betrieb über Jahrzehnte wird normalerweise nicht möglich sein, auch wenn dies im Einzelfall durchaus auftreten kann.

Zurück zu der Leserfrage: "Darunter befinden sich auch einige Festplatten, die zum Teil ein bis zwei Jahre oder auch länger ungenutzt sind". Dies sollte nach den oben erwähnten Punkten in der Regel kein Problem darstellen.

Bitte lassen Sie es mich wissen, wenn hierzu noch Fragen offen sind.

Viele Grüße

Uwe Kemmer

Principal Engineer, Customer Technical Support HGST, a Western Digital company

07.11.2014 - Uwe Kemmer

Doc Storage: Die Aufbewahrung sollte bei 15 bis 20 Grad und ohne größere Temperaturschwankungen sowie unter Ausschluss von Vibrationen, Druck (z.B. durch Stapeln) und Magnetfeldern geschehen. Fast schon selbstverständlich ist eine niedrige Luftfeuchtigkeit, allerdings kann zu trockene Umgebungsluft ebenfalls die Lebensdauer verkürzen, vor allem durch spröde Dichtungen.

HGST: Ganz so streng muss man das nicht sehen. Wir spezifizieren z.B. bei unseren Enterprise SATA Modellen (hier als Beispiel die Ultrastar 7K4000) die folgenden Werte:

Temperature –40 to 70°C
Relative humidity 5 to 95% non-condensing
Maximum wet bulb temperature 35°C non-condensing
Maximum temperature gradient 30°C/Hour
Altitude –300 to 12,000 m

Dies ist bei den anderen HGST Festplattenmodellen vergleichbar

Die Festplatten sollten möglichst in der Original ESD Tüte verbleiben, am besten wie bei der Auslieferung geschehen im eingeschweissten Zustand. So kann das Eindringen von Luftfeuchtigkeit verhindert werden.

Richtig ist, das Schocks vermieden werden sollten. Diese können beim Stapeln von Festplatten entstehen, daher sollte man Festplatten wenn möglich auch immer in den Originalkartons oder anderer geeigneter Verpackung verwahren.

Doc Storage: Darüber hinaus sollten die Medien, wie Sie bereits erwähnen, mindestens einmal im Jahr für einige Stunden in Betrieb genommen werden.

HGST: Unsere Spezifikation besagt, dass die maximale Lagerdauer 1 Jahr beträgt. Dies ist ein Wert, der durch Tests belegt ist. Wenn Festplatten länger gelagert werden, so kann es sinnvoll sein diese einmal nach einer längeren Lagerdauer zu betreiben und auch mit einem Festplattendiagnosetool zu testen.

07.11.2014 - Uwe Kemmer

Lieber Doc Storage,

Beim Lesen Ihrer Antwort auf die Leserfrage "Wie lange kann man HDDs ungenutzt lagern?" muß ich eingestehen, dass es mir etwas die "Nackenhaare hochgestellt hat". Die Antworten sind leider nicht ganz richtig.

Doc Storage: Grundsätzlich gilt, dass heutige SATA-Platten zwischen 500.000 und 700.000 Betriebsstunden »durchhalten«. Das heißt, theoretisch mehr als 57 Jahre. Ihre Zuverlässigkeit hat sich damit den bisher als haltbarste Medien geltenden FC-Platten angenähert.

HGST: Das wäre schön, aber die erwähnten 500.000 - 700.000 Stunden beziehen sich nicht auf die Lebenszeit (Service Life) einer einzelnen Festplatte, sondern sind eine statistische Größe (MTBF = Mean Time between Failure) die das Ausfallverhalten eines Festplattenloses kennzeichnen. Alle HGST Enterprise, NAS und 2,5" Mobile Festplatten haben eine zu erwartende Lebenszeit von 5 Jahren unter spezifizierten Rahmenbedingungen (Temperatur, Power on Hours, power cycle, duty cycle etc). Will man also die erwähnten 500.000 oder 700.000 Stunden bei einer einzelnen Festplatte erreichen, so müsste man die Festplatte alle 5 Jahre austauschen bis die MTBF Zeit erreicht ist. Erst dann ist statistisch der erste Fehler zu erwarten. Betreibt man allerdings mehrere Festplatten, so erreicht man laut der Ausfallbetrachtung bereits früher einen Fehler. Bei 1000 Festplatten ist also theoretisch nach 500 Stunden (bei einer MTBF von 500.000 Stunden) der erste Fehler einer Festplatte in dieser Losgrösse zu erwarten.

Alle HGST Enterprise Festplatten sind übrigens für 2 Millionen Stunden MTBF spezifiziert. Die 500.000 / 700.000 Stunden beziehen sich eher auf Desktop Modelle.

07.11.2014 - pe

Das Problem ist, dass wir dabei immer von statistischen Werten reden. Niemand kann sagen, ob die eigene Platte zur guten Mehrheit oder dem einen Prozent Ausrutscher gehört! Darum auf alle Fälle immer alles redundant speichern.


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