24.11.2017 (Doc Storage)
4.5 von 5, (4 Bewertungen)

Was ist eine Kyoto-Kühlung?

Leserfrage: Mit der sogenannten Kyoto-Kühlung soll sich das Kühlvolumen in einem RZ erhöhen lassen und sie soll dabei sehr effizient sein. Welche Vor- und Nachteile sehen Sie bei diesem Ansatz? Und mit welchem Aufwand lässt sich diese Technik in bestehende RZs einbauen? Rentiert sich das?

Antwort Doc Storage:

Die Kyoto-Kühltechnik besteht im Wesentlichen aus einem großen Aluminiumrad, welches durch seine hohe Wärmeleitfähigkeit zum Austausch zwischen der aufgeheizten Innen- und der kühlenden Außenluft verwendet wird. Das Rad dreht sich in seinem Gehäuse langsam, zieht auf der einen Seite kühle Außenluft an, kühlt damit den durch die RZ-Luft aufgeheizten Teil des Konstruktes und gibt die abgekühlte Luft an den Innenraum weiter. Somit funktioniert dieses rein mechanische Konzept (fast) ohne Kompressoren, Kühlflüssigkeiten, Wasser oder ähnliches, ist für alle internen Auslegungen, also Kalt-/Warmgänge, Racksysteme oder Ganzraumkühlungen verwendbar, und kann an bestehende Gebäude an den Außenwänden oder auf dem Dach oder bei Neuplanungen im Rechenzentrum aufgestellt werden. Eine Kühleinheit ist für maximal 400 kW ausgelegt, lässt sich aber auch in kleineren Gebäuden mit 100 oder 200 kW einsetzen.

Im Bereich der Effizienz wird die Power Usage Effectiveness (PUE) als Kennzahl genutzt. Diese drückt im Wesentlichen den Gesamtenergieverbrauch geteilt durch den Verbrauch der reinen EDV-Systeme aus. In hochverfügbaren Umgebungen liegt dieser Wert zwischen 1,8 und 2 und in modernen Standard-Installationen für gewöhnlich zwischen 1,5 und 1,8. Je niedriger die Kennzahl ist, desto effizienter geht die Gesamtinstallation mit Energie um. Mit dem Einsatz von Kyoto-Kühlungen gelingt es heute den Anwendern, diese Zahl immer weiter zu drücken, bis auf nachgewiesene Werte von 1,2 oder sogar darunter.

Die PUE lässt sich durch weitere Maßnahmen noch weiter verbessern, beispielsweise durch den Einsatz einer doppelten Decke anstatt eines doppelten Bodens. Hier sammelt sich dann die warme Abluft der Systeme, während der kühlste Teil der Luftmassen nicht mehr 80 bis 120 cm unterhalb des Bodens liegt, sondern direkt um die Rahmen herum.

Der Aufwand der Montage ist auch in bestehenden Gebäuden relativ problemlos, müssen doch im schlimmsten Falle nur Durchbrüche für die abströmende Warm- und zuströmende Kaltluft geschaffen werden. Wie bereits erwähnt, stellt die Montage an oder auf Gebäuden kein Hindernis dar.

Ein Nachteil dieser Technik ist, dass sie vollkommen passiv arbeitet und in unseren Breiten an lediglich durchschnittlich 330 Tagen ohne Zukühlung betrieben werden kann. Die Montage entsprechender Kompressoren ist also in den meisten Fällen unumgänglich.

Ob sich die Nutzung dieser Systeme rentiert, muss jeder Betreiber natürlich – wie immer – selbst errechnen. Über den PUE-Wert und die Kosten für die Kompressoren zur Zukühlung kommt man leicht auf einen entsprechend vergleichbaren Wert, der sich den anderen Systemen gegenüberstellen lässt.

Gruß
Doc Storage

Stellen Sie Ihre Frage
Doc. tec. Storage beantwortet alle Ihre technischen Fragen zu Storage, Backup & Co.

Stellen Sie Ihre Frage an: DocStorage@speicherguide.de

Mehr von Doc. tec. Storage 14.06.2019 Ein Jahr DSGVO: Aufwand unerträglich hoch

Kolumne: Zur Einführung der DSGVO hat Doc Storage mächtig Dampf abgelassen. Ein Jahr später lässt kaum ein Verband ein gutes Haar an der Datenschutz-Grundverordnung. Der Aufwand für Firmen und IT-Abteilungen sei unerträglich hoch.


07.06.2019 Welchen Flash für welche Anwendung?

Vor rund sechs Jahren schickten sich Flash-Speicher an, sich in Computern und Storage-Systemen zu etablieren. Damals galten die Lösungen aber noch als proprietär. Wo steht die Technik heute und welcher Flash eignet sich für welchen Einsatzzweck?


17.05.2019 NAS-Caching oder Tiering für VMs multiple Zugriffe?

In einer Lehrumgebung werden virtuellen Maschinen auf einem NAS mit 10GbE-Anbindung gespeichert. Nachdem eine Erweiterung mit NVMe-Flash ansteht, stellt sich die Frage, ob eine Caching- oder eine Tiering-Konfiguration die sinnvollere Wahl ist?


10.05.2019 Wird Flash nun auch zum Backup-Medium?

Flash wird zunehmend auch für Backup interessant. Der Geschwindigkeitsvorteil soll die Dauer der Sicherung wie auch der Wiederherstellung reduzieren. Macht dies in der Praxis bereits Sinn – auch aus Kostensicht?


03.05.2019 Unterschied zwischen Active/Active und Active/Passive

Beim Thema Hochverfügbarkeit unterscheidet man zwischen Konfigurationen, die Active/Active bzw. Active/Passive agieren. Was ist genau der Unterschied und für welche Szenarien empfehlen sich die beiden Möglichkeiten? Welche Cluster-Architektur bietet hinsichtlich Skalierbarkeit mehr Spielraum für zukünftigen Lastzunahmen?


26.04.2019 Dateisysteme für den PByte-Bereich

Datenberge jenseits des PByte-Bereichs, Cloud-Anbindungen und Analytics-Szenarien stellen Dateiysteme vor neue Herausforderungen. Der Markt bietet einige Optionen wie GPFS, Gluster FS, OneFS oder QF2. Worauf gilt es zu achten? Update zu CephFS und ZFS.

powered by
Boston Server & Storage Solutions Datacore Software
Itiso GmbH Seagate Technology
N-TEC GmbH FAST LTA AG
Fujitsu Technology Solutions GmbH Pure Storage