23.08.2019 (Doc Storage)
4 von 5, (5 Bewertungen)

Was ist Computational-Storage?

Leserfrage: In Verbindung mit einer schnelleren Datenverarbeitung ist bei uns zuletzt mehrfach der Begriff Computational-Storage gefallen. Was ist das genau, was soll man sich darunter vorstellen? Welches sollen die Einsatzszenarien sein, was werden die Anforderungen und welchen Stand hat die Technik bisher? Angeblich soll Computational-Storage eine spannende Zukunftstechnologien sein, wie sehen Sie das?

Antwort Doc Storage:

Bei Computational-Storage handelt es sich um eine Architektur, in welcher Daten auf dem Speichergerät verarbeitet werden. Ziel ist es, die Anzahl von Informationen zu reduzieren, die normalerweise zwischen dem Speicher und dem Rechner hin- und herbewegt werden müssen. Diese Methode reduziert Transportzeiten und verbessert somit die Gesamtleistung, beispielsweise für Echtzeit-Datenanalyse oder ähnliche Anwendungen.

In den meisten Fällen ist ein Computational-Storage-Gerät so aufgebaut wie eine Standard-SSD. Sie verfügen über eine bestimmte Anzahl an Speicherzellen zur Ablage der Daten, einen Zufallszugriffsspeicher (RAM) zur Pufferung der zu prozessierenden Daten und einen Controller, der die Speicherung und den Transport der Informationen übernimmt. Im Gegensatz zu »normalen« SSDs verfügt eines für Computational-Storage darüber hinaus noch über einen oder mehrere Multi-Purpose-Prozessoren, mit denen sich viele verschiedene Funktionen ausführen lassen.

Dies kann vom einfachen Indizieren der Einträge über das Absuchen nach bestimmten Inhalten bis hin zur Unterstützung komplexer Anwendungen der künstlichen Intelligenz reichen. Erst jetzt, mit einer weiten Verbreitung von SSDs im Markt, ist diese Art der Datenverarbeitung nah am Speicher möglich geworden. Diese Technologie war in traditionellen Von Neumann-Architekturen, also weder mit Band- noch mit Magnetplattenspeichern zu realisieren, da in diesem Umfeld die Informationen nur in Sequenzen an die CPU herangeführt werden konnten und somit für Echtzeitverarbeitung nicht akzeptable Verzögerungen erzeugten.

Die SNIA (Storage Networking Industry Association) und deren TWG (Technical Working Group) hat bisher zwei zentrale Technologien definiert:

  • CSP (Computational Storage Processor): Ein Gerät, welches Datenverarbeitung im Speichersystem bereitstellt, aber Informationen nicht in permanenten Speichern ablegen kann.
  • CSD (Computational Storage Drive): Ein Gerät, welches Datenverarbeitung im Speichersystem bereitstellt, und Informationen in permanenten Speichern ablegen kann.

Geräte einer solchen Auslegung tauchen jetzt erst auf dem Markt auf, ihre Anwendung befindet sich größtenteils noch im frühen Stadium der Entwicklung. Allerdings wird erwartet, dass sich mit dem schnell wachsenden Markt der Datenanalyse in Echtzeit auch der Markt für Computational-Storage schnell etablieren und dann ebenso rasch wachsen wird.

Interessante Hersteller sind unter anderem NDG Systems und ScaleFlux, andere werden mit Sicherheit schnell folgen.

Gruß
Doc Storage

Stellen Sie Ihre Frage
Doc. tec. Storage beantwortet alle Ihre technischen Fragen zu Storage, Backup & Co.

Stellen Sie Ihre Frage an: DocStorage@speicherguide.de
Kommentare (1)
29.08.2019 - w.stief

Rechenleistung direkt auf dem Flash-Modul könnte in Zukunft auch bei Erasure Coding eine wichtige Rolle spielen: Je nach verwendetem Algorithmus und Aufbau des Volumes aus einzelnen Flash-Modulen oder auch verteilten Storage-Nodes, kann die Wiederherstellung defekter Blöcke zeitaufwendig sein. Berechnungen direkt ins Flash-Modul "abzuschieben", erscheint mir da durchaus naheliegend.


Mehr von Doc. tec. Storage 13.09.2019 Kann man Daten auf Festplatten erneuern?

Mehrere externe Festplatten wurden vor über zehn Jahren beschrieben und stromlos eingelagert. Kann bzw. sollte man die gespeicherten Daten erneuern, beispielsweise in dem die Daten an die gleiche Stelle zurückgeschrieben werden?


06.09.2019 Verschlüsselung von Festplatten in Servern

Warum sollten einzelner Ordner oder ganze Festplatten im Server-Bereich verschlüsselt werden? Ein Server im Betrieb muss die Daten entschlüsseln, weil sonst kein Zugriff möglich wäre. Generiert dies nicht nur Kosten? Welche Bedrohungen sehen sich Server ausgesetzt und welchen Maßnahmen empfehlen sich?


30.08.2019 Stress – die Perspektive aus dem Doppelboden

Stress ist vielen IT-Abteilungen Gang und Gäbe. Zu wenig Personal und zu enge Zeitrahmen, sind IT-Beauftragten nur allzu gut bekannt. Doc Storage antwortet in seiner Kolumne auf unseren Beitrag in der Rubrik Faktor Mensch und schildert zum Thema Stress seine Perspektive aus dem »Doppelboden«.


23.08.2019 Was ist Computational-Storage?

In Verbindung mit einer schnelleren Datenverarbeitung fällt wiederholt der Begriff Computational-Storage. Angeblich soll es sich um eine spannende Zukunftstechnologien handeln, wie sehen Sie das und welchen Stand hat die Technik bisher?


02.08.2019 Soft-/Hardware: Wie Daten richtig verschlüsseln?

Eine Software-Verschlüsselung soll weniger Probleme verursachen, als eine Hardware-Verschlüsselung. Stimmt das? Was passiert, wenn der gewählte Verschlüsselungsanbieter nicht mehr verfügbar ist, wie kommt man dann an seine Daten?


12.07.2019 Analysten-Prognosen sind verschwendete Lebenszeit

Diesmal nimmt sich Doc Storage die Trendvorhersagen von Marktforschern vor. Seiner Ansicht nach ist vieles nur ein Blick in die Glaskugel, anderes dagegen so offensichtlich, dass es keine weitere Betrachtung benötige. Er hält diese Art von Info für verschwendete Lebenszeit.

powered by
Boston Server & Storage Solutions Itiso GmbH
Fujitsu Technology Solutions GmbH Infortrend
N-TEC GmbH FAST LTA AG
Datacore Software Seagate Technology
Folgen Sie speicherguide.de auch auf unseren Social-Media-Kanälen
Folgen Sie und auf Facebook Folgen Sie und auf YouTube Folgen Sie und auf Twitter