24.02.2017 (Doc Storage)
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SSDs und Defragmentierungs-Tools mit TRIM-Funktion

Leserfrage: Mein Defragmentierungs-Tool hat auch die TRIM-Funktion, die ich auch aktiviert hatte. Nun hat der Rechner drei große Dateien auf der SSD gespeichert, zum Beispiel ddssdtrimtemp.dat, jeweils ein GByte groß. Kann man diese bedenkenlos löschen, weil ja temp-Dateien? Oder werden diese vom System benötigt?

Antwort Doc Storage:


Erst einmal vorweg: SSDs müssen, ja sollten Sie nicht defragmentieren. Dieser Vorgang bringt auf Magnetplatten zusammengehörige Datenfragmente (daher der Name) an einem Ort zusammen, um den Zugriff auf diese im Bedarfsfall zu beschleunigen. Weil diese Beschleunigung nur und ausschließlich mit der der Verringerung mechanischer Vorgänge zusammenhängt, können Sie bei SSDs hierauf verzichten. Im Gegenteil kann eine Defragmentierung sogar die Lebensdauer des Mediums herabsetzen, weil deren Durchführung schreibend auf viele Zellen zugreift, die sonst nicht benutzt werden würden.

Da jeder Schreibzugriff die Lebensdauer der jeweiligen Zelle herabsetzt, sollten Sie auf jegliche Funktion verzichten, die hierzu beiträgt. Ab Windows 7 führt das Betriebssystem von sich aus daher keine Defragmentierung mehr bei Festspeichern durch. Ab dieser Version ist die Unterstützung des TRIM-Befehles ins Betriebssystem integriert. Das bedeutet, dass jeder Lösch- bzw. Überschreibvorgang an das Laufwerk weitergegeben wird und die betroffenen Zellen damit automatisch entsprechend freigegeben sind.

Ein weiteres Problem stellt die Verhaltensweise des TRIM-Befehles an SATA-Controllern dar. Sollte die SSD an einem Controller im IDE-Modus betrieben werden, verhindert der TRIM-Befehl die Ausführung jeglichen anderen Befehles, so dass der Zugriff auf das Medium durch das Betriebssystem für die Länge seiner Ausführung komplett gesperrt ist. Dies kann bis zu mehreren Minuten dauern und ist nicht sinnvoll. Erst der Betrieb an einem Controller im AHCI-Modus ermöglicht die parallele Ausführung des TRIM-Befehls und anderer Befehle.

Wenn man also nicht mit XP, Vista oder noch älteren Windows-Systemen und SSDs arbeitet, was ich mal nicht hoffen will, gehört eine Defragmentierungs-Software nicht auf den Rechner. Eine Anleitung für die Anpassung eines neueren Systems an den Betrieb mit SSDs haben wir bereits in einem früheren Beitrag gegeben.

Nachdem die entsprechende Software gelöscht ist, sollten die temporären Dateien reinen Gewissens zu löschen sein.

Gruß
Doc Storage



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