06.02.2015 (Doc Storage)
4.5 von 5, (4 Bewertungen)

Limitierte Schreibzyklen auch bei Festplatten?

Leserfrage: SSDs können bauartbedingt nicht beliebig oft beschrieben werden, auch wenn sich hier bereits viel getan hat. Bei Festplatten wird dagegen vorausgesetzt, dass sich diese unlimitiert oft beschreiben lassen. Stimmt das? Ist es nicht vielmehr so, dass um die enorme Dichte zu erreichen, der Schreib-/Lesekopf ebenfalls Großteils aus Silikon besteht und deshalb einer ähnlichen Limitierung unterliegt wie SSDs?

Antwort Doc Storage:

In modernen Festplatten, also seit ungefähr Mitte der Neunziger Jahre, werden aufgrund der enormen Datendichte keine tatsächlich zustandsändernden Materialien mehr in Schreib-Leseköpfen genutzt. Vielmehr gelingt es bei der Riesenmagnet-Widerstandstechnologie (GMR, Giant Magneto Resistance), die sich durch die jeweils andersartige Orientierung ändernden Widerstände zwischen zwei informationstragenden Schichten zu registrieren. Hier findet technologiebedingt keine Materialermüdung mehr statt. Auch eine weitere Achillesferse in konventionellen Festplatten, die Schrittmotoren zur Bewegung der Schreib-Leseköpfe, wurden im Laufe der Jahre durch berührungslose und damit abriebfreie Tauchspulen ersetzt.

Somit bleiben als Schwachstellen heutiger Festplatten die nicht zu umgehenden mechanischen Gegebenheiten. Zum einen muss zur Nutzung des GMR-Verfahrens der Schreib-Lesekopf wesentlich näher an das Medium herangebracht werden als noch vor 15 bis 20 Jahren. Praktisch bedeutet dies, dass sich der Abstand zwischen Kopf und Medium von zirka 20 nm auf heute um die 3 nm verringert hat. Somit wächst aber auch die Gefahr, dass der Arm bei Erschütterungen oder Schwingungen auf dem Medium aufsetzt (Headcrash), was in vielen Fällen zu einer Abschälung der speichernden Beschichtung führt und damit den Verlust der dort abgelegten Informationen mit sich bringt. Heutige Platten müssen also wesentlich nachhaltiger vor Schwingungen und Erschütterungen geschützt werden als ihre Urahnen in den vergangenen Jahrzehnten.

Eine weitere Maßnahme, die zur Verlängerung der Lebensdauer führt, ist die Füllung der Festplattengehäuse mit Helium. Durch seine geringere Dichte bietet es den verbauten Komponenten weniger Widerstand und führt so zu einer geringeren Gesamtbelastung der beweglichen Bauteile. Durch seine bessere Wärmeleitfähigkeit wird die im Gehäuse entstehende Hitze besser nach außen abgegeben, was ebenfalls zu einer Verlängerung der Lebensdauer führt.

Gruß
Doc Storage

Stellen Sie Ihre Frage
Doc. tec. Storage beantwortet alle Ihre technischen Fragen zu Storage, Backup & Co.

Stellen Sie Ihre Frage an: DocStorage@speicherguide.de

Mehr von Doc. tec. Storage 10.09.2021 Wie sinnvoll ist eine Backup-Appliance mit NVMe?

Backup und Recovery können gar nicht schnell genug sein. Mittlerweile gibt es auch die ersten NVMe-Backup-Appliances. Doch, kommen die Vorzüge von NVMe in einer Backup-Appliance überhaupt zum Tragen? Zumal NVMe ja doch noch teurer ist, als Standard-SSDs.


16.07.2021 Hilft Immutable-Backup/-Storage gegen Ransomware?

Nach den letzten Cyberangriffen wird immer wieder Immutable-Backup bzw. Immutable-Storage als die Lösung gegen Ransomware genannt. Ist das wirklich der neue Heilsbringer, wie es beispielsweise Cohesity propagiert? Oder gibt es auch kritische Stimmen?


18.06.2021 Zuverlässigkeit von Bändern und Tape-Librarys

Hersteller und Anbieter sprechen von einer Tape-Renaissance, von einer ausgereiften Technologie und dergleichen. Wie ist es bei Tape-Librarys mit der Mechanik? Früher gab es da oft oder regelmäßig Probleme. Auch haben sich Tapes immer wieder nicht auslesen lassen. Wie sind die Erfahrungen mit der Zuverlässigkeit von Bändern heute?


28.05.2021 Hardware- vs. Software-RAID: Was sind die Unterschiede?

In einer der letzten Storage-Veranstaltungen ging es darum, dass es keinen Sinn mehr mache auf Hardware-RAID zu setzen. Gehört dem Software-RAID wirklich die Zukunft? Welches sind die jeweiligen Vor- und Nachteile und auf was kommt es an?


07.05.2021 Was versteht man unter Dual-Layer Erasure-Coding?

Das Erasure-Coding ist bekannt und wurde auch schon mehrmals beschrieben. Nun sind wir zuletzt mehrfach auf den Begriff Dual-Layer Erasure-Coding gestoßen. Was verbirgt sich dahinter bzw. was sollte man dazu wissen?


19.03.2021 Backup-Konzept: Was sind die Türme von Hanoi?

Die Türme von Hanoi sind eine eher selten eingesetzte Datensicherungsstrategie. Was sind die Vorteile und warum hat sich das Konzept nicht durchgesetzt? Doc Storage erklärt den komplexen Backup-Plan und warum es gar nicht abwegig ist, darüber nachzudenken.

powered by
N-TEC GmbH Overland-Tandberg
FAST LTA Quantum
Folgen Sie speicherguide.de auch auf unseren Social-Media-Kanälen
Folgen Sie uns auf Facebook Folgen Sie uns auf Pinterest Folgen Sie uns auf YouTube
Folgen Sie uns auf Twitter Folgen Sie uns auf Linkedin speicherguide.de-News per RSS-Feed