08.11.2019 (Doc Storage)
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Endlich: Hersteller wehren sich gegen Analysten

Kolumne Doc Storage:

Das wird auch langsam mal Zeit: Hersteller wehren sich gegen Analysten

Wäre nicht erst November, könnte man meinen, es sei schon Weihnachten. Endlich liest man einmal von Herstellern, die – man entschuldige meinen Ausdruck – die Eier besitzen, gegen die Beurteilung und Einstufung durch sogenannte »Analysten« vorzugehen. Im speziellen geht es momentan um den »magischen Quadranten« eines bestimmten Unternehmens, mit dem diese Firma seit Jahrzehnten meint, die Qualität der Produkte und der Roadmaps einzelner Hersteller beurteilen zu können. In diesem Quadranten gibt es »Leaders«, also Anführer, »Challengers«, also Herausforderer, »Visionaries«, also Visionäre und letztlich »Niche Players«, Nischenanbieter.

Zur Beurteilung werden selbstkonstruierte Parameter herangezogen, die, so meinen die Analysten, im Ergebnis zur Einordnung an einem bestimmten Punkt weiter oben und rechts oder eben weiter unten und links im »Quadranten« dienen. Vor allem sind Parameter wie jährlicher Umsatz und verkaufte Produktmenge ausschlaggebend, aber auch die Menge des Produktangebotes und die Marktaktivitäten. Was das allerdings mit der Qualität der einzelnen Produkte zu tun haben soll, muss erst einmal jemand erklären. Ist ein Golf besser als eine S-Klasse, weil mehr davon auf der Straße rumfahren? Ist eine Casio-Uhr besser als eine Rolex, nur weil deren Hersteller damit mehr Umsatz generiert oder es eine größere Auswahl bei den Typen gibt? Wohl kaum. Aber genau diese Kriterien schieben einen Hersteller weiter nach oben rechts in einem der »magischen Quadranten«.

Verkaufszahlen kein ausschlaggebendes Kaufargument

Ich hab’s bereits einmal geschrieben, ich schreibe es gern nochmal: Wir alle, die wir seit Jahrzehnten in Doppelböden tätig sind, wissen nur zu genau, dass man ein Produkt für die eigene Produktion nicht danach auswählt, wieviel der Hersteller davon verkauft. Oder wie viele andere Produkte oder Features noch angeboten werden. Sondern danach, ob das Produkt genau das tut, was ich zur Erfüllung einer gewissen Aufgabe brauche. Das hat nichts, aber auch überhaupt nichts mit den Kriterien der »Analysten« zu tun.

Ob es nun, wie in der aktuellen Berichterstattung, um Backup-Produkte, um Speichersysteme, um Netzwerkprodukte oder was auch immer geht – ich muss mich in der Beschaffung auf mein eigenstes Lastenheft, meine eigenen Testreihen und mein eigenes Budget kümmern. Nicht darum, was irgendjemand, der – nach meinen Erfahrungen – noch nie produktiv in einem Rechenzentrum gearbeitet hat, zum Umsatz einer bestimmten Firma in einem ausgewählten Markt meint. Oder ob er diesen Hersteller für einen Visionär oder einen Nischenplayer hält. Ich habe bei der aktuellen Lösung eines bestimmten Problems nichts davon, ob jemand Visionen hat oder nicht. Oder ob es sonst niemanden mit einer bestimmten Lösung gibt und damit dann Nischenplayer ist. Wenn das Zeug mein Problem löst, wird’s gekauft.

Endlich fangen die Hersteller an, sich gegen diesen Mumpitz der angeblich neutralen Herstellerbewertungen zu wehren, zum allerersten Mal im Bereich Backup und Recovery. Da ist zum Beispiel die Begründung für eine schlechtere Einstufung, dass sich bestimmte Produkte »sich nicht in Snapshot-Funktionen führender Clouds wie AWS und Microsoft Azure integrieren ließen«. Wie schon oben angeführt – vielleicht brauche ich den Cloud-Blödsinn gar nicht, aber der Rest des Produktes erfüllt genau meine Anforderungen.

Ein weiteres Kriterium ist dort, dass eine Software »in Großunternehmen wenig Reputation genieße und eingeschränkte Funktionen für die Berichterstellung und Fehlerbehebung für Ransomware mitbringe«. Auch hier wieder – was interessiert mich die Reputation in anderen Unternehmen, wenn MEINE Probleme gelöst werden? Und wozu brauche ich den Ransomware-Klumpatsch, wenn ich hierfür bereits eigene Lösungen habe?

Dass sich die »Analysten« immer wieder wegen ihrer Ergebnisse mit den betroffenen Herstellern prügeln, wundert wenig. Und dass diese »Experten« genauso häufig dem Verdacht ausgesetzt sind, sich ihre Analysen bezahlen zu lassen, ebenso. Natürlich betonen diese Herrschaften immer wieder, dass es natürlich nichts kosten würde, sie zu einem bestimmten Ergebnis zu bewegen. Mein Tipp: schauen Sie sich einmal die Umsätze und die Büropaläste der einschlägigen Unternehmen an. Dort kann man sehen, wieviel dieses »nichts« sein muss. Und in Zukunft einfach auf den eigenen Menschenverstand und die eigenen Testergebnisse auf Basis eigener Lastenhefte verlassen. Das reicht völlig.

Gruß
Doc Storage

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Kommentare (2)
08.11.2019 - LHL

Ich stimme allen Punkten in Bezug auf Analysten und deren Studien zu. Mich stört in diesem Beitrag eigentlich nur ein Satz:
"Und wozu brauche ich den Ransomware-Klumpatsch, wenn ich hierfür bereits eigene Lösungen habe?"

Es geht hier doch immerhin um Backup/Recovery - und das ist - egal welche anderen Vorsorgemaßnahmen ich getroffen habe - die letzte Verteidigungslinie vor dem Datenverlust und/oder dem Einwurf vieler Bitcoins. Insofern sollte meine Lösung vor allem im Recovery-Bereich in der Lage sein, den Worstcase zu bewältigen. Dass man das wiederum wahrscheinlich nicht aus den Quadranten ablesen kann passt wiederum zur Grundaussage des Artikels.

08.11.2019 - DrUKff

Unser Kommentar zum Beitrag "Hersteller wehren sich gegen Analysten":

[DE] "Welchen Wert haben Marktstudien von Analysten?" | PROJECT CONSULT Blog #Gartner #Speicherguide #marktstudie #Recovery #Backup #magic #Quadrant #MQ #Kritik #Analyst #Quality #Value bit.ly/wertmarktstudien


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