20.03.2015 (Doc Storage)
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Das Wort zur CeBIT: Danke, das war's!

Aus aktuellen Anlass veröffentlichen wir heute keine Antwort auf eine dedizierte Frage, sondern eine Kolumne unseres Doc's zur CeBIT 2015. Wir freuen uns auf Ihre zahlreichen Kommentare. ;)

Kolumne Doc Storage:


Sehr geehrte Damen und Herren,

nachdem die einstmals größte Messe der Branche, die vormals beste Marke der Deutschen Messe AG nun fast die zusammengekürzten fünf Tage rumgebracht hat, ist es Zeit, eine Bilanz des diesjährigen Jammerspiels zu ziehen. Man kann schon erahnen, was einen erwartet, wenn man gegen 10 Uhr morgens den Messeschnellweg runterfährt und ohne Stau, ohne Warten einen Platz auf der zweiten Ebene des Parkhauses vor Halle 1 bekommt (sollte die nicht schon vor Jahren abgerissen werden...?). Die Besucher bilden am Eingang Nord keine langen Schlangen mehr, die ankommenden Straßenbahnen erbrechen keine Menschenmassen mehr Richtung Kassen. Und in der grellen Eingangshalle erahnt man dann, was das Volk davon abhalten könnte, die im eigenen Saft kochenden Aussteller zu stören. 60 Euro Eintritt!? Am Tag? Man traut seinen Augen nicht, es gab Zeiten, da hat eine Messekarte – damals acht Tage – 120 Mark gekostet. Das ruft der Veranstalter also nun am Tag auf, an sich schon eine reife Leistung.

Aber in den Hallen erwartet einen noch schlimmeres. Wer denn erwartet hatte, für diesen Premiumpreis auch Premium geboten zu bekommen, sieht sich bitterlich enttäuscht. Weder die großen noch die kleinen Hersteller zeigen »irgendetwas« neues, alles ist Big Data, Cloud und Security. Gähn. Man fühlt sich, als hätte man aus Versehen ein schwarzes Loch erwischt und wäre zwei Jahre zurückgeschleudert worden. Hardware ist bäh, Software ist alles, besser noch software-defined, das muss auf jedem Stand stehen, sonst kommt ja keiner. Lösungen sind natürlich besser als Produkte, Dienstleistungen werden immer noch angepriesen wie Sauerbier, obwohl diese in DACH, anders als im Rest der Welt, (fast) niemand haben will und muss.

Selbst die Shows auf den Ständen, falls es sie denn überhaupt noch gibt, sind von Performances wenigstens schön anzusehender ausgebildeter Schauspieler oder Tänzer zu folienvorlesenden Langeweilern verkommen, an denen jeder so schnell wie möglich versucht vorbeizukommen, um keinen Knallschaden zu erleiden. Die einzigen, die einem wirklich leidtun, sind die Aussteller gegenüber, die dieser halbstündig wiederkehrenden Vorhölle nicht entkommen können. Dante hätte es nicht besser inszenieren können.

Fazit: Liebe CeBIT, das war's nun endgültig. Aber Ihr, die Deutsche Messe, seid nicht allein schuld. Schuld sind die Weicheier unter dem Standpersonal, die mir nach drei Tagen erzählen, so jetzt wäre es aber genug, sie seien völlig fertig. Vor zwanzig Jahren, als noch alles gut war, haben wir zwei Tage aufgebaut, acht Tage auf der Messe gestanden, jeden Abend irgendwo Fete gemacht und waren zum Abbau auch noch da! Schuld sind die Aussteller, die hier noch nicht einmal mehr den Versuch unternehmen, interessant zu sein, sondern freiwillig im »xaaS-Service-irgendwas-Brei« unterzugehen. Aber eine Mitschuld trifft Euch trotzdem: Schämt Euch, 60 Euro für einen Tag, für so eine miese Show!

Im nächsten Jahr werde ich besseres zu tun haben, das war's für mich, nach 27 Jahren. Danke

Gruß
Doc Storage

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Kommentare (5)
21.03.2015 - DrUKff

OK DOC Storage, wenn man sich nach fulminanten Schränken mit Speichern sehnt, kommt einem das Entschwinden des Storage in die Cloud natürlich als Entzug vor. Es kommt immer auf die Erwartungshaltung an und wenn man jedes Jahr seit Jahrzehnten nach Hannover gepilgert ist, hat man eine andere Brille auf als die Youngsters im Business, die sich in den Erlebnispark CeBIT stürzen. Mir persönlich haben meine zwei Tage in den Messehallen Spass gemacht (ich habe allerdings nur am Rande nach Storage gelinst und dafür mit anderen nicht minder "aufregenden" Themen beschäftigt): www.project-consult.de/ecm/in_der_diskussion/cebit_impressionen_2015
Ulrich Kampffmeyer

21.03.2015 - gnu

Wenn ich nichts mitnehme, ist wer "schuld" (word!)? Messe, Hersteller...auch der IT-Journalismus allg. ist nicht gerade in einer Hochphase...Zum Schnellweg und ähnlich elegischen Eindrücken: wenn man den Weg zur B2B-Messe mitgehen möchte, ist die Messe noch zu groß. Aber in Frankfurt wird klein auch von allen nur schlecht geredet. Eintritt: das ist doch der eingeschlagene Weg zum B2B und hält die Masse fern, die die Professionals vom wichtig-popichtigen Tun abhält. Zu den Profs zählen sich ja vereinzelt auch Journalisten - jeder Consumer bekommt ein Freiticket, wenn er einen Internetzugang hat...Stand-Shows vs beinfreien PPTs...geschenkt, stimmt! Aber ja nicht der Erfahrungsbereich, von dem ich von Doc Storage etwas brauche. Ein Event ist die CeBIT nicht, aber ein potenzieller Arbeitsort. Die Spiele-Hallen 16/17 und Bags sind jetzt eben auf der IFA, Computex, CES...stört Storage nicht...
Was also will der Kommentar? Müde nach 5 Tagen (5 3weich 8früher)? Für mich ist der (einzig) interessante Satz im Kommentar: "Weder die großen noch die kleinen Hersteller zeigen »irgendetwas« neues, alles ist Big Data, Cloud und Security. Gähn."
1. stimmt das nicht, muss man halt Mehrwert bieten (Expertenauftrag B- C) 2. ja, die Großen machen nichts, weil die CeBIT als lokale Messe klein geredet wird und nun nicht mal Stau auf der Autobahn ist (eine Perspektive, die wenige ausländische Besucher je hatten) und 3. kleine werden nicht besucht, ignoriert...nicht deren "Schuld", ein Fall für investigativen Journalismus.
Ja, es sollte Qualitätsdruck (i.d. Kommunikation) ausgeübt werden auf die Hersteller. Prädestiniert wären dafür PR und Meinungsbildner wie Sie, Doc, die ohnehin niemand an die Nase fasst. Ihre Kanonenkugel ist ein Anfang, I like ;)
Warum aber werden die nächsten Themenspecials hier und anderswo heissen: "Big Data, Cloud und Security. Gähn". Sind da auch Messe/Hersteller "schuld" (word!)? Und die Anwender nochmal verar...? Dr. Storage, help!

20.03.2015 - Bernd Nussbaum

Ich kann dem als Aussteller nur teilweise zustimmen. Wir sind einer der wenigen, die tatsächlich noch was zum Anfassen mit auf die Messe bringen und sind eigentlich mit Besuchern und Ergebnis recht zufrieden. Gott sei Dank sind die höher-schneller-weiter-Zeiten vorbei, in dem ein Besucher-Rekord den nächsten jagte. Man kommt sowohl als Aussteller, sowie auch als Besucher entspannt zur Messe und hat dort auch wirklich Zeit sich einander zu widmen. Wir hatten gute Leads und das ist uns mehr wert, als den Stand 9 Stunden lang vor Beutelratten beschützen zu müssen. ;)

20.03.2015 - speicherprofi

Diese Schilderung der CeBIT kann ich zu 100% unterstreichen. Es ist wirklich erschreckend, was aus dieser Messe geworden ist und wie sich einzelne Anbieter präsentieren. Bei einigen Ständen fragt man sich wirklich, welches Konzept und welche Message dort zum Ausdruck kommen soll?

Was mich aber am meisten stört, dass grosse Hersteller sich auf einem Sammelstand zusammenrotten, nur um sagen zu können, wir haben auch einen Stand auf der CeBIT. Gezeigt wird aber nichts! Ich dachte immer der Sinn einer Messe sei es, dass ein Kunde auch mal etwas sehen und anfassen kann?! Dies scheint in den meisten Messekonzepten nicht vorhanden zu sein. Wenn ich Obst und Gemüse sehen möchte, gehe ich in die nächste Grossmarkthalle und nicht auf die CeBIT.

Und das Hersteller aus der "MediaMarkt-Liga" nun auch grosse Stände ich Halle 2 haben, lässt tief in die Zukunft der Storage-Branche blicken...

20.03.2015 - pe

Gibt es denn wenigstens noch die feuchtfröhlichen 18:00 Uhr-Standpartys, die man früher mitnahm, bevor man zu einer Dinnerveranstaltung einfiel, wo hungriges Messevolk in Rekordzeit die Büffets abräumt, und nach denen man auf die diversen Messepartys tourte, bei denen man nach dem sechsten Pils endlich die wirklich guten Infos aus den Unternehmen erhielt?


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