13.01.2016 (Hartmut Wiehr)
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Zuerst die Daten managen, dann die Speichersilos

  • Inhalt dieses Artikels
  • Silogrenzen auflösen
  • Virtuelle Plattform setzt auf bestehende Architektur auf
  • Primary Data setzt auf drei Grundsätze
  • Handlungsdreieck: Performance, Datenschutz & Kosten

Proprietäre und meist komplexe Speichersilos erschweren den Datenaustausch und eine gemeinsame Verwaltung. Das US-Startup Primary Data versucht mit seinem Data-Sphere-System das Datenmanagement zu vereinfachen, Lockin-Situationen aufzulösen und Kosten einzusparen. Wir sprachen in Los Altos mit CEO Lance Smith und CTO David Flynn.

Virtualisierungs-Ressourcen über ein Single-Global-Dataspace (Grafik: Primary Data)Virtualisierungs-Ressourcen über ein Single-Global-DataspaceAuf einer IT-Press-Tour trafen wir im Dezember letzten Jahres CEO Lance Smith und CTO David Flynn von Primary Data an ihrem Firmensitz in Los Altos mitten im Silicon Valley. Das Startup wurde 2011 gegründet, hat im November 2014 den »Stealth Modus« verlassen und hat dann Ende August 2015 auf der VMworld in San Francisco sein erstes Produkt »DataSphere« vorgestellt. Bislang hat das junge Unternehmen 60 Millionen Dollar an Finanzierungsgeldern aufgetrieben, zudem dürfte Flynn als Ex-Founder von FusionIO (2014 verkauft an SanDisk) über gut gefüllte Bankkonten verfügen. Mit von der Partie ist auch Steve Wozniak, einer der Gründer von Apple.

Silogrenzen auflösen

Mit Datasphere will das Primary Data ein Problem lösen, das fast jedes Unternehmen plagt: IT- und insbesondere Speicherlandschaften sind durch hochkomplexe und proprietäre Silos geprägt, die nicht nur den Datenaustausch und eine gemeinsame Veraltung erschweren, sondern darüber hinaus viel Geld verschlingen und Lockin-Situationen erzeugen. Im Unterschied zu anderen Ansätzen zur Auflösung der Silogrenzen und zur Schaffung eines einheitlichen Speicherraums akzeptiert Primary Data diese Silos. CEO Smith sieht die Lösung in »manage data rather than storage silos«.

Die Speicherlandschaft, so Smith, ist geprägt durch das Nebeneinander von Servern mit DAS (Direct-Attached-Storage, zunehmend in der Form von Flash), SAN (mit Block-Storage), NAS (mit File-Storage) und Cloud Storage (auf der Basis von Object-Storage). Mit Virtualisierung besitze man heute die Möglichkeit, Compute- mit Storage-Funktionen fließend miteinander zu verbinden und automatisches Verschieben von Daten einzusetzen.

Virtuelle Plattform setzt auf bestehende Architektur auf

Primary Data Application Services MenüPrimary Data Application Services MenüLaut Smith will Primary Data einen weiteren Layer vor den gegebenen Strukturen etablieren: »Die virtuellen Ressourcen erlauben es uns, die Daten innerhalb eines einzigen Global-Dataspace zu bewegen. Es lässt sich mit Automatismen festlegen, was die Unternehmensdaten jeweils an Speichergrundlage benötigen, und sie werden dann dort platziert, wo es am besten für ihre Aufgaben ist. Indem wir die existierende Speicherinfrastruktur benützen, sorgen wir für `the right data, the right place, the right time´.“

Smith führte weiter aus: »Wir konzentrieren uns bewusst auf große Unternehmen, und nicht auf kleine oder mittlere. Wir liefern eine auf VMware-Technologie basierende Plattform, die keine Eingriffe in die bestehende Speicher-Architektur erfordert. Damit stehen wir konkurrenzlos dar in der gesamten Speicherindustrie.« Was Smith nicht sagte, ist die Tatsache, dass EMC mit »ViPR« einen ähnlichen Ansatz verfolgt und dass mit weiteren software-definierten Technologien in dieser Richtung zu rechnen ist. Primary Data hütet sich bisher, überhaupt die Vokabel »software-defined« in den Mund zu nehmen, obwohl seine Technologie auf einer weiteren Software-Schicht beruht.

Primary Data setzt auf drei Grundsätze

CTO Flynn, laut Smith das eigentliche Genie an der Spitze des Startups, versuchte in einem längeren Vortrag in Los Altos die technischen Besonderheiten von Datasphere zu erläutern: »Unser Konzept setzt auf drei Grundsätzen auf. Erstens: Data Virtualization erlaubt eine kontinuierliche Identität der Daten und des Zugangs zu ihnen. Zweitens: Es gibt in jedem Unternehmen feste Zielsetzungen (Basic Objectives), die von den jeweiligen Dateneignern, den Geschäftsstrategien oder den finanziellen Vorgaben definiert sind. Drittens: Hinzu kommen Smart Objectives, die zum Beispiel von dem Interesse an Big Data/Analytics ausgehen.« Bisher sei man von der Trennung in physikalischen Storage und in Daten ausgegangen, eine Trennung, die es zu überwinden gelte.

Für die Zukunft plant Primary die stärkere Verankerung von Virtualisierungsfunktionen, insbesondere von VVOLs (Virtual Volumes), mit denen Vmware einen enormen Schritt in Richtung geänderte Migrationsmöglichkeiten der Daten geschaffen habe. Flynn will ferner neue Formen eines Scaleout-NAS schaffen. Und schließlich werde man sich dem Alltagsgeschäft von Storage in Form von Backup und Restore, von Archivierung und Cloud-Gateways für Speicher widmen – immer auf der Basis der Trennung der Daten und des Datenmanagements von ihrer physikalischen Basis. Bisher, so Flynn, gäbe es diese Trennung nur bei einigen Angeboten von SDN (Storage-defined Networking), bei XFS, dem Linux-Filesystem, und bei pNFS (parallel NFS).

Handlungsdreieck: Performance, Datenschutz & Kosten

David Flynn, Primary Data (Bild: Hartmut Wiehr)David Flynn, Primary DataDas Datasphere-Portal unterstützt die Betriebssysteme Windows, Linux und ESX. Firmen können zudem eine abgetrennte Appliance erwerben. Im täglichen Umgang mit den Daten müssen sich die Unternehmen laut Flynn in dem Dreieck von Performance, Datenschutz und Kosten bewegen und ihre Daten entsprechende »Objectives« zuweisen, nach denen sie dann auf Systemen für Block-, File- oder Object-Storage abgelegt oder im Zeitverlauf hin und her bewegt werden. Ein Verfahren, das sehr stark an herkömmliche Mechanismen für die Datenzuweisung auf bestimmte Tiers (von Flash über SAS und SATA bis hin zu Tape) erinnert.

Datasphere soll unterschiedlich teure Datendienste für Anwendungen anbieten: Platinum, Gold, Silver, Bronze und Cloud (siehe Abbildung »Application Services Menu«). Bemerkenswert ist, dass Primary Data von einer gegebenen und zukünftigen Infrastruktur in Speichersilos (DAS, SAN, NAS, Cloud) ausgeht und sich diese zunutze machen will. Ändert sich diese Infrastruktur, müsste sich das Startup etwas anderes ausdenken.

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